Bye Bye, Bequemlichkeit. Buenos dias, Bolivien

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Brilon.  Als ich ihr Zimmer betrete, sind in dem ganzen Raum kleine, pinke Zettel verteilt, auf denen spanische Wörter stehen, um einfache Wörter für Kleiderschrank, Schlüssel und mehr zu üben.

Aber die Bewohnerin dieses Zimmers bereitet sich nicht auf eine Abiturprüfung vor – auch wenn die in diesem Jahr noch ansteht – sondern lernt Spanisch für ihr Auslandsjahr!

Mit dem Programm „Missionar auf Zeit“ wird Lisa Becker (18) aus Olsberg nach ihrem Abitur zwölf Monate in Bolivien verbringen.

Überlegt ihr auch, ob ihr ein „Gap Year“, etwa ein freiwilliges soziales Jahr oder ein Auslandsjahr, nach eurem Abschluss machen wollt? Wir haben für euch mit Lisa gesprochen!

Wo wirst du arbeiten?

Untergebracht bin ich in einem Kinderheim, wo ungefähr 220 Kinder wohnen, die zwischen drei und neunzehn Jahre alt sind – also teilweise sogar in meinem Alter sind. Zwar gibt es Erzieher, Psychologen, Ärzte und andere Teammitglieder, aber das Kinderheim ist trotzdem auf Spenden angewiesen.

Bis jetzt kann ich nur sagen, was ich von anderen, die in demselben Kinderheim waren, gehört habe, aber einige haben zum Beispiel Unterricht gegeben, im Kindergarten gearbeitet oder auch dem Hausmeister geholfen.

Mit was für Menschen hast du es zu tun?

Hauptsächlich arbeite ich natürlich mit den Kindern, die in dem Kinderheim wohnen. Ihre Eltern sind im Gefängnis und da viele ihrer Verwandten selbst schon genug Probleme haben, müssen sie entweder in ein Kinderheim gehen oder mit ihren Eltern ins Gefängnis. Die Schule dort ist auch für Außenstehende und ansonsten gibt es halt das Kinderheim selbst und etwas ähnliches wie einen Kindergarten.

Kannst du Bolivien mit deinem Heimatland vergleichen?

Bolivien ist auf jeden Fall ein ärmeres Land: Zum Beispiel habe ich schon von „Wasserkriegen“ gehört, da auch das Wasser manchmal eben knapp werden kann. Die Kinder in dem Heim, in dem ich arbeiten werde, zum Beispiel bringen zwar Kleidung mit, erhalten aber meistens auch keine andere. Allein die Freude, überhaupt in die Schule zu gehen, ist bei ihnen schon riesig. Religionen gibt es dort auch ziemlich viele verschiedene – die meisten sind katholisch, aber es gibt auch noch viele Naturreligionen.

Wie bereitest du dich auf deinen Aufenthalt vor?

Zuerst muss ich Spanisch lernen, das in Bolivien gesprochen wird. In der Schule hatte ich weder Spanisch noch Französisch, aber von Latein kann man auch einiges ableiten. Im Moment bekomme ich Unterricht, sodass ich mich dann verständigen kann. Außerdem habe ich schon mit einigen gesprochen, die ein ähnliches Auslandsjahrs gemacht haben und besuche auch regelmäßig Seminare.

Was gefällt dir so sehr an der Idee, ein Auslandsjahr zu machen?

Zuerst habe ich natürlich so noch mehr Zeit, um mir zu überlegen, was ich später einmal machen möchte.

Außerdem finde ich die ganzen Erfahrungen, die man in Bolivien machen kann super, weil das Leben dort einfach anders ist als in Deutschland und auch anders als bei anderen Austauschprogrammen, etwa als wenn man als Au Pair in die USA geht.

Was wirst du am meisten vermissen?

In erster Linie mit Sicherheit meine Freunde und meine Familie und auch Hobbys – zum Beispiel reite ich gerne und werde das ein ganzes Jahr lang sohl nicht machen können. Viele erwarten, dass ich auch den einfachen Zugang zu Wasser vermissen werde, aber das habe ich bis jetzt ja nur von anderen gehört, deshalb mache ich mir da jetzt noch keine Gedanken drüber. Ich freue mich aber schon riesig, ein so vielfältiges Land zu sehen. In Bolivien gibt es schließlich viele verschiedene Landschaften von den tropischen Gebieten bis zu unvorstellbaren Höhen.

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