Körperverletzung

Brilon: Vater vor Gericht, weil Sohn 2,8 Promille hatte

Bei einem Alkoholgelage ertrank sich ein 16-Jähriger einen Blutalkoholwert von 2,8 Promille. Das missfiel der Kindsmutter so sehr, dass sie den Vater wegen Körperverletzung anzeigte.

Bei einem Alkoholgelage ertrank sich ein 16-Jähriger einen Blutalkoholwert von 2,8 Promille. Das missfiel der Kindsmutter so sehr, dass sie den Vater wegen Körperverletzung anzeigte.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Brilon.  Briloner landet vor dem Amtsgericht, weil er eine Körperverletzung an seinem Sohn begangen haben soll. So sieht es zumindest die Kindsmutter.

Es hätte der Beginn einer schönen Geschichte sein können. Nach 16 Jahren erlaubte eine Mutter einem Kindsvater erstmals den Umgang mit seinem Sohn. Das erste Treffen lief vielversprechend bis alles aus dem Ruder geriet. Der Vater fand sich vor dem Amtsgericht in Brilon wieder. Der Vorwurf: Körperverletzung an seinem Sohn.

Im Januar vergangenen Jahres verbrachten die beiden einen Tag zusammen. Laut Angaben der Mutter habe ihr Sprössling mit Problemen zu kämpfen, er würde mir Marihuana dealen und den Stiefvater attackieren. Daher hoffte sie, dass der Umgang mit dem leiblichen Vater einen positiven Effekt haben könnte. Der erste gemeinsame Tag habe viele Gespräche beinhaltet gab der Angeklagte an. Dann habe der Briloner nochmal zur Arbeit gemusst, es gab ein Bier für den Jungen.

Sohn stieg plötzlich aus dem Auto

„Ich habe ihm gesagt, dass eine Flasche okay ist, wenn er sein Diabetes im Griff hat. Mein Sohn sagte, es gäbe keine Probleme.“ Bis zur Rückfahrt von Brilon zur Mutter nach Bad Wünnenberg. Dort habe sich der 16-Jährige das Handy seines Vaters geliehen, sich verabredet und sei an einer Ampel einfach aus dem Wagen gestiegen und abgehauen. Im Hintergrund habe der Angeklagte Jugendliche stehen sehen.

Da der Handyakku leer war, musste der Vater zunächst zurück nach Hause fahren, um der ehemaligen Lebensgefährtin Bescheid geben zu können. „Als wir dann telefonierten, sagte mir mein Mann, dass ich auflegen könne, weil jemand gerade den Weg hochkommt“, erklärt die Mutter vor dem Amtsgericht Brilon, „er war stark alkoholisiert und konnte sich kaum auf den Beinen halten.“

Vater sollte dem Sohn helfen

Sie habe dem Angeklagten gesagt, dass ihr Sohn keinen Alkohol zu sich nehmen dürfe, weil sich dies negativ auf dessen Blutzuckerspiegel auswirken würde. „Sein Vater sollte ihm helfen und nicht dafür sorgen, dass er noch mehr trinkt“, führte die Zeugin weiter aus.

Der Junge kam sofort in eine Paderborner Kinderklinik. Die Ärzte stellten einen Blutalkoholwert von 2,8 Promille fest. Sie nahmen allerdings keine zweite Probe. Damit hätte festgestellt werden können, wie lange der Konsum ungefähr her ist. So hätte sich eher bestimmen lassen, ob der Junge mit seinem Vater bereits hochprozentigen Alkohol konsumierte oder der Besuch bei Freunden erst zu den Problemen führte.

Gericht sieht Verantwortung beim Kind

Das sah auch das Gericht so. „Ich weiß nicht, was hier kriminelles passiert sein soll“, sagt Richter Härtel zur Kindesmutter, „Je älter ein Kind wird, umso eher geht die Verantwortung auf dieses über. Und ihr Sohn ist nicht geistig zurückgeblieben.“ Die Zeugin sah eine Verletzung der Aufsichtspflicht gegeben.

Da der 16-Jährige die Aussage verweigerte, ließ sich nicht näher feststellen, wann er den Alkohol zu sich nahm. Der Fall war unter diesen Umständen für das Gericht klar. Der Vater war freizusprechen.

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