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Brilon: „Abzocker-Parkplatz“ Geschichte – Parken kostenfrei

Mit der Bewirtschaftung dieses Parkplatzes suchten sich die Autofahrer andere Stellplätze

Mit der Bewirtschaftung dieses Parkplatzes suchten sich die Autofahrer andere Stellplätze

Foto: Jürgen Hendrichs / WP

Brilon.  Es traf in Brilon Autofahrer, wenn die Parkzeit überzogen wurde. 30 Euro kostete das Knöllchen am „Abzocke Parkplatz“. Jetzt ist er Geschichte.

Die von so manchem Autofahrer in Brilon als Abzocke empfundene Parkregelung im Raiffeisenweg ist vorbei: Der Woolworth-Parkplatz kann seit kurzem kostenlos benutzt werden. Die Contipark hat ihre Parkscheinautomaten und die Beschilderung abgebaut. Wie das Berliner Unternehmen auf Anfrage der WP mitteilte, habe man den Vertrag fristgerecht gekündigt. Grund: „Mangelnde Wirtschaftlichkeit.“

Woolworth selbst war das noch gar nicht bekannt, wie eine Anfrage in der Unternehmenszentrale in Unna ergab. Man sei weder Eigentümer der Kaufhaus-Immobilie noch des Parkplatzes. Bisher, so Unternehmenssprecherin Diana Schönfeld, lägen Woolworth weder von Contipark noch von Seiten des Vermieters Informationen über die aufgehobene Bewirtschaftung ihres Platzes vor. Den Namen des Vermieters, also den Eigentümer der Woolworth-Immobilie, wollte die Unternehmenssprecherin nicht mitteilen.

Für einen Euro pro Tag konnten Autofahrer ihren Wagen auf dem „Wulle-Parkplatz“ abstellen - die mit Abstand günstigste Möglichkeit, sich ausgiebig in der Kernstadt aufzuhalten, wenn man keine der zentral gelegenen gebührenfreien Abstellmöglichkeit zu finden war.

Tagesticket für einen Euro

Auf den städtischen Parkplätzen kann man für diesen Preis lediglich zwei Stunden Parkzeit kaufen. Das Fünf-Stunden-Ticket kostet zwei Euro, und für vier Euro kann man zehn Stunden buchen.

Aber wehe, man wollte - zum Beispiel - nur mal kurz in die direkt am „Wulle-Parkplatz“ liegenden HNO-Praxis, um sich ein Rezept abzuholen und glaubte, sich die happigen 50 Cent für eine halbe Stunde sparen zu können. Ratzfatz hing ein 30-Euro-Knöllchen unterm Scheibenwischer - ein zwar ärgerlicher, aber völlig rechtmäßiger Obolus.

Das hatte noch im vergangenen Dezember der Bundesgerichtshof im Rahmen eines einen Fall in Arnsberg betreffenden Urteils bestätigt. Ein Fahrzeugführer nehme das „als Realofferte in der Bereitstellung des Parkplatzes liegende Angebot durch das Abstellen des Fahrzeugs an“ und akzeptiere damit auch das „Vertragsstrafenversprechen“ für ein etwaiges Knöllchen. Und deshalb hat die Contipark, die nach eigenen Angaben bundesweit in 200 Städten rund 570 Parkplätze und Parkhäuser bewirtschaftet, auch den „Wulle-Parkplatz“ mit seinen rund 100 Stellplätzen konsequent überwachen lassen.

Rund 1850 öffentliche Parkplätze im Stadtzentrum

Die Contipark lasse ihr Immobilien-Portfolio regelmäßig auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüfen, teilt das Unternehmen mit. Dabei war Brilon jetzt durchs Raster gefallen, und deshalb hatte das Berliner Unternehmen den Vertrag fristgerecht zum 1. Oktober gekündigt. Vor etwa acht Jahren hatte das Unternehmen den Platz übernommen, schnell gab es schon damals Klagen .

Im Stadtzentrum gibt es nach Auskunft der Stadt rund 1850 öffentlich zugängliche Parkplätze. Davon werden etwa 475 mit Parkschein kostenpflichtig betrieben, rund 200 können zeitlich begrenzt mit Parkscheibe kostenfrei benutzt werden.

Exakt 198.226,81 Euro steckten Autofahrer ausweislich des Haushaltsplanes im vergangenen Jahr in die 12 Parkscheinautomaten. Das blieb allerdings nicht komplett im Stadtsäckel. 71.469,44 Euro hat die Stadt für angemietete Parkplätze, im Wesentlichen handelt es sich um Flächen bei der Sparkasse und dem Volksbank-Center, ausgegeben. So manch einer, der über die generell 15 Freiminuten hinaus auf lau zu parken riskierte, kassierte ein Knöllchen: Rund 108.000 Euro kamen im vergangenen Jahr dabei zusammen.

Handy-Parken noch schleppend

Was die einzelnen Parkscheinautomaten einbringen, wollte die Stadt nicht sagen. Darüber, so teilte die Pressestelle auf Anfrage mit, gebe man „aus grundsätzlichen Erwägungen keine Auskunft“.

Was die Verwaltung sagte: „Die Parkeinnahmen unterliegen stets bestimmten Schwankungen.“ Die Faktoren seien „vielfältig und teilweise nicht beeinflussbar“. Das fällt zum Beispiel im unteren Bereich der Königstraße auf. Seit dem Weggang der Post sind dort straßeabwärts immer mehr Stellplätze frei.

Noch „auf sehr niedrigem Niveau, wenngleich mit steigender Tendenz“ bewegt sich das im Frühjahr eingeführte Handy-Parken.

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