Dieselaffäre und Co.

Briloner Forum: Ist die Wirtschaft besser als ihr Ruf?

Oliver Dülme, Dr. Christof Bartsch, Frank Breckwoldt und Jürgen Hillebrand

Foto: Silke Nieder

Oliver Dülme, Dr. Christof Bartsch, Frank Breckwoldt und Jürgen Hillebrand Foto: Silke Nieder

Brilon.  Beim Briloner Wirtschaftsforum bricht ein Manager eine Lanze für das deutsche Unternehmertum. Die Zahl der „Foulspieler“ sei insgesamt gering.

Dieselaffäre, Managergehälter, Kartelle und unlautere Absprachen: In den Medien bestimmen häufig Skandale und Affären die Schlagzeilen. Ist das Idealbild des „ehrbaren Kaufmanns“, wo Werte das Handeln bestimmen, zeitgemäß? Beim 54. Briloner Wirtschaftsforum unter dem Motto „Fair Play versus Foulspiel – Erfolg mit Anstand“ wurde dieser Frage nachgegangen.

Mit Frank Breckwoldt, Mitbegründer der Stiftung „Club of Hamburg - Erfolg mit Anstand“ hatten die Brilon Wirtschaft und Tourismus und die Stadt Brilon einen Referenten eingeladen, der alle Höhen und Tiefen unternehmerischer Führung erlebt hat.

Das alte Ideal des ehrbaren Kaufmanns

Das Thema passt nicht nur gut in den Kontext der Hansetage, die Brilon 2020 ausrichten wird, sondern auch in außerplanmäßige Unterrichtseinheiten. Unter den Gästen war eine Klasse des kaufmännischen Berufskollegs – ging es doch diesmal nicht um betriebswirtschaftliche Kennziffern, sondern um den Einfluss weiterer Rahmenbedingungen, die ein Unternehmen zum Erfolg führen.

Briloner Unternehmer haben Weltwirtschaftskrise 2008 vorbildlich aufgefangen

„Im Sport ist das Foulspiel noch ehrlich, in der Wirtschaft und im Berufsleben mag das manchmal anders sein“, sagte Bürgermeister Dr. Christof Bartsch. Ob das Ideal des ehrbaren Kaufmanns heute überhaupt noch realisierbar sei, fragte Bartsch in die Runde. „Die Briloner Unternehmer haben die Weltwirtschaftskrise 2008 vorbildlich aufgefangen“, betonte Jürgen Hillebrand von der Sparkasse Hochsauerland. „Das bekommt man nur hin, wenn man mit Anstand am Markt agiert.“

Brilon ein Musterbeispiel für anständiges Verhalten

Brilon sei ein Musterbeispiel, wie man sich über anständiges Verhalten Wettbewerbsvorteile schaffen kann, betonte auch Frank Breckwoldt, selbst Unternehmer mit Führungserfahrung. Der Hamburger, der der Liebe wegen in Stuttgart lebt, betreibt in Deutschland und der Schweiz 100 Friseursalons mit rund 1000 Mitarbeitern.

„40 bis 50 Prozent der Bevölkerung hegen Zweifel am hiesigen Wirtschaftssystem“, schilderte der Unternehmer und Trainer von Führungskräften. Dabei sei es das beste Wirtschaftssystem, das man haben kann. Im Zweifel würden durch die immense Publizität weniger „Foulspieler“ ausgelöst und deren Präsenz in den Medien.

Sehen Medien immer nur das Negative?

Doch: „Es gibt keine unanständigen Branchen oder Unternehmen, höchstens Führungskräfte.“ Der große Teil der Anständigen sei die schweigende Mehrheit, die in Medien nicht zur Kenntnis genommen würden. Mehr denn je zeige sich, dass Foulspiele teuer geworden sind und von der Presse abgestraft werden, wie bei der Dieselaffäre. „Erfolgreich zu sein und anständig zu handeln stellen keinen Widerspruch dar. Das unbedingte Zusammenkoppeln von Ehrgeiz und Menschlichkeit machen die besten Spieler am Markt aus“, schilderte Breckwoldt. „Erfolg mit Anstand“ sei der Königsweg, die Erfolgsformel für die Zukunft: „Anstand lohnt sich als grundsätzliches Geschäftsmodell.“

Für positive Schlagzeilen sorgen

Breckwoldt versteht sich als Sprachrohr anständiger Unternehmer und Führungskräfte. Das Ziel der Stiftung sei es, dem Thema eine Plattform zu geben. „Wir müssen diese positive Energie bündeln und in der Öffentlichkeit sichtbar machen, mit unserer Außendarstellung ein Gegengewicht schaffen und für positive Schlagzeilen sorgen.“ Denn „es lohnt sich, dauerhaft anständig zu spielen.“ Es gewinne keiner auf Dauer zu Lasten seiner Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten oder der Gesellschaft.

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