Stadtentwicklung

Zukunftsstrategie auf 300 Seiten – Brilon im Jahr 2030

Die Arbeit an dem Strategiekonzept läuft, erste Ergebnisse stellte die Stadt beim Briloner Wirtschaftsforum vor.

Die Arbeit an dem Strategiekonzept läuft, erste Ergebnisse stellte die Stadt beim Briloner Wirtschaftsforum vor.

Foto: Helge Hoffmann

Brilon.   Beim Briloner Wirtschaftsforum gab es Einblicke ins Papier „Strategie 2030“ mit dem Brilon die Zukunft plant. Wir zeigen die wichtigsten Infos.

„Die Politik kann beschließen. Handeln müssen Sie selbst.“ Auf 300 Seiten haben Jörg Lennardt und seine Dortmunder Agentur Moduldrei dazu Analysen und Projekte mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Brilon ausgearbeitet. Beim Wirtschaftsforum in der Volksbank Brilon stellte Lennard die „Standortstrategie 2030“ für die Stadt Brilon den rund 200 Gästen aus Politik und Wirtschaft vor – und forderte sie zum Mitwirken auf.

Brilon hat einen guten Lauf, mit der Steuerkraft

„Eine vitale Wirtschaft ist Grundlage für alles, was eine Stadt attraktiv macht.“ Das sagte Bürgermeister Dr. Christof Bartsch in seiner Begrüßung. Seit Jahren hat Brilon einen guten Lauf, mit ihrer Steuerkraft steht die Stadt des Waldes unter den 396 Kommunen Nordrhein-Westfalens auf Platz 23, ihre 13.500 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze bedeuten Platz 2 im Hochsauerlandkreis.

Aber wie geht es weiter? Immerhin verfügt mehr als die Hälfte der Unternehmen nicht mehr über Erweiterungsflächen, einige kleinere wollen deshalb ihren Standort verlagern.

Dazu hat das Consulting-Unternehmen gemeinsam mit der Lenkungsgruppe – beteiligt waren Bürgermeister, Fraktionsvorsitzende, Wirtschaftsförderer – den Standort analysiert. „Strategie heißt fokussieren“, sagte der Experte, und das bedeute, „mit den richtigen Kräften die wichtigen Aufgaben zu lösen“. Eine Unternehmens-Umfrage, an der im Frühjahr 100 von 613 angeschriebenen Betrieben teilgenommen haben, lieferte Einblicke in die Befindlichkeit der Briloner Wirtschaft. Jörg Lennardt: „Die Zufriedenheit der Unternehmen mit der Politik und der Verwaltung ist enorm wichtig.“

Das Vorgehen

Das Dortmunder Consulting-Team und Wirtschaftsförderer Oliver Dülme arbeiteten für das Strategiekonzept fünf sogenannte Handlungsfelder heraus: Gewerbeflächen, Fachkräfte, Standortmarketing, Einzelhandel/Innenstadt und Infrastruktur. Für jeden Bereich hat die Lenkungsgruppe Mitarbeiter ausgesucht und angesprochen, die sich in Projektgruppen mit spezifischen Themen beschäftigten. Bis kommenden Oktober sollen die Arbeitsgruppen ihre Projekte umsetzen.

Was wichtig war

Die Arbeitsgruppe legt messbare Ziele für die Strategie fest, sie erhebt objektive Daten und Fakten, sie nimmt eine realistische Einschätzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen für die Umsetzung der Projekte vor und sorgt für deren Umsetzung.

Branchen-Mix

Wie stark der Wirtschaftsstandort Brilon ist, zeigt ein Blick auf die Branchen. Im Bereich Metallverarbeitung und Maschinenbau gibt es in Brilon 28 Unternehmen, kreisweit sind es 329, im Bereich Elektrotechnik 22 von 87, im Baugewerbe 72 von 419, im Gesundheits- und Sozialwesen 32 von 122, in der Holzverarbeitung elf von 104 und im Bereich Gastronomie und Einzelhandel 80 von 621.

Fachkräfte

Die heimischen Unternehmen haben nach Ansicht von Jörg Lennardt häufig selbst Schuld, wenn sie keine qualifizierten Mitarbeiter finden. Internetmäßig seien viele „fürchterlich schlecht aufgestellt“. Lennardt: „Alles, was nicht im Internet stattfindet, existiert nicht.“ Auf jeder Unternehmens-Homepage müssten deshalb nicht nur Informationen über das Unternehmen selbst zu finden sein, sondern auch über die Stadt und den Standort, die das Signal aussenden „Hier gibt es Lebensqualität, hier kannst du wohnen.“ Bei der Unternehmensumfrage hatten zwei Drittel der Betriebe angegeben, in jüngster Zeit Probleme bei der Akquirierung von Mitarbeitern gehabt zu haben. Ein Drittel habe deshalb sogar Aufträge ablehnen müssen.

Gewerbeflächen

Derzeit befinden sich nur noch 7,8 Hektar Gewerbeflächen im Eigentum der Stadt. 25 der befragten Unternehmen wollen sich in den kommenden drei Jahre vergrößern, vor allem werden kleine Flächen bis 5000 qm benötigt, vier Unternehmen hätten aber gerne auch mehr als einen Hektar. Deshalb sei es erforderlich, zeitnah für neue, verfügbare Gewerbeflächen zu sorgen und alle dazu erforderlichen Informationen in einer digitalen, online abrufbaren Datenbank zu erfassen.

Handel/Innenstadt

Da gibt es unter anderem das Projekt City-Management. Das greift Themen wie Leerstände, Parken oder Erhöhung der Besucherzahlen in der Stadt auf. Laut Umfrage ist ein Drittel der Einzelhändler nicht mit der Verkehrssituation zufrieden, generell wird eine stärkere Unterstützung durch die Stadt gewünscht. Befragungen der Besucher sollen klären helfen, was die Menschen nach Brilon zieht und was verbessert werden könnte.

Jugend-Monitoring

Dazu ist eine statistische Analyse über die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Stadt geplant. In Umfragen und Arbeitsgruppen unter und mit Schülern, Auszubildenden und Studenten sollen Kritik und Wünsche angesprochen und aufgearbeitet werden.

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