Elternfrage

Darf man Sternsinger an der Tür einfach so fotografieren?

Die Sternsinger kommen! Rund um den Jahreswechsel sind überall in Deutschland 500.000 Kinder in den Gewändern der Heiligen Drei Könige unterwegs, bringen ihren traditionellen Segen und sammeln für Not leidende Gleichaltrige in aller Welt. Aber auch hier sollte das Recht am eigenen Bild gewahrt bleiben.

Die Sternsinger kommen! Rund um den Jahreswechsel sind überall in Deutschland 500.000 Kinder in den Gewändern der Heiligen Drei Könige unterwegs, bringen ihren traditionellen Segen und sammeln für Not leidende Gleichaltrige in aller Welt. Aber auch hier sollte das Recht am eigenen Bild gewahrt bleiben.

Foto: Benne Ochs/Kindermissionswerk

Altkreis.   Ob bei der Sternsinger-Aktion, an Halloween oder beim Kinderkarneval - darf man Kinder einfach so fotografien oder filmen? Ein Vater ist besorgt.

Darf man die Sternsinger an der Haustür einfach so fotografieren oder filmen? Diese Frage hat sich offenbar bislang noch niemand gestellt. Früher musste man sich darüber auch keine Gedanken machen. Hier und da gab es ein Erinnerungsfoto vom Besuch der drei Weisen. Jeweils einen Fotoabzug bekamen die Kinder; einer war fürs Familienalbum. Aber heute? Wer kann den Weg von Bildern oder Videos noch nachverfolgen, die mit Smartphones gemacht und möglicherweise über soziale Netzwerke verbreitet werden?

Besorgter Vater regt die Frage an

Die konkrete Frage nach dem Recht am eigenen Bild von Sternsingern kam durch einen besorgten Familienvater in die Redaktion. Sein Kind hatte im Altkreis Brilon bei der Aktion mitgemacht und abends zu Hause erzählt, dass die Kinder in den Rollen von Caspar, Melchior und Balthasar gefilmt worden seien. „Ich vermute dahinter ja gar nichts Schlimmes und möchte auf gar keinen Fall jemandem etwas unterstellen. Aber irgendwie hat mir der Gedanke nicht gefallen, dass ein Fremder mein Kind gefilmt hat und ich nicht weiß, was mit dem Material passiert“, sagt er.

Das Kindermissionswerk ist auf Bundesebene der Haupt-Träger der Sternsingeraktion. „Von so einem Fall höre ich zum ersten Mal“, sagt dessen Sprecher Thomas Römer aus Aachen. Aber auch er hat durchaus Verständnis für die Sorge. „Wir nehmen den Hinweis gerne auf und werden uns in unserer Reflexionsrunde damit befassen.“ Vielleicht ergebe sich für die Sternsinger-Materialien in 2018 die Möglichkeit, einen entsprechenden Hinweis zu platzieren. Laut Römer gibt es Info-Unterlagen zum Downloaden, darunter auch Formblätter, auf denen Eltern ihr Einverständnis erklären, dass die Kinder z.B. für Gruppenbilder im Pfarrbrief oder die Tageszeitung fotografiert werden dürfen. Einzelne Aufnahmen an der Haustür hält Römer aber auch für zweifelhaft. Zumindest müsse man fragen.

Verbände stellen Materialien bereit

Pastor Markus Wippermann ist BDKJ-Diözesanseelsorger. Der Bund Deutscher Katholischer Jugend führt die Sternsinger-Aktion im Bistum Paderborn durch und hält die Kontakte zu den BDKJ-Ortsverbänden sowie zu den Gemeinden und Pastoralverbünden. „Kinderschutz wird bei uns schon seit geraumer Zeit groß geschrieben. Das gilt für Ferienlager, für die unsere Gruppenleiter ständig geschult werden, aber auch für die Sternsingeraktion. Gerade was die Bild- und Persönlichkeitsrechte anbelangt, befinden wir uns gerade in einem Prozess, in dem aktuelle Vorschriften umgesetzt und Hilfestellungen gegeben werden.“ Die Gemeinden, so Pastor Wippermann, bekämen u.a. ein Sternsinger-ABC an die Hand, wo es zum Beispiel auch um das Einverständnis für Gruppenfotos gehe. Er kann die Sorgen des Familienvaters nachvollziehen, meint aber auch: „An dieser Stelle ist jeder einzelne gefordert sich die Frage zu stellen, wie er mit den Persönlichkeitsrechten anderer umgeht.“

Heute ist übrigens Abschluss der Sternsingeraktion in Paderborn – ein Dankeschön an die Kinder. Rund 700 Teilnehmer werden erst zu Kino- und dann zum Gottesdienstbesuch erwartet.

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