SPORT

Cheerleading und Football Briloner Lumberjacks ausprobieren

Die Junioren der Briloner Lumberjacks stecken die Köpfe zusammen und besprechen sich beim Training

Foto: Lena Kley

Die Junioren der Briloner Lumberjacks stecken die Köpfe zusammen und besprechen sich beim Training Foto: Lena Kley

Brilon.   American Football und Cheerleading - diese Sportarten gehören zusammen. Die Briloner Lumberjacks bieten beides an. Wir machen den Selbstversuch.

An der Flanke, am unteren Bauch und unter den Rippen - überall schmerzt mein Bauch: Diagnose Muskelkater. Ob es vom Football oder Cheerleading kommt, das ich gestern bei den Briloner Lumberjacks ausprobieren durfte, ist unklar: Beides sind sehr intensive Sportarten. Mit vollgepackter Sporttasche und einem Haufen Fragen ging es gestern zum Training. Wird beim Cheerleading wirklich nur rumgehüpft? Schmeißen sich die Footballer auf mich drauf? Am Ende kam alles ganz anders.

Cheerleading fordert Konzentration

„Zuerst den Arm links, dann hier nach rechts, nach unten und springen“, erklärt Angelina Knobbe geduldig. Schnell versuche ich die Positionen nachzuahmen und drehe den Arm nach rechts statt nach links -- gar nicht so einfach. Nach einem ausgiebigen Aufwärmen und Dehnen zeigen die Mädels die ersten Schritte. „Man muss das nicht alles direkt können“, beruhigt mich Rebecca Phillips.

Beide Trainerinnen haben schon jahrelange Erfahrung: Rebecca Phillips (21) war sechs Jahre lang beim Cheerleading in Paderborn und Angelina Knobbe (20) besuchte ein Jahr das Cheerdance in Bleiwäsche. Beide waren auch schon als kleine Mädchen gemeinsam bei den Tanzmariechen.

Cheerleader-Gruppe sucht Teilnehmer

Jetzt bauen sie gemeinsam die Cheerleading-Gruppe der Lumberjacks auf, unterstützt von Teammanagerin Martina Knobbe. Das erste Schnuppertraining findet heute, am Samstag, statt. Offiziell starten wollen die Mädels am 22. November -- ab dann wird immer mittwochs von 20 bis 21.30 Uhr das Training stattfinden.

Bei dem einen oder anderen Footballer neben uns wackelt bei der Musik immer wieder der Fuß mit, manchmal sogar die Hüfte. Rebecca Phillips zeigt mir, wie die einzelnen Positionen, beim Cheerleading Motions genannt, heißen. „Jeden Namen dafür muss ich aber nicht immer wissen, oder?“, frage ich. „Doch, aber nicht direkt am Anfang“, sagt Rebecca Phillips.

Kein Platz für Zickenkrieg

Da Mädels die Lumberjacks bei ihren Spielen sowieso häufig anfeuerten, lag der Gedanke nahe, gleich eine Cheerleader-Gruppe aufzumachen. In Zukunft sollen sie zunächst vor dem Spiel auftreten, das wird „Pre-Game-Show“ genannt. Da aufgrund der Spielzeit von vier mal zwölf Minuten beim Football immer wieder Pausen entstehen, können kleine Choreografien mit Kampfsprüchen währenddessen aufgeführt werden.

Zum Einüben dieser Schrittfolgen ist auch das Training da. Dabei gibt es feste Regeln: „Wer drei Mal unentschuldigt fehlt, kann beim Auftritt nicht mittanzen“, erklärt Angelina Knobbe. Die wichtigste Regel beim Cheerleading sei allerdings der gegenseitige Respekt, bekräftigen die Trainerinnen. Und was ist mit dem Zickenkrieg, der aus amerikanischen High-School-Filmen bekannt ist? „Bei unserem Cheerleading wird jeder akzeptiert, wie beim Football auch“, bekräftigt Angelina Knobbe.

Im American Football wird taktisch gespielt

Nach den ganzen komplizierten Schrittfolgen freue ich mich beim Football Dampf abzulassen - falsch gedacht! Nach dem Aufwärmen machen die Junioren taktische Übungen, die sie im Spiel anwenden können. Immer zwei Spieler werden mit einem Klettband aneinander geseilt. Der eine muss versuchen, sich loszureißen - das gerissene Klettband dient als Beweis - der andere muss ihn daran hindern.

Nach langem Hakenschlagen schaffe ich es trotzdem nicht, mich von meinem flinken Gegner loszureißen - obwohl der mindestens zehn Jahre jünger ist als ich. Der Verlierermuss fünf Liegestütze machen. Trotzdem gibt mir mein Mitspieler einen kollegialen Handschlag.

Anfänger starten im Winter

Zwei Mal die Woche haben die Jungs Training. Je nach Saison unterscheidet sich, wie trainiert wird: Während im Sommer Spielzüge und die Technik für das Spiel erprobt werden, trainieren die Footballer im Winter Schnelligkeit und Wendigkeit. „Jetzt im Winter ist genau die richtige Zeit für Anfänger, um mit dem Football-Spielen zu starten“, erklärt Trainer Torsten Böhm. So können neue Spieler zunächst in Ruhe reinkommen und direkt von Anfang an die Taktiken einüben.

Als Nächstes müssen wir Matten durch die Halle drücken. Zum Schluss schieben zwei Parteien die blauen Polster gegeneinander, ähnlich dem Tauziehen. Zunächst rührt sich nichts. Trainer Böhm weiß Rat und ein weiterer Spieler stellt sich auf unsere Seite und schreit uns an: „Push, push, push!“ Kribbeln im Bauch und ungeahnte Kräfte werden freigesetzt - wir gewinnen.

Fazit: Pompon oder Ball?

Beides sind Sportarten auf dem höchsten Niveau, die Konzentration und Teamgeist fordern und vor allem: Beide machen unglaublichen Spaß. Ich persönlich würde mich für Football entscheiden, noch gibt es allerdings keine Frauenmannschaft: „Wenn beim Trainingstag sich spontan 53 Frauen bereiterklären mitzumachen, würden wir nicht Nein sagen“, bekräftigt Mario Polzer, 1. Vorsitzender des Vereins.

Ich kann allen Frauen aus Brilon und Umgebung Football, aber auch Cheerleading nur empfehlen, denn dafür lohnt sich sogar der Muskelkater am Tag danach.

Folgen Sie der Westfalenpost im Altkreis Brilon auch auf Facebook.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik