Gericht

Briloner muss nach Beziehungsstreit ins Gefängnis

Kurt Michelis WAZ / FotoPool

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Brilon.  Mit sechs Monaten Haft quittierte das Amtsgericht Brilon die Schläge, die ein 27-Jähriger seiner Lebensgefährtin verpasste.

Gerade einmal vier Wochen, nachdem er sich am Amtsgericht Brilon eine zweite Bewährungsstrafe wegen wiederholter Betrügereien eingehandelt hatte, brannten bei dem 27-Jährigen die Sicherungen durch und er verprügelte seine Lebensgefährtin. Anlass: Die beiden hatten sich frisch getrennt und er hielt der Frau vor, dass sie - entgegen einer früheren Absprache - das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn beanspruche. Wegen gefährlicher Körperverletzung verhängte Richter Härtel eine sechsmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Angst vor Verlust des gemeinsamen Kindes

Das bedeutet: Der junge Mann muss sich auf einen längeren Zeitraum im Gefängnis einrichten. Denn mit diesem Urteil erwachen die insgesamt zwei Jahre und vier Monate Haft aus den beiden Vorstrafen wieder zum Leben und werden mit den jetzt verhängten sechs Monaten zu einer Gesamtstrafe verbunden, sollte das Urteil rechtskräftig werden.

Staatsanwalt Theis sagte, dass sich der 27-Jährige in einer „emotionalen Ausnahmesituation“ befunden habe, und auch Richter Härtel räumte ein, dass sich an jenem Tag in der früheren gemeinsamen Wohnung des Paares in Brilon „etwas hochgeschaukelt“ habe. Teilweise mit Tränen in den Augen verfolgte der Angeklagte die Verhandlung. Ihm sei nahegegangen, dass er nach dem Sohn aus einer früheren Beziehung nun auch sein zweites Kind zu verlieren drohe.

Angeklagter zeigt in Verhandlung Reue

Diese Angst, so sagte die Frau, sei aber unnötig gewesen. Man habe sich geeinigt, dass der Vater das Kind an den Wochenenden sehen können; unter der Woche sei er berufsbedingt ohnehin nicht zuhause. Die Frau zu der Tat ihres Lebensgefährten: „Er kam mit unserer Trennung nicht klar.“ Drei Jahre seien sie zusammen gewesen, und beide hätten „schon so einiges mitgemacht.“ „Die Frau versuchte, die Familie zusammenzuhalten und es mit ihm auszuhalten“, sagte die Bewährungshelferin des 27-Jährigen. Der Kontakt zu ihm sei schlecht: „Er weiß, dass da was schief läuft.“

„So wie das vorgelesen wurde, passt das“, sagte der Mann über die Vorwürfe. Danach hat er zuerst seine Lebensgefährtin mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen und sie, nachdem sie auf ein Bett gefallen war, mit der Faust - so Richter Härtel in seinem Urteil - „geradezu bearbeitet“. Folge: zahlreiche Prellungen und Hämatome an Kopf und Körper.

Aggressionen nicht unter Kontrolle

Staatsanwalt Theis hielt dem Angeklagten die „hohe Rückfallgeschwindigkeit“ vor und beantragte eine neunmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Verteidiger Füchtmeier hielt sechs Monate für ausreichend und bat - nicht zuletzt wegen der gezeigten Reue - um eine letzte weitere Bewährungs-Chance, die mit einem angemessenem Schmerzensgeld für seinen Mandanten auch tatsächlich spürbar werde sollte.

Das machte Richter Härtel nicht mit. Aus den vorherigen Verurteilungen habe sich der 27-Jährige „nichts zu Herzen genommen“. Er habe nicht gelernt, mit seinen Aggressionen umzugehen und es sei „nicht erkennbar, dass er daran arbeitet“. Bis zu einer etwaigen Berufungsverhandlung muss er hier was vorzeigen, sonst kann er sich den weiteren Rechtsweg sparen.

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