Landwirtschaft

Bauern aus Marsberg misstrauen Messung zur Nitratbelastung

Ein Traktor mit Gülleanhänger versprüht die Gülle

Ein Traktor mit Gülleanhänger versprüht die Gülle

Foto: Carsten Rehder / dpa

Marsberg.  Ist die Landwirtschaft rund um Marsberg verantwortlich für erhöhte Nitratwerte im Grundwasser? Bauern wehren sich und rufen Politiker zur Hilfe.

Die Bauern in Deutschland sehen sich von der Agrarpolitik des Bundes und den Politikern im Stich gelassen. „Es reicht“, sagen sie. In großangelegten Demonstrationen in Berlin und Bonn machten sie auf ihre Anliegen aufmerksam. Dabei waren auch Bauern aus Marsberg und der hessischen Nachbargemeinde Diemelsee. Denn sie fühlen sich von den neuerlichen Auflagen der Agrarpolitik besonders betroffen.

Wie berichtet, liegen ihre Weide- und Ackerflächen im sogenannten roten Grundwasserkörper. Ihm werden erhöhte Nitratwerte im Grundwasser nachgesagt und die sollen durch verschärfte Auflagen gedrosselt werden. Der rote Grundwasserkörper umfasst auch Flächen aus dem Wasserschutzgebiet Marsberg-Vasbeck. „Wir arbeiten schon seit 20 Jahren mit großem Erfolg an der Verbesserung der Wasserqualität in länderübergreifender Wasserschutzgebietskooperation“, haben die betroffenen Landwirte kein Verständnis für die Einstufung als roten Grundwasserkörper und die neue Düngeverordnung, die u. a. nur noch ein einmaliges Ausbringen der Gülle im Jahr vorsieht und zwar im Frühjahr. Im Herbst soll sie in den betroffenen Gebieten nicht mehr ausgefahren werden. Das wiederum bedeutet u. a. hohe Investitionen für weitere Güllebehälter, die die Betriebe in Existenznöte bringt, hieß es.

Die Marsberger Bauern misstrauen den Messstellen, die die Daten zu den Nitratbelastungen liefern. „Es kann nicht sein, dass wir aufgrund dieses fehlerhaften Ergebnisses die Auflagen tragen müssen“, fühlen sie ihr jahrelanges Engagement in diesem Bereich mit Füßen getreten.

Grundlagenpapier an Dirk Wiese übergeben

Hilfe suchen sie bei der Politik und finden Gehör beim heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese. Der SPD-Politiker ist zugleich stellvertretender agrarpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. Gestern trafen sich zehn Landwirte aus Marsberg und der hessischen Gemeinde Diemelsee, eine Tierärztin und ein Futtermittelverkäufer auf dem Hof von Hartmut Schröder in Erlinghausen. Seine 140 Milchkühe werden von einem Roboter gemolken. Den Sommer über fressen sie auf den benachbarten Weiden ihr Gras. Den Winter verbringen sie im luftigen Freilaufstall. Etwa 10.000 Liter Milch im Jahr liefert Bauer Schröder an die Friesland-Campina Molkerei.

Nach einem Hofrundgang übergaben die Landwirte dem SPD-Politiker in einer Diskussionsrunde im weihnachtlichen Wohnzimmer der Familie Schröder ein Grundlagenpapier, in dem sie ihre Situation, Ängste und Forderungen beschreiben.

Binnendifferenzierung für NRW

Sie kritisieren darin u. a. ungerechtfertigte Schuldzuweisungen, zum Beispiel beim Insektensterben, die seit Jahren zunehmende „sinnfreie Dokumentation“, das Acker- und Grünlanderhaltungsgebot, das ihrer Meinung nach nicht zu Ende gedacht ist. Die bodennahe Gülleausbringung auf Grünland ab 2025 ist für Sie der „letzte Todesstoß für die kleinen Familienbetriebe“.

Dass an der neuen Düngeverordnung nicht zu rütteln sei, aufgrund der EU-Richtlinie, machte Dirk Wiese klar. Aber er verwies auf die Möglichkeit der Binnendifferenzierung. Danach sei in Niedersachsen der Anteil der roten Grundwasserkörper von 60 Prozent auf 39 Prozent abgesunken. Das soll auch in NRW eingeführt werden.

Josef Dreps, Schweinebauer aus Meerhof, kritisierte, dass Messstellen falsche Daten liefern, wie in Marsberg die am Bilstein. „Deren Werte sind total überhöht. die anderen Messstellen im Stadtgebiet liefern gute Werte.“ Es könne doch nicht sein, dass wegen des einen schlechten Wertes, das ganze Gebiet rot eingestuft werde. „Zumal die Messstelle seit zehn Jahren kein Wasser mehr führt“, wirft ein anderer Landwirt ein.

Messstelle am Bilstein soll überprüft werden

Dirk Wiese will sich darum kümmern, dass die eine Messstelle am Bilstein überprüft werden soll. Wie er sagte, hatte NRW-Umweltministerin Heinen-Esser im Oktober zugegeben, dass in NRW rund zehn Prozent der Messstellen fehlerhafte Daten überliefert hätten. So seien 300 der 1.500 Messstellen in NRW überprüft worden. Aber das ändere nichts an der Grundproblematik. Wiese: „Die Landwirte im Weser-Ems-Gebiet und im Münsterland haben es übertrieben und Sie sind jetzt die Leidtragenden.“

Hubertus Bohle, Milchbauer aus Heddinghausen, ist mit seinem Traktor zu den Demos in Bonn und Berlin gefahren. Er und die anderen Bauern zweifeln dran, dass sie neue Düngeverordnung die Nitratwerte überhaupt verbessern werden. Sie fragen sich allerdings bei der Fülle von Auflagen und den damit verbundenen Kosten: „Wo stehen wir in fünf Jahren? Gibt es uns dann überhaupt noch?“ Josef Dreps: „Wenn die Messstellen überprüft werden, die nicht korrekt sind, wäre uns schon sehr geholfen.“

Dirk Wiese will sich schlaumachen, ob es Ausnahmegenehmigungen für die bodennahe Gülleausbringung in Hanglagen gibt. Ein weiteres Treffen ist ausgemacht.

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