Gericht

Briloner Drogen-Dealer schrammt haarscharf an Haft vorbei

Foto: David Ebener / dpa

Brilon.  Der 25-Jährige sagte umfassend aus und erhielt Bewährung. Der Verteidiger musste seinen Mandanten vor dem Briloner Gericht sogar stoppen.

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Er sei, sagte der Vorsitzende Richter zum Angeklagten, „in der Lage, sich super zu verkaufen“. In der Tat. Eloquent und umfassend machte der 25-Jährige vor dem Schöffengericht Brilon reinen Tisch. Und zwar so sehr, dass sich sein Anwalt, Oliver Brock, plötzlich gezwungen sah, in den Redefluss reinzugrätschen und seinen Mandanten aufzufordern, jetzt „doch mal die Batterie rauszunehmen“. Denn gerade wollte der Angeklagte wohl auch noch was zum gemeinsamen Kiffen im Kreise der Verwandtschaft sagen.

Doch da, das hatte der Verteidiger schnell gecheckt, gibt es möglicherweise Nachzügler unter den Beteiligten. Und die Abgabe von Drogen an Minderjährige wird mit wenigstens einem Jahr Gefängnis bestraft. Da hilft es auch nichts, wenn man das Gras in der guten Absicht teilt, dass die lieben Angehörigen kein minderwertiges Zeug konsumieren, denn: „In Brilon läuft so viel Scheiße.“ So aber kam der Angeklagte wegen Besitzes von und gewerbsmäßigen Handels mit Drogen mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung davon.

Stress in Familie und falsche Freunde

In den vergangenen beiden Jahren war es nicht gut gelaufen für den jungen Mann. Nach einer schwierigen Schulzeit hatte er eine kaufmännische Lehre mit „1“ bestanden und eine feste Anstellung gefunden. Doch Stress in der Familie und ein nicht unbelasteter Freundeskreis ließen ihn erst zu weichen, dann zu harten Drogen greifen. „Das Zeug hat mich kaputt gemacht, ich bin völlig abgeschmiert“ sagte er in der Verhandlung. Als sein Einkommen nicht mehr reichte, den Eigenverbrauch zu finanzieren, fing er im Herbst vergangenen Jahres mit dem Dealen an.

Richter: Stoff von einer für das Sauerland erstaunlich hoher Qualität

In diesem Sommer wurde er innerhalb von zwei Wochen gleich zweimal von der Polizei hochgenommen. Einmal hatte er 25 Tütchen mit knapp 24 g Marihuana, 13,5 g in 39 Folienportionen abgepacktes Haschisch, 18 g MDMA, und 12,5 g Amphetamin dabei und beim anderen Mal ähnlich für den Verkauf konfektioniert 20,582 g Haschisch, 11 g MDMA.

Zudem bunkerte er bei zwei Bekannten u.a. rund 290 g Haschisch und 100 Ecstasy-Tabletten. Und außerdem hatte der Angeklagte eingeräumt, einem Bekannten insgesamt 36 mal jeweils fünf Gramm Marihuana für jeweils 50 Euro verkauft zu haben. Teilweise, so Vorsitzender Richter Hans-Werner Schwens, habe der Stoff eine für das Sauerland erstaunlich hohen Wirkstoffgehalt gehabt.

Untersuchungshaft „zur Läuterung nicht das Schlechteste“

Seit Juli sitzt der 25-Jährige in U-Haft. Weil er in einem Fall ein Abwehrspray für Hunde dabei hatte, drohte ihm eine lange Haftstrafe. Denn der Bundesgerichtshof hat das als mögliches Bewaffnetes Handeltreiben definiert. Die Aussicht auf eine derart lange Zeit hinter Gittern, so Verteidiger Brock, „hing wie ein Damoklesschwert“ über seinem jungen Mandanten, sei aber „zur Läuterung nicht das Schlechteste“ gewesen. Da wurde auch dem Angeklagten „klar, wo ich gelandet bin.“ Und er sah ein: „Das möchte ich nicht.“

Weiße Weste und günstige Sozialprognose

Staatsanwalt Lars Grothe forderte die höchstmögliche noch zur Bewährung aussetzbare Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Er wertete das umfassende Geständnis, die bisher weiße Weste und die günstige Sozialprognose - der Arbeitgeber hat das Gericht wissen lassen, dass er den 25-Jährigen wieder einstellt, wenn er wieder auf die Beine gekommen ist - als strafmildernd.

Dem schloss sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Hans-Werner Schwens an. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, alle drei Monate muss der 25-Jährige zum Drogen-Screening. Zudem muss er bis zur Rückkehr in seinen Job jede Woche zehn Stunden im Tierheim arbeiten. Das Urteil ist rechtskräftig.

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