Winterberg. Die 16-köpfige Zirkusfamilie Trumpf tritt seit Jahrzehnten in der Manage auf. Zurzeit gastiert sie in Winterberg und gewährt exklusive Einblicke.

Man erlebt ein Déjà-vu, als wäre man in eine Zeitmaschine gestiegen und wieder sieben Jahre jung. Zuerst öffnet sich der rote Vorhang, der den Eingang in das Zirkuszelt markiert. Mit dem holzigen Geruch von Sägespänen in der Nase geht es an der urigen Popcornmaschine vorbei in die Manage, die einem als Kind immer so riesengroß vorkam.

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Für den Besucher ist sie ein Symbol für einen unterhaltsamen Abend, für die Familie Trumpf mehr wie ihr Wohnzimmer, in dem so viele Stunden trainiert, umgebaut und natürlich auch präsentiert wurde. Die sechzehnköpfige Zirkusfamilie zieht das gesamte Jahr über durch das Sauer- und Siegerland und gastiert aktuell in Winterberg.

In den Clown verliebt

Die Trumpfs kommen immer gleich mit einer ganzen Kolonne vorgefahren: Vier Lastwägen voller Equipment, um ein ganzes Zirkusdorf aufzubauen, vier Wohnwägen, in denen sich generationenübergreifend das Familienleben abspielt und sechs weitere Packwägen, um Tiere und alles weitere zum Leben von A nach B zu befördern. Nancy Trumpf ist seit acht Jahren mit von der Partie. „Ich bin damals hier in Winterberg in die Vorstellung gegangen und habe mich direkt in den Clown verliebt und ihn auch geheiratet“, scherzt die inzwischen zweifache Mutter. Ihre beiden Schützlinge Adelina (7) und Adrian (5) sind schon fester Bestandteil der Show und üben jeden Tag fleißig.

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„Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sehe wie viel Spaß die Zuschauer haben. Dann muss ich mitlachen“, erzählt die siebenjährige Adelina, die bei einigen Nummern in der Aufführung schon gar nicht mehr wegzudenken ist. Trotz des mobilen Alltags, ohne so richtig festen Wohnsitz, sollen es die jüngeren Trumpfs nicht schlechter haben als andere Kinder. Zwei Lehrkräfte besuchen die Zirkuskinder unterwegs, dafür werden die beweglichen Räumlichkeiten extra in ein Klassenzimmer umgewandelt.

Die heimlichen Stars: Fünf Ponys und zwei Alpakas

Hinter dem großen Manegenzelt gibt es einen offenen Stall, der in der kalten Jahreszeit ebenfalls in ein geschlossenes Zelt umgewandelt werden kann. Ihn bewohnen die heimlichen Stars der Truppe: Fünf Ponys und zwei Alpakas. Abgerundet wird der vierbeinige Trupp von zwei Papageien, die es sich auf einem kleinen Bäumchen gemütlich machen und ab und an ihren Senf zum Besten geben. Raubtiere, so wie es sie früher vermehrt in Zirkussen gab, seien laut Nancy Trumpf nicht mehr zeitgemäß, da diese nicht in geschlossene Käfige oder auf die Bühne gehören würden.

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Eine Aufführung dauert etwa anderthalb Stunden, die mit einer kurzen Pause ergänzt wird, in der die kleinen Besucher die Ponys und Alpakas streicheln gehen dürfen und in der die kleinen und großen Künstler ihre Outfits wechseln und weitere Teile der Show vorbereiten können.

„Wir haben keine festen Trainingszeiten, sind aber täglich auf den Seilen oder üben individuell. Keiner wird hier zu etwas gezwungen, wir haben alle Spaß daran. Wer kann schon dort arbeiten, wo andere Leute Urlaub machen“, berichtete Nancy Trumpf. Neben der Hochseilakrobatik, einer Clown-Nummer, verschiedenen Elementen mit Tüchern und Reifen, ergänzt die brandneue LED-Show das Programm der Familie.

Geeignete Plätze gefunden

Zwischen dem 13. und 23. Juli bleiben die Zelte in Winterberg bestehen, danach geht es nach Medebach (27. Juli bis 20. August), wo ein Ferienprojekt für junge Zirkuskindern und diejenigen, die es werden wollen angeboten wird. Wohin es die außergewöhnliche Familie danach verschlägt, sei noch ungewiss, die Planungen und entsprechenden Telefonate mit den Grundstücksbesitzern würden ein paar Wochen im Vorhinein geführt werden. Einen geeigneten Platz für ihr kleines Zirkusdorf haben die Trumpfs bislang fast immer bekommen.

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Die Vorstellungszeiten in Winterberg (Navi: Am Waltenberg): Do,Fr und Sa jeweils um 16 Uhr, So (16. Juli) um 14 Uhr und So (23. Juli) um 11 Uhr. Weitere Informationen unter www.circustrumpf.net oder unter 0151/54648431.