DEBATTIEREN

Brunskapplerin engagiert sich in simulierter UN-Konferenz

Isabell Guntermann bei einem Stopp in San Francisco. Während einer USA-Reise hat sie auch bereits New York besucht.      

Isabell Guntermann bei einem Stopp in San Francisco. Während einer USA-Reise hat sie auch bereits New York besucht.      

Foto: Privat

Brunskappel/New York.  Jura-Studentin Isabell Guntermann fliegt mit Münsteraner Delegation nach New York: Sie nimmt an dem „National Model United Nations“ teil.

„Ein Dschungel aus Beton, in dem Träume gemacht werden“. So heißt es in Alicia Keys’ Hymne auf New York. Träume und Visionen von einer besseren Welt sind es auch, die 5000 Studierende aus aller Welt antreiben, sich in der Stadt, die niemals schläft, zu treffen: Bei der National Model United Nations (NMUN), der weltweit größten Simulationskonferenz der Vereinten Nationen, werden sie für die Interessen von UN-Mitgliedsstaaten eintreten und über politische und humanitäre Fragestellungen diskutieren.

So auch die Brunskapplerin Isabell Guntermann. Die 23-Jährige studiert in Münster Jura und fliegt mit der Münsteraner Delegation nach New York.

Worum geht es bei der NMUN?

Isabell Guntermann: Die NMUN ist die weltweit größte Simulationskonferenz der Vereinten Nationen. Es geht darum, jungen Studiereden einen Einblick in die Arbeitsweise eines Diplomaten zu gewähren. Die Debatte richtet sich nach den Rules of Procedure, die der Arbeitsweise der echten Vereinten Nationen entsprechen. Debattiert wird über große weltpolitische Themen wie den Klimawandel, die Terrorismusbekämpfung oder zum Beispiel den internationalen Handel.


Wie sind MUNs entstanden?
Schon 1927, zu Zeiten des Völkerbundes, gab es Simulationskonferenzen dieser Art. Die erste MUN-Konferenz nach Ratifikation der UN-Charta fand im Jahr 1946 statt. Diese Simulationen sind entstanden, um die nächste Generation internationaler Führungskräfte zusammenzubringen.


Sie studieren Jura und kommen aus Brunskappel – was hat Sie dazu bewogen, als Teilnehmerin der Konferenz nach New York mitzufahren?
Interesse an politischem Geschehen und internationaler Zusammenarbeit hatte ich schon zu Schulzeiten. Nach einem Praktikum bei unserem Bundestagsabgeordneten Professor Patrick Sensburg und der Teilnahme an einem Planspiel Bundestag habe ich Spaß an derartigen Simulationskonferenzen gefunden und bin so auf die Idee gekommen, mich als Delegierte für NMUN zu bewerben. Das Jurastudium hilft dabei sehr, die rechtlichen Hintergründe zu überblicken, so dass auch Resolutionen verabschiedet werden, die im Rahmen des rechtlich Möglichen stehen.


Wer entscheidet darüber, wer zur NMUN darf?
Die letztendliche Entscheidung obliegt den Organisatoren in New York. Man kann sich als Delegation in New York bewerben und hoffen, angenommen zu werden. Bessere Chancen hat man, wenn sich eine Delegation über Jahre hinweg etabliert hat und immer wieder Awards gewonnen hat. Münsteraner Delegationen fahren seit 2011 nach New York, sodass die Chancen relativ gut stehen, in New York angenommen zu werden. Um allerdings Teil der Münsteraner Delegation zu werden, muss man sich bewerben. Das Bewerbungsverfahren läuft über den Münster MUN e.V. und gleicht den klassischen Bewerbungsverfahren mit Lebenslauf, Motivationsschreiben, Auswahlgespräch.


Wie lange bereiten Sie sich schon auf die Konferenz vor?
Seit Oktober 2017 treffen wir uns jeden Dienstagabend für circa vier Stunden. In dieser Zeit findet immer ein einstündiger Workshop zum Beispiel zur Arbeit der Vereinten Nationen, zu der Geschäftsordnung, zum Verhandlungsgeschick oder ähnlichem statt. Anschließend besprechen wir alles, was ansteht. Von Fundraising-Aktionen über Vorbereitungsfahrten zum Auswärtigen Amt oder zu einer anderen MUN ist viel zu besprechen.


Was möchten Sie durch Ihre Reise nach New York bewirken?
Wir versuchen, das ganze Geschehen rund um die Konferenz publik zu machen, so dass wir Menschen erreichen können, die bisher über die Vereinten Nationen noch nicht so viel wussten oder sich schlicht und einfach nie damit beschäftigt haben. Aus diesem Grund fanden zum Beispiel die wöchentlichen Workshops immer öffentlich statt. Ich möchte also gerne bewirken, dass sich die Menschen wieder darüber bewusstwerden, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit ist und was für enorme Fortschritte in diesem Bereich in den letzten Jahrzehnten erzielt worden sind.


Wie lange werden Sie dort sein?
Wir sind für circa 2,5 Wochen in den USA, besuchen vorher allerdings noch Washington DC und Philadelphia. In New York sind wir dann für ungefähr zehn Tage. Momentan versuchen wir noch, einen Termin bei der Ständigen Vertretung Deutschlands in New York zu organisieren. Ansonsten steht vor der Konferenz hauptsächlich Sightseeing auf dem Programm. Bevor wir nach New York fliegen, fahren wir Ende Februar ins Auswärtige Amt nach Berlin.


Sie werden bei der NMUN die Interessen der Fidschis vertreten – welche Themen spielen eine Rolle?
Vor allem sind klimapolitische Themen für die Fidschi-Inseln von großer Bedeutung. Allerdings wird das nicht das Hauptthema unserer ganzen Delegation, sondern von den beiden Delegierten, die in der der United Nations Environment Assembly sind, vertreten. Ich bin mit meinem Komitee-Partner Teil der General Assembly 1, wo wir über die Terrorismusbekämpfung, den illegalen Waffenhandel und Cyber-Sicherheit debattieren.


Sie werden in New York auf viele Nationalitäten treffen und sprechen über ernste Themen – sind Sie auch ein bisschen aufgeregt?
Auf jeden Fall. Vor allem, weil viele amerikanische Schulen die Teilnahme am NMUN als Studienleistung anrechnen und den Studierenden so die Möglichkeit geben, sich im Rahmen ihres Studiums und mit Hilfe von Professoren auf die Konferenz vorzubereiten. Diese Möglichkeit besteht in Deutschland leider nicht, so dass der Druck hoch ist.


Mit 23 Jahren hat manch anderer Klausuren, Partys und Netflix im Kopf. Warum finden Sie es wichtig, sich politisch zu engagieren?
Das habe ich natürlich auch im Kopf, aber eben nicht nur. Ich finde es sehr wichtig, dass in unserer Generation ein Bewusstsein dafür entwickelt wird, wie sich die Menschen in früheren Jahren die Demokratie erkämpft haben und wie die Staaten international immer enger zusammengerückt sind. Wir haben zum Glück noch keinen Krieg miterleben müssen und dürfen uns, nach meinem Verständnis, nicht auf den Erfolgen vorheriger Generationen ausruhen, sondern müssen selber weiter kämpfen, um unsere Welt zu einer besseren Welt zu machen.

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