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Corona-Lockdown zwingt Edel-Bordell in Marsberg in Insolvenz

Blick in ein Zimmer im Edel-Bordell Parkschloss. Corona hat der gesamten Branche schwer zugesetzt.

Blick in ein Zimmer im Edel-Bordell Parkschloss. Corona hat der gesamten Branche schwer zugesetzt.

Foto: Annette Dülme

Marsberg/Arnsberg.  Das Edel-Bordell Parkschloss in Marsberg hat Insolvenz angemeldet. Für den Betreiber hat das in einem Rechtsstreit einen positiven Nebeneffekt.

Die Klage der spanischen Dali-Stiftung gegen das Edel-BordellDas Parkschloss“ in Bredelar bei Marsberg im Sauerland liegt auf Eis. Grund: Der Betreiber des Etablissement, das sich jahrelang „Parkschloss Dali“ nannte, hat unmittelbar vor der am Landgericht Arnsberg geplanten mündlichen Verhandlung Insolvenz angemeldet.

Damit, so Landgerichtssprecherin Leonie Maas, ist das Verfahren gemäß § 240 der Zivilprozessordnung unterbrochen. Mittlerweile hat der Insolvenzverwalter mitgeteilt, dass Masseunzulänglichkeit vorliege.

Die Klage der staatlichen Dali-Stiftung richtet sich gegen Alexander Trninic (32) aus Hagen. Dessen Vater, Zoran Trninic (51) hatte das Etablissement 1995 in dem alten, dem Kloster Bredelar gegenüberliegenden Gutshaus aus der Gründerzeit gegründet, es aber 2002 verkauft.

2017 stieg er wieder ein, frischte den in die Jahre gekommenen Betrieb in gut einjähriger Umbauzeit und nach eigenen Angaben mit rund einer halben Millionen Euro Einsatz auf und eröffnet ihn im Oktober 2018 wieder. Stargast damals: die aus freizügigen Filmen bekannte Schauspielerin Sybille Rauch.

Branche durch Corona mit Problemen

Der für den 9. Juli vor der 4. Zivilkammer des Landgerichts angesetzte Verhandlungstermin war auf Antrag des Verteidigers wegen Urlaubs verschoben worden. Dabei hatte Alexander Trninic - „handelnd unter Parkschloss Dali“ bereits am 11. Mai am Amtsgericht Arnsberg den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.

Sein Sohn, so Zoran Trninic zur WP, habe das Etablissement nach dessen Insolvenz - die Park-Schloß Dali GmbH war 2018 aufgelöst und von Amtswegen wegen Vermögenslosigkeit gelöscht worden - als Einzelunternehmen weitergeführt. „Durch Corona hat die ganze Branche Probleme gekriegt“, sagt Zoran Trninic. Deshalb habe man für die beiden Betriebe - die Familie besitzt auch in Hagen ein Rotlicht-Etablissement - Insolvenz anmelden müssen.

Der Eigenantrag ist aber nicht der einzige, der im Amtsgericht Arnsberg zum Parkschloss eingegangen ist. Bereits im August vergangenen Jahres hatte das auch ein Gläubiger des Unternehmens getan. Grund: nicht abgeführte Sozialversicherungsbeiträge.

Am 24. Juni eröffnete das Amtsgericht Arnsberg das Insolvenzverfahren und setzte den Lippstädter Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Köhler als Verwalter ein.

Kanzlei der Dali-Stiftung nicht informiert

Die Dali-Stiftung hat mit der Wahrung ihrer Interessen die renommierte Wirtschaftskanzlei SKW Schwarz eingeschaltet. 130 Juristen sind bundesweit für die Kanzlei tätig. Dass der Prozess im Hochsauerland ausgesetzt ist, war bis zur Anfrage der WP am Dienstag noch nicht bekannt. Deshalb sehe man sich auch nicht in der Lage, dazu eine Stellungnahme abzugeben, hieß es aus dem Büro von Dr. Dorothee Altenburg.

Die Anwältin hat schon einmal erfolgreich die Interessen der Dali-Stiftung durchgesetzt. Das Berliner Dali-Museum, das rund 450 Dali-Exponate aus privaten Sammlungen ausstellt, hatte vor einigen Jahren einen 31 Sekunden langen Video-Werbetrailer erstellt und auf Youtube veröffentlicht. Darin waren verschiedene der bekanntesten Werke des spanischen Surrealisten animiert. Darin hatte die Stiftung eine Verletzung des Urheberrechts gesehen und das Museum auf 200.000 Euro Schadenersatz verklagt. Sowohl das Landgericht wie auch das Oberlandesgericht München hatten 2014 der Stiftung Recht gegeben, der Bundesgerichtshof schließlich hatte eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision abgelehnt. Während das Museum das Video als eigenständiges Kunstwerk ansah, das in einem kritischen und künstlerischen Dialog mit dem Werk Dalis stehe, betrachteten es die Richter als reine Marketing-Maßnahme für das Museum.

Mit den 30.000 Euro war - umgelegt auf die Laufzeit auf Youtube - pro benutztem Dali-Werk 100 Euro pro Woche nachzuzahlen, nach Ansicht der Richter damals sei das Museum „sehr günstig“ weggekommen. Das sahen die Betreiber anders. Sie rechneten das auf die 28.000 Aufrufe auf Youtube um: Ein Euro pro Click sei ein teurer Spaß.

Für Zoran Trninic hätte 1995 durchaus eine Alternative für sein Etablissement gehabt. Mit einem Kumpel aus Brilon habe er damals „am Küchentisch“ nach einem Namen gesucht: „Wir haben auch an Pablo gedacht. Aber Dali hörte sich besser an.“

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