Tourismus im HSK

Corona-Krise trifft Köche und Kellner im Sauerland mit Härte

Ein Kellner bedient mit Mundschutz Gäste am Tresen. Die Gastbranche ist durch Corona in eine Krise geraten.

Ein Kellner bedient mit Mundschutz Gäste am Tresen. Die Gastbranche ist durch Corona in eine Krise geraten.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Hochsauerlandkreis.  Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten warnt vor den Krisen-Folgen für Köche, Kellner und Co. im HSK. Sie hat einen Forderungskatalog.

Die Corona-Krise sorgt für Tourismus-Einbruch: Im ersten Halbjahr haben rund 368.000 Gäste den Hochsauerlandkreis besucht – das sind 44 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Übernachtungen sank um 41 Prozent auf etwa 1,2 Millionen. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit.

Die NGG beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamtes. „Die Pandemie hat zu einer beispiellosen Krise im heimischen Gastgewerbe geführt. Erst mussten Hotels, Pensionen, Kneipen und Restaurants über viele Wochen ganz schließen. Und nach dem Lockdown läuft der Betrieb unter Auflagen nur langsam wieder an“, sagt Lars Wurche, Gewerkschaftssekretär der NGG-Region Südwestfalen. „Natürlich ist der HSK sehr groß und es gibt einige Städte, in denen der Tourismus bessere Zahlen präsentieren konnte“, räumt Lars Wurche auf Anfrage der WP ein.

In Winterberg und Brilon beispielsweise hatte der Tourismus Rekordzahlen zu vermelden. „Der August hat auch die schlechteren Monate zuvor ganz gut auffangen können“, fügt Lars Wurche hinzu.

Folgen für die Köche, Kellner und Hotelangestellte groß

Unter der Krise litten aber nicht nur die Unternehmen. „Die Folgen sind auch für Köche, Kellner und Hotelangestellte dramatisch. Als Kurzarbeiter mussten sie deutliche Lohneinbußen in Kauf nehmen – in einer Branche, die ohnehin nur geringe Löhne zahlt“, betont Wurche. Nach dieser „Durststrecke“ blickten viele Beschäftigte nun mit Sorge auf die Herbst- und Wintersaison. „Wie sich der Tourismus in dieser Zeit entwickeln wird, weiß ich nicht. Ich will keine Prognose abgeben, da die Situation sich schnell verändern kann. Wir beobachten derzeit auch genau, was in Hamm geschieht.“

Damit spielt Wurche auf die steigenden Corona-Zahlen an, die derzeit fast einen kritischen Wert erreichen. „Wie sich das auf den Tourismus im Sauerland auswirken kann, ist nicht absehbar.“

Hotel und Gaststättengewerbe beschäftigt rund 7100 Menschen

Nach Angaben der Arbeitsagentur beschäftigt das Hotel- und Gaststättengewerbe im Hochsauerlandkreis rund 7.100 Menschen. Allerdings habe die Kurzarbeit bislang einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern können. Dank staatlicher Hilfen sei eine Pleitewelle im Gastgewerbe ausgeblieben. „Die Gewerkschaften haben sich in Berlin seit Beginn der Pandemie für das Kurzarbeitergeld starkgemacht und auch durchgesetzt, dass es bis Ende nächsten Jahres verlängert wird. So kommen Beschäftigte und Betriebe besser durch diese schwere Zeit“, sagt Wurche. Entscheidend sei zudem, dass die Leistung nach sieben Monaten auf 80 Prozent des Nettoverdienstes (für Eltern 87 Prozent) ansteige. „Am Ende steht fest: Jeder Kurzarbeiter ist ein möglicher Arbeitsloser weniger.“

Die Gewerkschaft NGG appelliert nun an die Unternehmen, die Kurzarbeit für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu nutzen. „Wer wegen Corona nicht arbeiten kann, sollte die Möglichkeit einer beruflichen Weiterbildung bekommen. Das ist ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel, der in Hotels und Restaurants unabhängig von der Pandemie eklatant ist. Und Beschäftigte können einen Schritt auf der Karriereleiter machen – etwa von der Küchenhilfe zur Köchin, vom Restaurantfachmann zum Hotelfachmann“, unterstreicht Wurche.

Für die Digitalisierung fit machen

Zudem müssten Beschäftigte auch im Gastgewerbe für die Digitalisierung fit gemacht werden. Hier berge die Krise eine große Chance. Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts waren im August bundesweit 377.000 Beschäftigte des Hotel- und Gaststättengewerbes in Kurzarbeit – das ist gut jeder dritte Arbeitnehmer (34 Prozent). Dabei sind die vielen Minijobber der Branche nicht mitgerechnet. Sie haben keinen Anspruch auf das Lohnausfallgeld.

In der gesamten Wirtschaft lag der Anteil der Kurzarbeitenden zuletzt bei 14 Prozent. Während des Lockdowns zwischen Anfang März und Ende April wurde laut Arbeitsagentur für neun von zehn sozialversicherungspflichtige Beschäftige im Gastgewerbe Kurzarbeit beantragt.

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