Betrugsfall

Briloner verschafft sich illegal am Telefon 1000 Euro

Vor dem Amtsgericht Brilon muss sich ein 26-Jähriger verantworten, der bereits einschlägig wegen Betrugs vorbestraft ist. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

Vor dem Amtsgericht Brilon muss sich ein 26-Jähriger verantworten, der bereits einschlägig wegen Betrugs vorbestraft ist. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Brilon.  Vor dem Amtsgericht muss er sich wegen Betrugs verantworten. Der Tatzeitpunkt hätte kaum schlechter sein können. Der Staatsanwalt war beeindruckt

Eine Nummer anrufen und ab einer gewissen Zeit einen Gutschein erhalten. Klingt zunächst gut. Die Nachteile: Ein Anruf kostet drei Euro pro Minute und der Anrufer telefoniert mit einer Hotline und nicht mit Freunden oder Verwandten. Aber ein Briloner schaffte es mit einem Betrug das System zu seinen Gunsten zu nutzen. Und das trotz einer Handyrechnung von 3000 Euro. Genau das brachte ihn vor das Amtsgericht.

Der 26-Jährige bestellte unter falschen Identitäten jeweils die benötigten Sim-Karten vom Anbieter, um die Telefonate führen zu können. Die vier angefallenen Rechnungen beabsichtigte der Angeklagte nicht zu zahlen. Dafür nutzte er aber die Gutscheine im Wert von circa 1000 Euro, die er im Internet bei Amazon ausgab und in seine damalige Spielsucht investierte.

Drogen- und Spielsucht als Beweggrund

Vor Gericht gab der Briloner, wie auch schon bei seiner Polizeiaussage, zu, dass er die Taten begangen hat. Er erklärte, dass er damals nicht nur mit seiner Spiel-, sondern auch mit einer Drogensucht zu kämpfen hatte, arbeitslos war und daher diesen Fehler beging. „Kurz danach bin ich dann zu einer Entgiftung nach Marsberg gegangen und habe eine Therapie begonnen. Dann habe ich eine Therapie in Bad Fredeburg gemacht. Ich musste einfach die Reißleine ziehen“, sagte der Angeklagte.

Seitdem fand er einen Job, hat einen geregelten Alltag und scheint wieder fest im Leben angekommen zu sein. Der Tatzeitpunkt hätte für den Briloner nicht ungünstiger sein können, denn er ist bereits einmal wegen siebenfachen Betrugs verurteilt worden und steht derzeit unter Bewährung. Ein Jahr und vier Monate könnte er alleine wegen der Verletzung der Bewährungsauflagen ins Gefängnis gehen. Das erkannte auch Richter Härtel und sagte: „Das ist ein Fall, wo eine Gefängnisstrafe verhängt werden muss.“ Der Satz verfehlte seine Wirkung nicht. Der Angeklagte wirkte sichtlich schockiert über diese Aussicht, nachdem er sein Leben in eine geregelte Bahn bringen konnte. „Es sei denn die Strafe fällt höher aus und der Schaden wird beglichen. Dann wäre eine erneute Bewährung möglich. Sonst gehen Sie hier raus und es ist nichts passiert“, fuhr Härtel fort.

Schlechte Nachrichten der Bewährungshelferin

Doch die nächste Nachricht folgte schnell, denn der Angeklagte scheint seine Bewährung auf die leichte Schulter zu nehmen, wie die Bewährungshilfe in einem Schreiben durchblicken ließ. Termine mit ihr ließ er platzen, stattdessen meldete seine Freundin ihn immer ab. „Sein Bewährungsverhalten ist ungenügend und ich sehe keine positive Progrnose“, heißt es im Schrieben.

Der Staatsanwalt war in seinem Plädoyer erstaunt über die Fähigkeiten des Angeklagten. „Das war gut geplant gewesen. Da muss man erstmal drauf kommen. Die Taten aufzudecken hat erheblichen Ermittlungsaufwand gekostet. Sie sind ein Bewährungsversager und haben einen erheblichen Schaden verursacht“, sagte er. Dennoch plädierte er auf eine Bewährungsstrafe.

Dem kam das Gericht nach. Ein Jahr und vier Jahre Bewährungszeit beinhalteten das Urteil. Richter Härtel appellierte zum Schluss noch an die Vernunft des jungen Mannes: „Bleiben Sie sauber. Denken Sie an Ihre kleinen Kinder. Die sind jetzt in einer wichtigen Phase und das wollen Sie nicht verpassen. Ich erlebe hier immer wieder, dass ein Elternteil plötzlich für zwei Jahre ins Gefängnis geht und die Kinder sich entfremden.“

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