Apothekensterben im HSK

Apotheker aus Winterberg warnt vor Versorgungslücken

Apotheken in NRW schließen vermehrt. Das betrifft auch den HSK.

Apotheken in NRW schließen vermehrt. Das betrifft auch den HSK.

Foto: Ole Spata / dpa

Winterberg.  Jürgen Schäfer, Apotheker aus Winterberg, spricht über erschreckende Zahlen. Was Apotheken bieten müssen, um die Versorgung zu gewährleisten:

Die Zahl der Apotheken in NRW ist in den letzten Jahren stark gesunken, fast jede fünfte Apotheke hat seit 2008 geschlossen. Das teilt IT.NRW mit. Auch Jürgen Schäfer, Apotheker aus Winterberg und Sprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, beobachtet die sinkenden Zahlen der Apotheken ganz genau und bestätigt, dass das Problem auch den Altkreis Brilon betrifft – besonders die Dörfer.

Seit 20 Jahren beobachtet er Apothekensterben

„Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit diesem Thema und beobachte genau, was um uns herum passiert – es ist alarmierend.

Das permanente Apothekensterben läuft schon seit ungefähr sieben Jahren und jedes Jahr verlieren wir Apotheken“, sagt Jürgen Schäfer. So seien vor einigen Jahren in Winterberg noch sechs Apotheken ansässig gewesen, mittlerweile seien es noch drei. Das Apothekensterben habe auf dem Land begonnen und weite sich jetzt auf die Vorstadtgebiete im Ruhrgebiet aus, erklärt der Apothekensprecher. Die Schließungsrate dort sei sehr hoch.

Das habe verschiedene Ursachen. „Viele machen natürlich aus wirtschaftlichen Gründen zu. Personalprobleme spielen dabei aber auch eine wichtige Rolle“, erklärt Jürgen Schäfer. „Der Apotheker an sich geht zwar vorneweg, aber ohne die Pharmazeutischen Fachangestellten ist eine Apotheke nichts wert und kann nicht rentabel geführt werden. Und der wirtschaftliche Grad, eine Apotheke rentabel zu führen, ist derzeit sehr eng.“ Gründe für den Mangel an Pharmazeutischen Fachangestellten sieht der Apothekerverband NRW in dem über die letzten Jahre nur minimal gestiegenen Gehalt und der Wochenendarbeit, die viele scheuen würden. „Apotheker sind nie arbeitslos, sie sind permanent gesucht“, bekräftigt auch Jürgen Schäfer.

Immer weniger Apotheker in NRW

Er beobachtet, dass die Zahl der Apotheker innerhalb Deutschlands in den letzten zehn Jahren um die 30 Prozent zurückgegangen sei.

Die Zahl der Apotheken um rund 10 Prozent (von 21.000 auf rund 18.900 Apotheken deutschlandweit). „Dass es weniger Apotheker gibt liegt aber auch daran, dass ein Apotheker eine Haupt- und drei Nebenfilialen führen darf. Damit bilden sich Apothekerverbünde, die von nur einem Apotheker geleitet werden. Arbeitsprozesse können so aufgeteilt werden.“

Während auf den Dörfern und in den Vorstädten die Apotheken schließen, bilden sich an den Standorten größere Apotheken mit mehr Angestellten heraus. „Diese größeren Apotheken müssen aber auch die neuen und besonderen Bedürfnisse der Menschen innovativ abdecken“, erklärt Jürgen Schäfer. Eines der größten Probleme: Die wohnortnahe Versorgung. Früher hätten viele Menschen im Umkreis von sechs Kilometern eine Apotheke gehabt. Jetzt gebe es regelrecht weiße Flecken auf der Karte. Besonders für alte und behinderte Menschen ein echtes Problem. „Es liegt also an uns, wohnortnahe Betreuung zu gewährleisten mit Möglichkeiten wie einem funktionierenden Botendienst.“

Jürgen Schäfer zeigt sich als Vorreiter

Jürgen Schäfer ist Vorreiter, was die Versorgung über einen größeren Einzugsbereich angeht. So war er bei der mobilen Apotheke mit Briefkasten für Rezepte beteiligt, die in Siedlinghausen angeboten wurde, nachdem dort eine Apotheken-Filiale schließen musste. Und auch bei der App apomap macht er mit (siehe Zweittext).

Digitalisierung ist das Stichwort: „Wir müssen es in die Wohnzimmer unserer Kunden schaffen, damit sie sich vertrauensvoll aufgehoben fühlen“, sagt Jürgen Schäfer mit Blick auf die Online-Konkurrenz.

Es sei nur logisch, dass die Online-Versandhäuser in der Medikamentenversorgung einen Markt sehen, der erobert werden könne. „Hier gibt es immer weniger Apotheken und da setzen die Online-Händler an, schicken von Holland aus ihre Medikamente ins Sauerland. Wir müssen neben der Fachberatung als unsere große Stärke auch und als Vertrauensperson hervorheben. Wir haben mit Medikamenten zu tun, die Leben retten und Leben zerstören können und da ist es immer noch wichtig, nicht anonym im Netz zu bestellen, sondern auch jemanden zu haben, der vertrauensvoll berät.“ Allerdings mache der Onlinehandel bisher nur vier Prozent auf dem Markt aus.

Jürgen Schäfer zeigt sich zuversichtlich. „Die, die jetzt da sind, sind eine neue Generation an Apothekern, die sich digital aufstellen und ihre Kunden trotzdem noch mit einer persönlichen Beratung versorgen.“

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