Bildhauer Workshop

Bildhauer toben sich in Brilon an Stein und Holz aus

Ob Holz oder Stein, ob mit Säge oder mit der Hand: Die Teilnehmer des 11. Bildhauer Workshops toben sich künstlerisch aus.  

Ob Holz oder Stein, ob mit Säge oder mit der Hand: Die Teilnehmer des 11. Bildhauer Workshops toben sich künstlerisch aus.  

Foto: Monika Wiegelmann

Brilon.  Beim Bildhauer-Workshop des Kunstvereins Brilon sorgt Johannes Dröge für gute Stimmung. Manche Teilnehmer trauen sich sogar an Marmor heran.

Auf elf Werkbänken liegen große Steine und Holzstücke und überall Werkzeug. Es wird gehämmert, geschliffen, gesägt. Feiner Schleifstaub wirbelt durch die Luft. Die Besucher der Hiebammen-Hütte stört nicht, dass auf einer Wiese vor der Hiebammenhütte gearbeitet wird. Sie freuen sich, dass sie den Mitgliedern des Kunstvereins Brilon beim 11. Bildhauer Workshop zuschauen können.

Johannes Dröge zeigt Anfängern und Fortgeschrittenen, wie sie mit Techniken der Bildhauerei aus Stein oder Holz eine Skulptur, Stehle oder Relief entstehen lassen. Er gibt Anregungen zur plastischen Gestaltung, individuelle Tipps, schlägt am Stein mal etwas ab oder nimmt die Schleifmaschine in die Hand, damit Anfängern die richtige Form gelingt. „Wir arbeiten mit Lindenholz, Ulme und Obsthölzern“, erklärt Elisabeth Mette, die den Künstler seit Jahren bei Kursen unterstützt.

Liebevolle Atmosphäre

Bei Steinen kann man zwischen Sandstein, persischem Travatin und Alabaster wählen. „In diesem Jahr versuchen sich Teilnehmer sogar am Marmor. Damit verlassen wir die Handarbeit und brauchen Schleifmaschinen und Steinsägen“, erklärt sie. „Manche haben schon eine Idee im Kopf, die Neuen meist keine. Wir beraten dann, wie man Flächen und Linien im Einklang bringt. Jeder Teilnehmer soll eine fertige Arbeit schaffen.“ Schön sei „die liebevolle Atmosphäre in der Gruppe.“ Ein Verdienst von Johannes Dröge.

„Die Location ist perfekt“, findet Mette. „Hüttenwirt Jürgen Lüke hat uns ein großes Zelt aufgestellt. Er freut sich, dass wir da sind, weil das viele Wanderer herbeizieht und sponsort uns sogar das Mittagessen.“ Auch Johannes Dröge ist begeistert :„Der Wirt ist total nett und geht auf jeden Wunsch ein.“

Bei der Anschaffung des 150 qm-Flex-Zeltes war ihm wichtig, „dass der Hüttencharakter erhalten bleibt“, betont der Wirt. Die geschwungene Nomadendachform passt gut in die Landschaft und der Kunstverein bekam ein riesiges All-Wetter-Dach mit offenen Seiten.

Der Mensch und die Emotionen

Reinhard Rohlmann, Organisator des Kunstvereins hat gerade ein breites Stück von einem etwa 23-kg-Alabasterstein mit der japanischen Handsäge abgetrennt. „Ich brauche eine glatte Standfläche um in den Stein Figuren zu formen. Er lag schon lange da, aber erst als ich mir hier Gedanken dazu gemacht habe, wusste ich was daraus werden soll“. Er will „drei Mensch-ärgere-Dich-nicht“ Figuren in den Stein hauen.

„Mein Lieblingsthema: der Mensch und Emotionen und Ärger sind auch Emotionen.“ Drei Figuren hat er auf den Stein skizziert. „Von oben werden zuerst die Köpfe gemacht. Man muss vorsichtig arbeiten, sonst kann ein Kopf abbrechen“. Leider ist er das auch und jetzt muss er umdisponieren. 50 bis 60 Stunden wird er wohl an dem Objekt arbeiten, dann wiegt der Stein nur noch etwa 15 kg. Im Garten würde Alabaster trüb und in einigen Jahren zerbröseln.

Praktikum vor 18 Jahren

Ein Jahr Praktikum hat André Kahmen (Brilon) vor 18 Jahren bei Johannes Dröge gemacht. „Eine schöne Zeit, ich habe viel gelernt. Johannes Dröge ist ein weiser alter Mann“, erklärt er. „Holz ist mein Lieblingswerkstoff, es ist organisch und lebt noch. Die Idee hatte ich erst hier, wenn man sieht, was das Holz will.“ Aus seinem Holzstück „soll eine Frauen- und eine Männerhand werden, die ineinander greifen. Wahrscheinlich heißt das dann: Die helfende Hand.“

„Das soll ein abstrakter Torso werden“, meint Ruth Schöllmann (Schmallenberg). Elisabeth Metten gibt ihr Ratschläge, wie die Beinstellung sein sollte. Die Hobbykünstlerin hat schon mit Holz und Stein gearbeitet „Stein fasziniert mich mehr“, meint sie. „Da ist die Welt für mich weg, da komme ich zur Ruhe und bin nur für mich. Man kann richtig süchtig werden.“

Man lernt nie aus

Erstmals dabei ist Jutta Rohlmann aus Butzbach bei Gießen und wagt sich an ein halbes Frauengesicht mit einem Zopf an der Seite, das sie in einen Alabaster mit einer abgebrochenen Seite arbeitet. Etwas weiter steht Gerd Steden aus Züschen. Er ist seit vier Jahren dabei und bearbeitet einen Wildkirschenstamm. Er hat ihn ausgehöhlt und in den Stamm runde Löcher gebohrt. „Da kommen LED-Lichter hinein“. Er findet: „Man lernt immer noch etwas dazu.“

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