Kommunalpolitik

BBL-Ratsherr gibt in Brilon der Verwaltung Arbeitstakt vor

Die Beseitigung dieser Linde war Gegenstand einer Anfrage von Reinhard Loos (BBL) an die Stadtverwaltung. Der Aufwand, den die Verwaltung für Loos-Anfragen benötigt, wird mittlerweile dokumentiert.

Die Beseitigung dieser Linde war Gegenstand einer Anfrage von Reinhard Loos (BBL) an die Stadtverwaltung. Der Aufwand, den die Verwaltung für Loos-Anfragen benötigt, wird mittlerweile dokumentiert.

Foto: Jürgen Hendrichs

Brilon.  In seinen Anfragen gibt BBL-Ratsherr Loos seit einiger Zeit an, wie lange die Verwaltung seiner Ansicht nach für die Antwort brauchen dürfe.

Wie schnell muss, kann oder darf eine Stadtverwaltung arbeiten? In Brilon teilen sich BBL-Ratsherr Reinhard Loos und das Rathaus jetzt wechselseitig in ihrem Schriftverkehr mit, wie lange sie jeweils dafür gebraucht haben. Dabei gibt Loos das Tempo vor. „Trotz eines großzügigen Zuschlags“ seinerseits, so Loos zur WP, unterschieden sich die Zeiten nämlich erheblich.

Das eine Schreiben aus dem Rathaus an den BBL-Stadtverordneten umfasst drei Zeilen, das andere 30. In dem einen geht es kurz und knapp um die Zahl der Absolventen der Krankenpflegeschule, die das Maria Hilf im vergangenen Jahr übernommen hat, in dem anderen um die Gründe für das vor wenigen Tagen erfolgte Fällen einer Linde vor der Stadtbibliothek.

Antwort aus Rathaus ließ 108 Tagen auf sich warten

Für die eine Antwort brauchte die Verwaltung 40 Minuten für die andere 60. Mehr Zeit nahm dabei der Dreizeiler in Anspruch. Und auch dessen Abarbeiten ließ auf sich warten: Das Schreiben kam erst nach sage und schreibe 108 Tagen bei dem BBL-Ratsherrn an - und die Antwort, so Loos, war auch noch falsch. Denn statt der angeführten sieben Absolventen, seien „nur noch 3 oder 4“ im Maria Hilf tätig gewesen.

Offenbar gehen diese Niggeligkeiten auch Bürgermeister Dr. Bartsch auf die Nerven. Auf die Frage der WP, warum der Vorgang so lange gedauert habe, lautete die lapidare Antwort: „Es musste des Öfteren nachgefragt werden.“

Ratsmehrheit für Dokumentation

Im Januar hatte der Rat - wie berichtet - mit der Mehrheit von CDU und SPD beschlossen, den Arbeitsaufwand, den der BBL-Ratsherr mit seinen Anfragen auslöst, zu dokumentieren. Im ersten Halbjahr hatte sich Reinhard Loos elf Mal schriftlich an die Stadt gewandt; insgesamt sind in diesem Zeitraum 15 Anfragen von Ratsmitgliedern gestellt worden. Im vergangenen Jahr hatte Loos 26 der insgesamt 27 Anfragen gestellt, und 2017 waren es 30 von 34.

„Es geht hier um Inhalte und nicht um Bürokratie-Statistik“, lässt Loos die WP wissen. Das gilt - so seine Einschätzung - auch für die „völlig utopischen Zeiten“, die die Stadtverwaltung für ihren Arbeitsaufwand anführe.

Seit einiger Zeit gibt Loos bei seinen Anfragen die von ihm aufgewandte Zeit an - und liefert gleichzeitig eine Einschätzung für den verwaltungsseitig für die Beantwortung zu erwartenden Aufwand mit.

Aus 5 Minuten können dann schon mal 40 werden

Das liest sich im Fall der jüngst gefällten Linde dann so: „Sehr geehrter Herr Bürgermeister, der Kahlschlag für die Sommerlinden in der Karlstraße ist noch nicht lange her, und schon wieder wurde gestern in der derselben Gegend ein markanter Baum gefällt: Am 1. August wurde von Mitarbeitern des Städtischen Bauhofs vor dem Eingang zur Stadtbibliothek ein Baum entfernt. Daher meine Frage: Warum wurde dieser Baum gefällt?“ Und als Anmerkung: „Zeitbedarf für die Erstellung dieser Anfrage: 3 Minuten. Erwartete Arbeitszeit in der Stadtverwaltung für die Beantwortung: 5 Minuten.“

Nun, anders als im Fall der Schwesternschüler reagierte die Stadtverwaltung diesmal zügig, mit Datum vom 6. August und auf gut einer DIN A 4-Seite netto auch ordentlich umfangreich. Und im Anschreiben der Hinweis: „Informationen zum Zeitaufwand in der Verwaltung: 40 Minuten.“

Warum das denn acht Mal so lange dauerte, wie der BBL-Mann erwartet hatte, wollte die WP von Dr. Bartsch wissen: „Das hat Herr Loos falsch eingeschätzt.“

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