Kriminalität

Brilon: Disput in Drogenszene um vier Kilogramm Rauschgift

Die Polizei stellte bei einer Wohnungsdurchsuchung in Brilon, hier ein Symbolbild, kiloweise Drogen sicher.

Die Polizei stellte bei einer Wohnungsdurchsuchung in Brilon, hier ein Symbolbild, kiloweise Drogen sicher.

Foto: Polizei / WP

Brilon.  Die Polizei konfisziert in Brilon kiloweise Ecstasy, Amphetamine und andere Drogen. Woher stammt der Stoff? Ein Mann aus Bestwig wird beschuldigt

Die Last, die dem 29-jährigen Angeklagten aus Bestwig von der Schulter fiel, wog ziemlich genau vier Kilo. Soviel Marihuana und Amphetamine sollte er für einen Dealer in Brilon besorgt haben. Das hätte ihn unweigerlich für mehrere Jahre hinter Gitter gebracht. Dieser Vorwurf ließ sich in der Verhandlung vor dem Schöffengericht Brilon aber nicht beweisen.

Im Mai vergangenen Jahres hatte die Kripo nach intensiven Ermittlungen in einer Briloner Wohnung insgesamt neun Kilo Drogen aus dem gesamten gängigen Spektrum sichergestellt: Haschisch, Marihuana, Ecstasy, MDMA, Amphetamine. Verkehrswert: rund 60.000 Euro. Der damals 22-jährige Wohnungsinhaber war deshalb im vergangenen Herbst zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Gestern war er als Zeuge im Gericht. Unmittelbar nach seiner Festnahme hatte er gegenüber der Polizei gesagt, dass er bei dem 29-Jährigen je zwei Kilo Marihuana und Amphetamine bestellt habe, um die Drogen dann weiter zu verkaufen.

Die beiden kennen sich aus der Szene. Denn bis dahin war es der Bestwiger, der sich bei dem 22-Jährigen in Brilon den Stoff besorgte. Die Anklage warf im vor, zwischen 2017 und 2019 in fünf Fällen jeweils 100 Gramm Marihuana gekauft zu haben und die dann in acht Portionen aufgeteilt und für 800 Euro weiterveräußert zu haben. Das räumte der Angeklagte rundum ein.

Bisher keine Vorstrafe

Den großen Deal allerdings stritt er ab. Und auch der Zeuge half selbst auf den Vorhalt von Richter Neumann, dass er ja rechtskräftig verurteilt sei und deshalb kein Aussageverweigerungsrecht mehr habe, nicht weiter. Insgesamt drei polizeiliche Vernehmungsprotokolle liegen vor. In lediglich einem ist konkret von dem Angeklagten die Rede.

Er sei nach seiner Verhaftung mehrmals verhört und bestimmt „nach 25 Leuten gefragt“ worden: „Da kann schon mal Verwirrung aufkommen,“ sagte der Zeuge. „Da bleibt manches im Nebel“, sagte Verteidiger Entrup, der auch die Frage aufwarf, woher sein arbeitsloser Mandant, der mit seinem Bruder in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, überhaupt die rund 15.000 Euro zur Vorfinanzierung des Deals hätte aufbringen sollen. Kreise, in denen solche Mengen zirkulieren, kenne er nicht, sagte der Angeklagte.

Mit auf der Anklagebank saß ein 29 Jahre alter Bekannter des Angeklagten, der den Bestwiger zu den fünf Einkaufsfahrten nach Brilon gefahren hatte. Er war wegen Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln angeklagt und hatte alles von Anfang an gestanden.

Staatsanwältin Subat forderte für den Bestwiger wegen Besitzes von Marihuana in fünf und Handeltreibens in acht Fällen eine Gesamtstrafe von 16 Monaten Freiheitsentzug, die aber zur Bewährung ausgesetzt werden könnten, da der Angeklagte bisher noch nicht straffällig geworden war.

Richter: Tat passt nicht ins Bild

Und um etwas von der Strafe zu spüren, sollte er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Für den Fahrer hielt sie wegen Beihilfe eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung für erforderlich, zuzüglich einer Zahlung von 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung.

Dem schloss sich das Gericht in vollem Umfang an. Die Vernehmungsprotokolle der Polizei lassen „letztlich Zweifel“ an der Tat, meinte Vorsitzender Richter Neumann, zudem „passt sie nicht ins Bild zu den anderen“.

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