Tradition

Brilon: Große Vorfreude auf die Blumenschnade

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Auszug der Blumenschnade, Blick auf den sich füllenden Marktplatz im Jahr 2012.

Auszug der Blumenschnade, Blick auf den sich füllenden Marktplatz im Jahr 2012.

Foto: WP

Brilon.  Die alte Hansestadt Brilon darf für sich eine Tradition in Anspruch nehmen, die wohl in ganz Deutschland ihresgleichen sucht, die Schnad

Am Montag (27. Juni) ist es wieder so weit: die Schnade in Brilon wird gegangen. Der Grenzbegang findet schon seit 1388 statt, wie zumindest jeder Briloner Ureinwohner weiß. Aber auch die vielen ehemaligen Briloner Bürger in der ganzen Welt, denen stets eine Einladung zu diesem einmaligen Ereignis zugeht. Ohnehin sind die Breylske ganz heiß darauf endlich wieder „auf die Schnad“ zu gehen, nachdem diese bekanntlich wegen Corona ausfallen musste.

Damit ja alles seine Ordnung haben muss, schauten 2020 lediglich Bürgermeister Dr. Bartsch, eine paar Ratsvertreter und eine Abordnung des Schützenvorstandes an zumindest symbolisch an den Grenzsteinen nach dem Rechten. Allerdings machten sich nicht gerade wenige Briloner in kleinen Gruppen nach altem Brauch auf die 25 km lange Strecke, denn was sein muss sein muss, muss sein“. Viele von ihnen sind dann auch dabei, wenn man sich am Montagmorgen um 6.45 Uhr zur so genannten Blumenschnade auf dem Marktplatz sammelt. Allerdings nur die Männer, denn trotz aller Emanzipation ist und bleibt die Briloner Schnade ein Privileg der „Mannsluie“. Nach Erledigung der in der Schnadeordnung vorgeschriebenen Regularien auf dem Marktplatz, formiert sich gegen 7.20 Uhr der Schnadezug über den Steinweg zum Kreuziger Tor hinaus.

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Die Strecke in diesem Jahr

Durch den Hasselborn, die Bleikaule, „Fünf Brücken“ und hinterm dem Flotsberg her, erreicht der Tross der Schnadegänger den Grenzstein am Stadtborn (bei Wülfte), wo der erste Rezess verlesen wird. Anschließend führt der der insgesamt etwa 25,5 Kilometer lange Marsch an den Hallersteinen vorbei durchs Feld zum „Stumpfen Turm“, wo der nächste Rezess fällig ist. Von hier aus geht es weiter über die B 7 zum Flugplatz am „Thülener Bruch“ bis zum Frühstücksplatz „Am Schwarzen Haupt“. Nachdem hier der Stadtschreiber Reinhold Huxoll den Grenzgängern den dritten Rezess kundgetan hat, wird sich erst einmal richtig gestärkt. Vor allem werden auch die Defizite an Flüssigkeit ausgeglichen. Nach der rund zweistündigen Rast führt der Weg am Plattenberg vorbei zum Grenzstein am Hause Becker, um auch hier deutlich machen, was „alles Use“ ist. Von dort geht es hinunter zur L 870 und dann an der „Lieth“ entlang bis nach Hoppecke, wo sogar Wilmes Haus durchquert wird. Nach der Verlesung des fünften und letzten Rezesses für dieses Jahr, sind es dann nur ein bis zwei Kilometer bis zum Lagerplatz „Am Eschenberg“. Hier sind wo allerdings dann die Männer nicht mehr unter sich sind. Was wäre ein Volksfest, wie es die Schnade nun einmal ist, ohne Frauen? Undenkbar! Gegen 18.30 Uhr hat das gesellige Beisammensein für die bis zu 7000 bis 8000 Briloner und Gäste (oder auch noch mehr) ein Ende und es wird zum Rückmarsch nach Brilon geblasen. Dieser führt durch die Kupferschlage zum Tettler sowie an Kirchloh und Galmeibäumen entlang zum alten Amt Thülen.

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Hier legen die Grenzengänger eine kurze Pause ein um sich zu ordnen und auf Nachzügler und mittlerweile Fußkranke zu warten. Unter dem Geläut aller Kirchenglocken halten die Schnadegänger dann Einzug in die Stadt und um nach alter Tradition dreimal den Kump zu umrunden. Nachdem Bürgermeister Dr. Christof Bartsch auf der Rathaustreppe das Schnadebuch und die städtische Standarte entgegen genommen hat, löst sich der Schnadezug auf. Viele kehren noch irgendwo ein, andere machen sich geschafft auf den Heimweg und harren der Dinge die am nächsten Tag anstehen. Dann nämlich wird das Schützenfest mit dem Vogelschießen fortgesetzt.

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