Kriminalität

Bank-Automaten in Olsberg gesprengt – Das sagen zwei Zeugen

Gegen 4 Uhr in der Nacht zu Freitag  haben unbekannte Täter den Geldautomaten der Commerzbank am Bigger Platz in Olsberg gesprengt und das Geld erbeutet.

Gegen 4 Uhr in der Nacht zu Freitag haben unbekannte Täter den Geldautomaten der Commerzbank am Bigger Platz in Olsberg gesprengt und das Geld erbeutet.

Foto: Jürgen Hendrichs

Olsberg.   Ein Geldautomat der Commerzbank in Olsberg wird am Freitag gesprengt. Die Explosion reißt Elja Seider aus dem Schlaf. Sie beobachtet die Täter.

Die Täter sind zwar auf der Flucht. Die Fahndung der Polizei verlief bisher ohne Erfolg. Die beiden Verdächtigen wurden aber bei der Tatausführung beobachtet. Die Westfalenpost sprach mit den zwei Zeugen, die der Polizei möglicherweise entscheidende Hinweise liefern können.

Von Knall aus dem Schlaf gerissen worden

Der gewaltige Knall reißt Elja Seider und ihren Gatten um kurz vor 4 Uhr aus dem Schlaf: „Mein Mann ist sofort ans Fenster.“ Das liegt genau gegenüber der Commerzbank-Filiale am Bigger Platz. Vielleicht 20 Meter sind es Luftlinie. Die Sicht ist frei. Die beiden großen Schaufensterscheiben sind zersplittert, der Geldautomat in der Mitte des Raumes in mehrere Teile zerlegt.

In dem Raum: eine Person, dem Anschein nach „ein junger Mann“, wie Elja Seider sagt. „Der hat was vom Boden in eine große schwarze Tasche gerafft. Dann kam ein Zweiter mit einem Motorroller und weg waren sie.“ „Kaum eine Minute“ habe das alles gedauert. „Dann haben wir die Polizei gerufen“, sagt die Frau.

Zeugin: So, als ob eine Bombe einschlägt

Eine Nachbarin, die anonym bleiben möchte, ist erst Knall- und vielleicht aber auch Tatzeugin. Sie kann nicht schlafen und sitzt in einem Sessel neben am Fenster. Das befindet sich auf der Seite zum Parkplatz. Durch die auf Ritze gezogenen Jalousien fallen ihr zwei Personen im Hit-Markt auf: „Das sah aus, als wenn sie am Fegen wären.“ Für die Putzkolonne scheint es ihr aber zu früh zu sein. „Ob sich die beiden etwa im Hit haben einschließen lassen?“, geht es ihr durch den Kopf. Dann auf einmal der Knall. „Ich habe gedacht, hier schlägt eine Bombe ein.“ Was sie noch bemerkt: die beiden Personen, die auf einem Motorroller an ihrem Haus vorfahren.

Bei dem Raubzug wird niemand verletzt

Erst später klärt die Kripo sie auf: Ihre Wahrnehmung in der Dunkelheit war eine Spiegelung. Sie hat die Gangster, die sich in der Commerzbank zu schaffen gemacht haben, in der Fensterfront des Supermarkt-Gebäudes beobachtet.

Nach Angaben der Polizei wird bei dem Raubzug niemand verletzt. Das Haus am Bigger Platz ist unbewohnt. In der Filiale der Commerzbank sind die Explosionsspuren deutlich zu sehen: die Zweigstelle ist verwüstet. Am Tatort wird eine Gasflasche gefunden – wie in vielen anderen Fällen von Geldautomaten-Sprengungen. Die mutmaßlichen Bandenmitglieder bringen die selbstgebaute Gasflaschenkonstruktion zur Explosion.

Wahrscheinlich handelt es sich um Serientäter

Immer wieder werden in Deutschland Geldautomaten in die Luft gejagt. „Es ist eine bekannte Vorgehensweise“, sagt der Sprecher der Polizei im Hochsauerlandkreis, Sebastian Held. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen ist es daher wahrscheinlich, dass es sich bei den Sprengstoff-Tätern von Olsberg um Serientäter handelt, die Teil einer überörtlichen Bande sind, die immer nach dem gleichen Muster vorgeht – und auf Mopeds oder Motorrollern vom Tatort flüchtet. „Es ist schon auffällig, dass es sich immer und fast den gleichen Modus Operandi handelt“, sagt Held.

Scherben des dicken Sicherheitsglases liegen herum

Eine Ermittlungskommission des Landeskriminalamtes wurde eingerichtet und bearbeitet zentral solche Fälle. In Schwelm waren vor wenigen Tagen nach einer versuchten Automatensprengung drei Tatverdächtige festgenommen worden. Sie wurden zwischenzeitlich aber wieder aus der Haft entlassen.

Die beiden Täter, die am Freitag in Olsberg zuschlagen, haben ganze Arbeit geleistet. Das Geld ist weg. „Hatten Sie keinen Schlüssel dabei?“, frotzelt am Morgen ein Passant den Commerzbank-Mitarbeiter Ulrich Lingenauber vor Ort, an. Scherben des dicken Sicherheitsglases liegen herum. „So war der Druck schnell weg“, sagt ein Ermittler. Deshalb ist auf den ersten Blick ein sonst bei solchen Taten üblichen hoher Gebäudeschaden nicht zu erkennen. Personen kamen nicht zu Schaden, dieser Gebäudetrakt sei nicht bewohnt, heißt es am Tatort.

Kripo-Beamte untersuchen den Tatort

Mit Handschuhen und Atemmasken untersuchen die Kripo-Beamten den Tatort. Zugang zu dem SB-Raum verschafften sich die Täter, indem sie die zwischen 23 und 6 Uhr versperrte Eingangstür mit Gewalt aufhebelten. Hinter dem zerfetzten Geldautomaten haben sie die Gasflasche liegen gelassen.

Weitere Fälle nach ähnlichem Muster

Im Hochsauerlandkreis hatte es jüngst vergleichbare Fälle gegeben. Mitte September 2018 scheitert der Versuch, einen Bankautomaten der Deutschen Bank am Neheimer Markt aufzuhebeln. Die Täter hatten eine Gasflasche dabei und traten die Flucht auf Motorrollern an. Im April 2018 wird ein Geldautomat in Schmallenberg-Grafschaft in die Luft gejagt.

Auch in anderen Regionen kommt es immer wieder zur Sprengung. In Chemnitz schlagen Täter z.B. Ende Februar zu. Der Automat wird mit Hilfe einer Gasflasche in die Luft gesprengt. In Bielefeld wird am 4. April ein Automat gesprengt. In Hameln versuchen Täter ebenfalls den Geldautomaten einer Commerzbank in die Luft zu jagen. In allen Fällen flüchten die Täter mit Mopeds oder auf Motorrollern.

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