Folklore

Dalheim lädt zum größten Klostermarkt Europas

Mit rund 15.000 Besuchern rechnet der LWL beim größten Klostermarkt Europas in Dalheim

Mit rund 15.000 Besuchern rechnet der LWL beim größten Klostermarkt Europas in Dalheim

Foto: Foto: WP/Archiv

Dalheim.  Rund 40 Abteien aus dem In- und Ausland präsentieren sich am 24. und 25. August im Kloster Dalheim im Kreis Paderborn.

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Wenn Schwester Andrea und Schwester Thekla zur Weinprobe einladen, Bruder Philipp den Kochlöffel schwingt, Pater Gerhard sein Kräuterwissen teilt und ganz Westfalen sich im Kloster Dalheim trifft, dann ist es wieder Zeit für Europas größten Klostermarkt. An diesem Wochenende, 24. und 25. August, kommen Ordensschwestern und -brüder aus rund 40 Abteien, Stiften und Klöstern in Österreich, Tschechien, Weißrussland und dem gesamten Bundesgebiet ins Kloster Dalheim (Kreis Paderborn) und bieten auf dem weitläufigen Klostergelände ihre Waren an. Jeweils von 10 bis 18 Uhr zeigen sie, was in ihren Küchen, Kellern und Werkstätten in liebevoller Handarbeit an wertvollen Produkten entsteht.

„Auf anregende und unterhaltsame Weise gibt der Klostermarkt Besuchern die Gelegenheit, die ganze Vielfalt klösterlicher Kultur zu entdecken“, sagte die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorsitzende des Vorstandes der Stiftung Kloster Dalheim, Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, bei der Vorstellung des Klostermarkt-Programms. „Das Besondere am Dalheimer Klostermarkt ist die Kombination aus Marktgeschehen und persönlicher Begegnung. Wer hier kauft, kauft direkt beim Produzenten, erhält himmlische Produkte und kommt mit den Ordensleuten ins Gespräch. Hier werden die Traditionen der Klöster mit allen Sinnen erfahrbar - ein Angebot ‘mit direktem Draht nach oben’, das es so nur im Kloster Dalheim gibt.“

Gaumenfreuden aus den Klostergärten

Ob Käse- und Knoblauchstangen der Augustiner-Chorherren aus dem österreichischen Stift St. Florian, Fairhandel-Produkte aus der Abtei Münsterschwarzach, Brände, Essig und Secco vom Klosterweingut Jakobsberg, gehäkelte Kuscheltiere der Schulschwestern aus dem Kloster Brede in Brakel, Leckereien aus der ökologischen Landwirtschaft der Benediktiner aus dem bayerischen Plankstetten, Weihrauch aus dem deutschorthodoxen Dreifaltigkeitskloster Buchhagen, Senf der Trappisten aus dem tschechischen Kloster Nový Dvur oder Ikonen aus dem weißrussischen Minsk: „Das Warenangebot auf dem Dalheimer Klostermarkt ist ebenso vielfältig wie die vertretenen Ordensgemeinschaften“, so Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky. Während die eigene Produktion schon im Mittelalter den Klöstern zur Unabhängigkeit verhelfen sollte, sichert sie vielen Klöstern heute die wirtschaftliche Existenz.

Auch „Novizen“ dabei

Vor 18 Jahren - lange vor der Eröffnung des Museums in seiner bestehenden Form im Jahr 2010 - als kleine Veranstaltung mit nur wenigen Verkaufsständen angefangen, erstreckt sich der Dalheimer Klostermarkt heute mit über 300 Metern Standfläche über das weitläufige Klostergelände. Auch die Marktgemeinschaft ist beständig gewachsen, und 2019 freut sich die Stiftung Kloster Dalheim über weitere „Novizen“ beim Dalheimer Klostermarkt. Neu vertreten sind in diesem Jahr die Brüder aus dem Dortmunder Franziskanerkloster. Der Ausrichtung des Ordens gemäß sind sie hauptsächlich in der Pfarrseelsorge, der Obdachlosen- und Hospizarbeit sowie in der Mission tätig. Auf dem Markt bieten sie Fairhandelsprodukte aus der Franziskaner-Mission und hausgemachte Erbsensuppe aus der Küche von Bruder Philipp an.

Wieder vertreten sind das Kloster Plankstetten mit ökologischen Produkten aus eigener Landwirtschaft, Gärtnerei, Metzgerei und Bäckerei und die Erzabtei St. Martin zu Beuron mit einem Angebot an Cremes, Likören und Seifen.

Schwestern aus Minsk

Die Ordensleute kommen zum Teil aus weitentfernten Klöstern wie dem Augustiner-Chorherrenstift St. Florian bei Linz in Österreich, der tschechischen Zisterzienserabtei Nový Dvur oder dem Kloster der Heiligen Elisabeth im weißrussischen Minsk, dessen Schwestern jedes Jahr mit 1.500 Kilometern die weiteste Anreise haben. „Der Klostermarkt macht das Leben der Ordensgemeinschaften, das häufig verborgen hinter Klostermauern stattfindet, sichtbar und erlebbar“, sagt Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.

Designstücke zum Bauhaus-Jubiläum

Unter den Waren aus klösterlichen Küchen, Brauereien, Weinkellern, Werkstätten und Ateliers gibt es immer wieder echte Geheimtipps: das Holzspielzeug der Barmherzigen Brüder von Algasing, das Zucchini-Relish der Missionsschwestern aus Neuenbeken, Schaffelle und Wolldecken der Benediktiner aus Königsmünster, die handgestrickten Socken der Paderborner Vincentinerinnen, Liköre aus dem österreichischen Trappistenkloster Engelszell, Bonbons der Windberger Prämonstratenser oder die Kräuter-, Dinkel- und Zirbenholzkissen der Paderborner Jakobusschwestern. Beliebt sind die Keramikarbeiten der Benediktinerinnen vom Hl. Kreuz (Herstelle) oder der Benediktiner aus der Abtei Maria Laach. Anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Bauhaus bringen die kreativen Brüder echte Designerstücke aus ihrer Keramikmanufaktur mit nach Dalheim.

Gutes aus den Klostergärten

Viele Besucherinnen erfreuen sich insbesondere an Produkten aus den Klostergärten: Dinkelprodukte, Weingelee, Klosterlikör und -wein in der Tradition der Klosterheilkunde nach Hildegard von Bingen bringen die Schwestern von St. Hildegard aus Rüdesheim und die Vertreter des österreichischen Zisterzienserstifts Schlierbach mit nach Dalheim.

Die Jakobusschwestern aus Paderborn bieten Kräuterkissen an. Artischockenwein, Cremes und Tees gibt es bei den Brüdern der Erzabtei St. Martin zu Beuron, und die Maristen aus Furth haben ihr berühmtes Kräuterdestillat „Arquebuse“ mit im Gepäck. Auch die Kräutervorträge von Pater Gerhard von der Christ-Katholischen Communität St. Andreas sind echte Fundgruben für Gartenfreunde und Hobby-Heilkundler. Aus Gerhards Garten im Brunnenhof im oberschwäbischen Ebenweiler stammen Hausmittel wie der Insektenschutz „Mücke ade“ oder die „Bier-Shampoo-Seife“.

Begegnungen zwischen Himmel und Erde

Auch in diesem Jahr bereichern die Ordensleute das Marktprogramm mit ihren Beiträgen: Neben den Kräutervorträgen lädt Pater Gerhard an beiden Tagen zu geistlichen Impulsen in die Klosterkirche ein (jeweils um 12 Uhr). Kaffee und Espresso gibt es beim CityKloster Bielefeld - gepaart mit einem Gesprächsangebot. Die Skulpturen von Bruder Stephan Oppermann aus der Abtei Maria Laach sind ein Blickfang auf dem Klostergelände. Pfarrerin Daniela Fricke, Kirchenrätin der Evangelischen Kirche von Westfalen und Bruder Chi Thien Vu OFM aus dem Franziskanerkloster in Rheda-Wiedenbrück gestalten den gemeinsamen Gottesdienst am Samstag um 17 Uhr in der Klosterkirche.

Der Bläserkreis der Universität Paderborn begleitet die Feier musikalisch, und Bruder Stephan Oppermann (Benediktinerabtei Maria Laach) sorgt mit Blumen und einer großformatigen Altarwand aus Holz für eine spektakuläre Dekoration der Kirche

Rahmenprogramm

Zum Rahmenprogramm des Klostermarkts gehören Vorführungen historischer Handwerkstechniken wie z.B. Weben am historischen Schaftwebstuhl oder zusätzlich das Grünholzdrechseln. Klostermühle, -brauerei, -brennerei und -schmiede sind ebenfalls in Betrieb, am Sonntag außerdem die Stellmacherei.

Bei verschiedenen Mitmachaktionen haben Kinder die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen: Kleine Schiffchen aus Holz, Buntstifthüllen aus Filz (Materialkosten jeweils 1 Euro pro Kind), ein Minikloster oder der Dalheimer Himmelsgarten laden zum Werkeln, Malen und Ausprobieren ein.

Im Streichelzoo schließen die jungen Besucher tierische Bekanntschaften, und der Klosterspielplatz lockt mit Seilbahn, Wippe und Holzkegelbahn. Auch Erwachsene und Jugendliche sind eingeladen mitzumachen: In der Indigo-Färbewerkstatt der Weberei entstehen leuchtend blau gemusterte Leinentücher und Turnbeutel (Materialkosten: je 7 Euro pro Tuch und Beutel).I

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