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Brilon-Wald: Impressionen und Eindrücke vom Doppeljubiläum

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Brilon-Wald.  Drei Tage feierte Brilon-Wald an der Schützenhalle seine Talbesiedelung vor 175 Jahren und 150 Jahre Bahnhof. So lief das dreitägige Fest.

Das Fest in Brilon-Wald begann am Sturm-Freitag mit dem Aufbau und Anzünden eines kleinen Meilers mit Kindern und dem Meilerteam Hoppecke sowie dem Musikverein Alme. Abends sorgte Kabarettistin Cilly Alperscheidt für Lachsalven, als sie sich wunderte, was für ein Gedöns heute um alles gemacht wird.

Samstag konnte Ortsvorsteherin Ariane Drilling auch viele Fremde, ehemalige Bewohner und einige der einst in der Lungenheilstätte geborenen 6000 Babys begrüßen. „Wir haben gleich gesagt, wir machen diese Veranstaltung als Gemeinschaftsprojekt.“ Nur so war dieses große Programm zu stemmen. „Was man hier geleistet hat, ist aller Ehren wert“, sprach Uwe Vogel, der Moderator für die Festtage, dem Organisationsteam großen Respekt aus und überraschte alle mit einer 70 Jahre alten Fahne, einem Dachbodenfund im Elternhaus.

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Auch Schirmherr Dirk Wiese (MdB) gratulierte zum Doppeljubiläum. „Ich erinnere mich noch an die Eurozüge, mit Zwischenstopp in Brilon-Wald“ und er werde sich „dafür einsetzen, dass es bis Paderborn weitergeht.“ Dann begeisterten die Padberger Bänkelsänger „Rücken Bücken“. Sonniges Wetter erlaubte es, endlich wieder gemeinsam mit anderen Menschen den Tag zu genießen. Ausstellungen in Holzhütten und Fotowände vermittelten Einblicke in die Dorfentwicklung. Man sah nur strahlende Kinderaugen, als diese mit den Lamas Renaldo, Fablo und Pedro und Esel Rambo Rundgänge machen durften. Zuschauen konnte man Forstwirt Jörg Hölscher und seinem Wallach Alfons bei der Schwerstarbeit im Berg als Rückepferd. Kinder konnten Kieselsteine bemalen und ein Riesenpuzzle am Stand des Naturparks Diemelsee zum Thema Bergheide machen.

Ökumenischer Gottesdienst

Mit der Band „Soundpark“ & DJ Hans ging es am Samstag in eine lange Partynacht. Der Sonntag begann mit einem ökumenischen Gottesdienst und den Jagdhornbläsern, gefolgt von einem Frühschoppen vor der Halle. Es gab wieder ein großes Programm. Den ganzen Tag sorgte der Fanfarenzug Brilon 1959 für beste musikalische Unterhaltung. Die Kinder stürmten sofort das Bogenschießen (Naturschule Hochsauerland und Waldjugend).

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Es gab Kunst im Wald mit der Naturpädagogin, Holzarbeiten mit der Motorsäge, Holzspiele am Stand Rothaarsteig-Ranger Wald und Holz NRW, Bastelaktionen und Glitzer-Tattoos. Ganz viel Applaus gab es für die Tanz-Aufführungen der Brilon-Walder und Hoppecker-Musikkinder in der Halle.

Mit zwei Highlights klang das sehr gut besuchte Fest aus. Als die Briloner Waldfee Zoe Tilly eintraf, wurde sie sofort von Kindern umringt, die sie bewundernd ansahen und größtes Interesse an ihrem glitzernden Feenstab zeigten. Ein Hingucker waren auch die Hoppecker Nachtwächter, als sie in ihrer schwarzen Kluft einmarschierten und „Das Stundenlied der Nacht“ erschallen ließen. Zunftmeister Friedel Koke verkündete dann einen auf das Jubiläumsdorf zugeschrieben Ausrufungstext: „Wir Nachtwächter geben bekannt...“ und wünschten „Im Jahr 2022 möge es keine Plage geben.“ Mitgebracht hatten die Männer den selbst hergestellten Likör „Doppelter Nachtwächter“ aus eigenen Gartenkräutern und überraschten damit nicht nur die Waldfee.

Reden von Bürgermeister und Winfried Dickel

Zwei Köhler unter den Nachtwächtern und Klaus Fischer (Festkommitee) öffneten dann den kleinen Meiler und holten daraus die erste Holzkohle in Brilon-Wald seit Schließung der Degussa. Es qualmte heftig, denn innen entwickelten sich über 1000 Grad Hitze. Die herausgeharkte Holzkohle wurde immer wieder kurz mit Wasser abgelöscht. Am Ende lag eine Menge Superholzkohle auf dem Boden, die nach Aussagen der Nachtwächter so gut ist, dass man sie nach dem Grillen noch einmal benutzen kann, wenn man sie kurz ablöscht. Die Hoppecker Nachtwächter haben sich das Köhlern vor 19 Jahren für die 900-Jahr Feier angeeignet. Das soll Anfang August an einem großen Meiler in Hoppecke wieder gefeiert werden. Zur Verpflegung beim Fest gab es Reibekuchen und der Grillwürstchenchef war pausenlos beschäftigt. Danach hatten Besucher die Qual der Wahl an einem riesigen Tortenbuffet.

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Bürgermeister Dr. Christof Bartsch erinnerte daran, dass Brilon-Wald vor 150 Jahren „weltbekannt als Eisenbahndorf“ wurde. Er zitierte einen Auszug aus dem Sauerländischen Anzeiger vom Mai 1872: “...dass durch das schöne Hoppecketal mal das alles belebende Dampfross seinen Weg nehmen würde, das konnte uns nie träumen, soweit gingen unsere Ansprüche nicht.“ Dr. Bartsch erinnerte an seine Kindheit im Dorf (1966-1972): „Die Bahnanlagen waren nicht nur sichtbar, sondern auch hör- und riechbar. Es gab einen Bahnschalter mit einem Menschen dahinter, der Pappkarten verkaufte. Ertönte die Degussa Werkssirene, wussten wir, dass wir nach Hause mussten.“ Aber wenn die Eisenbahn keine Menschen mehr brauche und sich die Industrie zurückziehe, werde es schwierig, wie Ende der 1980er. Dann brauche ein Dorf Menschen, die nicht nur reden und träumen...“ wie Ariane Drilling, die als Hochleistungsmotor alles in Schwung brachte und viele mit ins Rad packte.“ Der Bürgermeister hatte auf dem elterlichen Dachboden alte „Schätze“ entdeckt.

Wer den humorvollen Rückblick von Festredner Winfried Dickel (Vorsitzender Heimatbund) nicht gehört hat, hat viel verpasst. Hier ein kleiner Auszug: „Das Museumsteam reiste heute per Zug nach Brilon-Wald an, Fahrtzeit wenige Minuten. Vor 175 Jahren hätten wir uns über die Lange Heide und entlang der Lüttmecke zu Fuß durch die Büsche schlagen müssen. Vor 150 Jahren wären die Honoratioren mit der Postkutsche bequem über die Chaussee angereist; wir hätten uns noch immer durch die Büsche schlagen müssen. Vor 175 Jahren wären wir wohl Tagelöhner gewesen, die Eicheln schälten und dann mit unseren Hubertas beim Lohännes ablieferten, dem ersten Unternehmer mit Weitblick.“ 1900 wurde Brilon durch die Bahn an die große weite Welt über Brilon-Corbach (so hieß die hiesige Bahnstation früher) angeschlossen. „In Brilon-Wald rollten die Züge aber schon seit 1873 durch den Tunnel. Die Briloner guckten noch 27 Jahre lang in die Röhre.“

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