Hochsauerlandkreis/Medebach. . Der Anwalt der angeklagten Sozialarbeiterin des Hochsauerlandkreises sagt, seine Mandantin trage keine Mitschuld am Tod des Jungen.

  • Rechtsanwalt: Mandantin wehrt sich gegen den Vorwurf der Mitschuld am Tod des Jungen
  • Kritik: Rechtliche Grundfragen des Rechts der Kinder- und Jugendhilfe nicht erörtert
  • Die angeklagte Sozialarbeiterin arbeitet mittlerweile in einer anderen Abteilung im Kreishaus

Nach dem Tod eines zweijährigen Jungen aus dem Raum Winterberg hat die Staatsanwaltschaft Arnsberg eine Mitarbeiterin (28) des Jugendamtes des HSK wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Jetzt reagiert der Rechtsanwalt der Sozialarbeiterin. „Meine Mandantin wehrt sich gegen den Vorwurf der Mitschuld am Tod des Jungen“, sagte Thomas Mörsberger zur WP.

Wie berichtet begründet Staatsanwalt Klaus Neulken die Klage damit, dass die Sozialarbeiterin nicht ausreichend auf das Wohl der Kinder geachtet habe – und das, obwohl das Jugendamt des Vogtlandkreises, wo die Familie zuvor gewohnt hatte, dem Jugendamt im HSK einen Hinweis gegeben habe, dass die Kinder gefährdet sind.

Vorwürfe sind eine starke persönliche Belastung für die Frau

Seine Mandantin sei betroffen, habe sich aber juristisch keine Vorwürfe zu machen, sagte Mörsberger, der als Rechtskenner und Fachmann in der Jugend- und Kinderhilfe gilt. Dass das Amtsgericht Medebach sich zu diesem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gewandt habe, sei aus seiner Sicht ein bemerkenswerter Vorgang.

„Das sind geballte Vorinformationen.“ Der Sachverhalt müsse aber umfassend, differenziert betrachtet werden. „Die Vorwürfe sind eine starke persönliche Belastung. Bis zur Eröffnung der Hauptverhandlung stehen sie jetzt im Raum“, so Mörsberger. Daher habe er sich an die Öffentlichkeit gewandt, da „wichtige Sachverhaltskomplexe, aber insbesondere rechtliche Grundfragen des Rechts der Kinder- und Jugendhilfe nicht erörtert wurden geschweige denn als geklärt gelten können.“

Grenzen einer Fachkraft des Jugendamts in der Arbeit mit Familien

Seine Mandantin habe feststellen müssen, dass in der Öffentlichkeit und in Teilen der Justiz nur vage Vorstellungen darüber bestünden, was Möglichkeiten und Grenzen einer Fachkraft des Jugendamts in der Arbeit mit Familien seien. Die Verhandlung sei für sie eine Chance rehabilitiert zu werden.

Es werde oft von außen vorschnell geurteilt, so Mörsberger. „Man muss aber den Blick differenziert zurück werfen und nicht pauschal urteilen.“ Es gelte zu befinden, was unter den gegebenen Umständen in der Arbeit der Jugendämter möglich sei und wie der Fall vor dem Hintergrund der Rechtslage zu beurteilen sei.

Der Hintergrund des Falls

Hintergrund der Anklage ist der Fall einer Mutter von damals neun Kindern aus dem Raum Winterberg. Im Februar 2014 hatte sie zwei Kinder ins Hüstener Karolinenhospital gebracht. Sie waren ausgetrocknet und unterernährt. Der Junge (2) starb. Dem acht Monate alten Mädchen retteten Ärzte das Leben. Gegen die Mutter beginnt demnächst am Landgericht in Arnsberg der Prozess. Das Amtsgericht Medebach hatte das Verfahren dorthin überwiesen, da statt fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung auch Körperverletzung mit Todesfolge und Körperverletzung unter bedingtem Vorsatz in Betracht kommen.

Die jetzt angeklagte Sozialarbeiterin arbeitet mittlerweile in einer anderen Abteilung im Kreishaus.

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