Unglück

Bundesamt ermittelt Ursache für Absturz des Heißluftballons

Einsatzkräfte der Feuerwehr sind am Unfallort des abgestürzten Heißluftballons.

Einsatzkräfte der Feuerwehr sind am Unfallort des abgestürzten Heißluftballons.

Foto: Daniel Schröder

Marsberg.   Ein Heißluftballon stürzt bei Marsberg bei der Landung ab und fängt Feuer. Elf Insassen werden schwer verletzt. Experten suchen die Ursache.

Bei dem Ballonabsturz nahe der B7 in Marsberg-Bredelar im Sauerland waren am Dienstagabend vier Männer und sechs Frauen im Alter von 22 bis 59 Jahren sowie der Pilot (63) zum Teil schwer verletzt worden. Der Ballon war kurz vor der Landung ins Trudeln geraten und hatte Feuer gefangen. Elf Insassen aus Hessen wurden verletzt, zwei von ihnen lebensgefährlich. Eine Frau (51) und ein Mann (52) schwebten nach dem Absturz in Lebensgefahr. Der Zustand der Frau ist mittlerweile stabil. Der Mann schwebt weiter in Lebensgefahr. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ermittelt. Gutachter nehmen am Mittwoch die Absturzstelle in Augenschein. Ein Behördensprecher erklärt, wie die Ursachenforschung funktioniert.

Gutachter der BFU am Mittwoch am Absturzort

Mit dem Abschlussbericht sei erst in etwa einem Jahr zu rechnen, sagte ein Sprecher der BFU der Westfalenpost. In dem Dossier würden alle Fakten zusammengetragen und detailliert die Ursache für den Absturz nachzulesen sein, sofern sie sich zweifelsfrei ermitteln lasse.

In sechs bis acht Woche gibt es einen Zwischenbericht der Bundesbehörde. „Darin veröffentlicht die BFU einen Sachstand zur Untersuchung. Daraus wird allerdings noch nicht abzulesen sein, welche Ursache der Unfall haben könnte. Wie möchten bei Flugunfällen Spekulationen vermeiden“, sagte der Sprecher der BFU.

Am Mittwoch waren die Gutachter der BFU am Absturzort, um das Areal in Augenschein zu nehmen. Bei dieser Untersuchung vor Ort geht es nur darum, Fakten zu finden: Wo ist der Ballon gestartet? Wie war der Flugverlauf? Wo wollte der Pilot landen? Es werden auch Spuren von der Absturz-Stelle dokumentiert.

Mensch, Maschine und Umwelt im Fokus der Experten

Die Untersuchung der Behörde mit Sitz in Braunschweig umfasst drei Bestandteile: Mensch, Maschine und Umwelt.

Mensch: Es werden Informationen über die Insassen des Ballons – insbesondere über den Piloten – eingeholt. Dabei wird unter anderem die Flugtauglichkeit des Mannes untersucht und geprüft, ob er im Besitz einer gültigen Flugerlaubnis ist.

Ballonabsturz: Rettungsarbeiten bis spät in die Nacht

Maschine: Der Ballon wurde durch die Polizei beschlagnahmt. Er war zwischenzeitlich in Olsberg gelagert worden und wurde an die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung weitergeleitet. Dort inspizieren die Experten den Unglücksballon. Dabei geht es um mögliche technische Mängel zum Beispiel am Korb, am Ballon oder am Brenner.

Umwelt: Die Gutachter holen Geodaten ein und werten sie aus. Es wird überprüft, ob es zum Beispiel mögliche Hindernisse an der Absturzstelle gab. Außerdem wird ein Wettergutachten wird erstellt.

Keine Genehmigung bei Ballon-Start notwendig

Ballonfahrer erhalten nach einer Ausbildung eine Allgemeinerlaubnis. Teil der Ballonfahrerausbildung ist der Umgang mit Technik und Ausrüstung sowie mit Wetterbedingungen für das richtige Deuten der Vorhersagen um eine sichere Fahrt zu gewähren. Anders als bei zum Beispiel Flugzeugen benötigen Ballonpiloten keine Starterlaubnis einer Behörde. „Ein Ballonpilot mit entsprechender Allgemeinlizenz kann selbstständig entscheiden, wann er startet“, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung Münster der WP. Die Bezirksregierung Münster als obere Luftaufsichtsbehörde sorgt für die Luftsicherheit in Westfalen-Lippe.

Möglicherweise wurde der Ballon von einer Windböe erfasst

Der verunglückte Heißluftballon gehört einem Unternehmen aus Nordhessen, das kommerzielle Ballonfahrten anbietet. Der Ballon war gegen 19 in Korbach gestartet und am Dienstagabend gegen 21.15 Uhr abgestürzt. Start und Landepunkt liegenrund 20 Kilometer auseinander. Möglicherweise wurde der Heißluftballon von einer Windböe erfasst.

Nach dem Aufprall hatte sich der Ballon mehrfach überschlagen. Durch den Gasbrenner des Ballons wurden mehrere Personen verletzt. Zwei der Insassen – ein 52-jähriger Mann und eine 51-jährige Frau aus Korbach – lebensgefährliche Verletzungen. Sie wurden mit Rettungshubschraubern in eine Spezialklinik geflogen. Die 51-Jährige ist nach Angaben der Polizei mittlerweile in einem stabilen Zustand. Für den 52-Jährigen besteht weiterhin akute Lebensgefahr.

Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft

Alle Insassen wurden bei dem Absturz verletzt. Die vier Männer und sechs Frauen im Alter von 22 bis 59 Jahren konnten zum Teil das Krankenhaus wieder verlassen. Sieben Fahrtgäste stammen aus Korbach. Die weiteren leben in Waldeck, Lichtenfeld und Kassel.

Der 63 Jahre alte Pilot wurde ebenfalls schwer verletzt. Er liegt noch im Krankenhaus. Er ist laut Polizeiangaben vernehmungsfähig. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Dabei wird es unter anderem um die Frage gehen, ob der Heißluftballon mit Blick auf die Wetterlage hätte starten dürfen. „Die genauen Umstände des Unfalls und dem Zusammenhang mit der geplanten Landung werden derzeit von der Kriminalpolizei ermittelt“, so die Polizei in einer Mitteilung.

Mehrere Krankenwagen waren am Dienstagabend zur Unfallstelle gerufen worden. Drei Verletzte wurden mit Rettungshubschraubern in Krankenhäuser geflogen. Insgesamt waren 60 Einsatzkräfte mehrere Stunden vor Ort. Der Unfall hatte sich gegen 21.10 Uhr im Bereich des Gasthofs „Fettküche“ auf einer Kuppe am Abzweig nach Beringhausen in Bredelar ereignet. Gegen Mitternacht konnten die Rettungskräfte die Unglücksstelle wieder verlassen.

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