Tierschutz

Darum überprüft das Veterinäramt Hof im Großraum Winterberg

In einem ungepflegten Zustand befindet sich eine Reihe von Tieren eines Landwirtes aus dem  Großraum Winterberg.

In einem ungepflegten Zustand befindet sich eine Reihe von Tieren eines Landwirtes aus dem Großraum Winterberg.

Foto: Rita Maurer

Winterberg.   Nach Beschwerden im Großraum Winterberg überprüft das HSK-Veterinäramt einen Bauernhof. Das Urteil: Die Kühe sind in einem „mäßigem Zustand.“

Der Anblick dieser Rinder hat eine Überprüfung ausgelöst: Abgemagert, das Fell am Hals und den Keulen abgescheuert, schwarze Fliegenstiche. Kotverklebtes Fell an Beinen, Bauch bis teilweise zum Rücken, das auf monatelanges Stehen im hohen Mist hinweist. Die betroffenen Tiere gehören zu einem Hof im Großraum Winterberg.

Es handelt sich um einen mittelgroßen Betrieb mit Mutterkühen, Kälbern, Färsen und Bullen. Die Tiere haben den Winter über im Stall gestanden und sind jetzt auf verschiedenen Weiden verteilt.

Kreislandwirt Josef Schreiber ist entsetzt

In der vergangenen Woche wurde das in solchen Fällen zuständige Veterinäramt des Hochsauerlandkreises von Passanten eingeschaltet, denen das ungepflegte und heruntergekommene Aussehen der Tiere aufgefallen war. Augenzeugen berichten, dass ein Teil der Tiere schon seit mindestens zwei bis drei Jahren in einem schlechten Zustand sei. Auch die Weiden böten zeitweise nicht genug Futter und Wasser.

Kreislandwirt Josef Schreiber aus Medebach wurde ebenfalls informiert und ist entsetzt: „Wir versuchen, beim Verbraucher Vertrauen aufzubauen, dann machen solche Einzelfälle die Arbeit der verantwortungsvollen Landwirte kaputt.“

Erste Hinweise gab es bereits im Jahr 2016

Auf Nachfrage der WP bestätigte HSK-Pressesprecher Martin Reuther, dass das Veterinäramt in den letzten Tagen mehrere Kontrollbesuche auf dem Hof und den Weiden abgestattet habe mit dem Ergebnis: „Sehr mäßiger Ernährungs- und Pflegezustand“.

Bußgeldverfahren gegen Landwirt wurde eingeleitet

Es habe Mitte Mai eine schriftliche Beschwerde gegeben, der am nächsten Tag nachgegangen worden sei. Die erste Meldung zu Tieren dieses Eigentümers sei dem Veterinäramt im Jahr 2016 bekannt geworden. Bei den darauf jeweils folgenden Kontrollen und dem letzten Besuch im Herbst 2018 sei alles in Ordnung gewesen und entsprechend dokumentiert worden.

Beim jetzigen Besuch stellte eine Amtstierärztin Defizite fest, so Reuther. Als Auflage müsse der Eigentümer nun einen Tierarzt einschalten, ausreichend Nahrung sicherstellen und die „Haltung optimieren“ – also für artgerechte Bedingungen im Stall und auf den Weiden sorgen. Die Tiere würden nun engmaschig kontrolliert, die Erfüllung der Auflagen müsse vom Eigentümer regelmäßig nachgewiesen werden. Außerdem sei ein Bußgeldverfahren eingeleitet worden, erklärte er.

Bedingungen für Tierhaltungsverbot nicht gegeben

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für ein Tierhaltungsverbot, das bei vergleichbaren Vorkommnissen von der Öffentlichkeit schnell gefordert würde, seien in dem vorliegenden Fall jedoch nicht gegeben. Ein solches Verbot müsse immer auch berücksichtigen, dass damit den betroffenen Tierhaltern die Existenzgrundlage entzogen werden könne.

Eigentümer äußert sich nicht gegenüber der WP

In den letzten Jahren zeigten aber deutlich mehr Menschen Zivilcourage und meldeten Beobachtungen von krank wirkenden Tieren, so HSK-Sprecher Martin Reuther. Mitarbeiter vom Veterinäramt würden jedem Hinweis – auch anonym – nachgehen: „Es gibt leider viele verantwortungslose Menschen. Ich habe für so etwas kein Verständnis.“

Der Eigentümer der Tiere selbst wollte sich gegenüber der Westfalenpost nicht äußern.

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