Covid-19-Krise

Corona-Impfzentrum Olsberg: Gnadenlose Kritik an HSK-Landrat

Landrat Dr. Karl Schneider bei der ersten Besichtigung des Impfzentrums in Olsberg. Jetzt kritisiert ihn die KVWL hart wegen seiner Haltung. 

Landrat Dr. Karl Schneider bei der ersten Besichtigung des Impfzentrums in Olsberg. Jetzt kritisiert ihn die KVWL hart wegen seiner Haltung. 

Foto: Jana Naima Schopper / WP

Hochsauerlandkreis/Olsberg  Der HSK-Landrat fordert ein 2. HSK-Impfzentrum. Die KVWL kritisiert ihn hart und wirft ihm schlechten Stil und Realitätsverkennung vor.

Olsberg/Hochsauerlandkreis. Dr. Hans-Heiner Decker, Leiter der Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL) in Arnsberg, die für den gesamten HSK zuständig ist, fordert das Ende der öffentlichen Debatte um ein zweites Corona Impfzentrum im Westen des Hochsauerlandkreises. „Die Forderung des HSK gegenüber dem Land NRW, ein zweites Impfzentrum im Westen des Kreises bereitzustellen, ist unrealistisch, wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen und logistisch nicht zu stemmen“, äußert Dr. Decker - selbst wohnhaft in Arnsberg. „Es ist jetzt höchste Zeit den Schlusspunkt einer fruchtlosen Gespensterdebatte zu setzen: Die Kur- und Konzerthalle in Olsberg ist der ideal gewählte Standort, da verkehrstechnisch zentral gelegen. Zwar liegt Olsberg nicht exakt im geographischen Mittelpunkt, dennoch ist dieser Ort von der Peripherie des Kreises am besten zu erreichen.

Das sagt der Landrat

Landrat Dr. Karl Schneider hatte zu Beginn der Diskussion um ein Impfzentrum mehrfach betont, wegen der großen Fläche des Kreises sich für zwei Impfzentren im HSK einzusetzen. Nachdem die Wahl auf Olsberg gefallen war, hatte Schneider erneut für einen zweiten Standort geworben - in Arnsberg. Zuletzt hatte er im Kreisausschuss gesagt: "„Ich möchte nochmals deutlich machen, dass ich gerne auch im Raum Arnsberg eine Impfstelle sehen würde.“

"Wer glaubt, Arnsberg sei mit der Platzierung des Impfzentrums nach Olsberg abgehängt, verkennt die Realität", so die KVWL, die die Impfungen im HSK organisiert: Noch immer sei Olsberg von Arnsberg aus mit dem Auto in 29 min deutlich rascher zu erreichen als z.B. von Schmallenberg (40 min), Hallenberg (38 min), Marsberg (37 min)
oder Sundern (35 min). Die Standortentscheidung für Olsberg ist auch aus Sicht der KVWL nur zu begrüßen, "da sich neben der bestmöglichen Erreichbarkeit für alle Kreisbewohner das Objekt auch ansonsten aufgrund der Barrierefreiheit und günstigen Parkmöglichkeiten hervorragend eignet.“

Auch mal von Ost nach West pendeln möglich

Was den Bewohnern im Osten des HSK ständig auferlegt wird, nämlich Behördengänge nach Westen (in Richtung Meschede oder Arnsberg) zu unternehmen, darf auch zweimal in Gegenrichtung für den eigenen Impfschutz noch zugemutet werden. Die vermeintliche Mehrbelastung eines jeden Bürgers im Westen ist bei Lichte betrachtet
nichts anderes als eine solidarische Gleichstellung mit allen übrigen Bewohnern im Kreis und entlastet so ganz nebenbei öffentliche Haushalte“, führt Dr. Decker weiter aus.

Es sei völlig unverständlich, dass bei dieser Faktenlage jetzt von der politischen Verwaltungsspitze des Kreises der Ruf nach einem weiteren Impfzentrum ergeht. "Nur, wer sich mit der Materie ernsthaft beschäftigt, wird die immense Komplexität einer solchen Massenimpfung unter verschärftem Zeitdruck mit einem besonderen, hoch wirksamen aber sehr schwierig zu lagernden Impfstoff erkennen und schon allein deswegen die Kräfte auf einen Standort bündeln müssen", so Decker.

Es kommt auch die dezentrale Impfung

Nach aktuell gültiger Impfverordnung und Priorisierung sollen die hoch vulnerablen Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen und vergleichbarer Einrichtungen durch sog. mobile Teams der niedergelassenen Ärzte zuerst geimpft werden. Aus diesem Grund wird die Corona-Impfung im Januar 2021 in Olsberg zunächst nur langsam hochgefahren werden können. Eine volle Auslastung auf vier Impfstraßen sei abhängig davon, ob Impfstoffe auch
für weniger gefährdete Gruppen in ausreichender Menge in absehbarer Zeit bereitgestellt werden können. Dieses stehe, wie noch viele andere Details, im Ungewissen. Mit einer Entspannung der Pandemielage sei frühestens dann zu rechnen, wenn auch weitere, gut lagerbare Impfstoffe ihre Zulassung erhalten haben. Ab diesem Zeitpunkt werde es schlagartig viele wohnortnahe Impfstellen in jeder Kommune geben, nämlich in den zahlreichen impfenden Arztpraxen vor Ort. "Damit erübrigen sich weitere hochaufwendige Impfzentren", so Decker.

Die KVWL Bezirksstelle hält es nach eigenen Angaben "für stillos", wenn mit denen, die diese Forderung erfüllen sollen, nämlich den Ärzten/Ärztinnen, MFAs oder Krankenpfleger nie ein Wort im Vorfeld gesprochen worden sei. Eine Ablehnung des zweiten Impfzentrums habe schon aufgrund der ganzjährigen anhaltenden hohen Arbeitsüberbelastung der Gesundheitsberufe im Pandemiejahr 2020 zu erfolgen. In dieser Einschätzung sieht sich die KVWL in voller Übereinstimmung mit der Landesregierung und dem Gesundheitsministerium in NRW (MAGS).

2021 wegen Corona für medizinische Berufe hart

"Die derzeitigen Infektionszahlen lassen leider auch im HSK befürchten, dass der kommende Januar 2021
eine sehr herausfordernde bis dramatische Mehrbelastung sowohl der Krankenhäuser als auch Arztpraxen mit sich bringen wird. In dieser Krise ist volle Konzentration und Schaffenskraft aller Beschäftigten im Gesundheitswesen und Ressourcenschonung am jeweiligen Arbeitsplatz dringend von Nöten", si die KVWL. Es sei weder Zeit noch Geld genug vorhanden, "zweifelhafte Doppelstrukturen, die letztendlich keine Auslastung erfahren werden", einzurichten: "Wer mit unreflektierten Forderungen einerseits unerfüllbare hohe Erwartungen weckt und
andererseits Überbelastungen des medizinischen Personals leichtfertig und billigend in Kauf nimmt, handelt nicht vorausschauend."

Andere Impfungen z. B. gegen Influenza oder Masern zeigen, dass Impfmüdigkeit oder offene Ablehnung nie an der Erreichbarkeit einer Impfstelle sondern stets an grundsätzlichen Vorbehalten oder der Nachlässigkeit Einzelner gescheitert sind, argumentiert die KVWL. Und weiter: "Es bedarf im HSK folglich keines weiteren Impfzentrums sondern vielmehr des Vertrauens unser Bürger in ein seriöses und leistungsfähiges Impfwesen. Dafür stehen mit ganzer Kraft weit über 300 Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinische Fachangestellte und Krankenpfleger in gleich hoher Zahl im HSK in den Startlöchern. Sie alle haben sich zur bereitwilligen Mitarbeit im
Impfzentrum und den mobilen Teams einsatzbereit gemeldet und werden den „Karren“ neben ihrer obligaten Tagesarbeit in ihrer Freizeit ziehen - ganz bestimmt!"

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben