Breitbandversorgung

Darum warten einige Olsberger noch länger aufs schnelle Netz

Ein Techniker installiert ein neues Glasfaserkabel. Deutschland lahmt bei der Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit anderen Ländern.

Ein Techniker installiert ein neues Glasfaserkabel. Deutschland lahmt bei der Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit anderen Ländern.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Olsberg.  Zwar sind 85 Prozent von Olsberg ans schnelle Netz angeschlossen, aber: Das Nachsehen hat, wer keinen Kabelanschluss hat und abgelegen wohnt.

Für Wulmeringhausen ist es die bittere Pille, für Elleringhausen tut sich schon eine neue Möglichkeit auf: Die Firma innogy/TelNet hat beiden Orten nun eine Absage in Sachen Breitband erteilt. Und dies nach einer ersten mündlichen Zusage im Frühjahr. Jetzt ist klar: Sie baut nicht weiter aus. Nach Antfeld (Ausbau gemeinsam mit Westnetz), Teilen von Bigge und Olsberg ist Schluss. Dies musste Thomas Rösen, stellvertretender Bauamtsleiter, am Donnerstag dem zuständigen Ausschuss mitteilen. Allerdings tut sich für Elleringhausen eine schnelle Alternative auf: Die Telekom hat im Ort die Glasfaser angeschlossen, ein neuer Verteilerkasten, ein MFG, ist bereits aufgestellt worden.

Dem Ort kommt zu Gute: Es gab schon ein Glasfaserkabel, das in Richtung Bruchhausen geht, die Bundesnetzagentur hat der Telekom nun den Zuschlag erteilt, nachdem diese die Wirtschaftlichkeit geprüft und diesen neu beantragt hatte. Ob eine Leitung wirtschaftlich ist, so viel wurde in der Sitzung klar, hängt auch davon ab, welcher Anbieter inzwischen noch mit auf den Ort schaut und welche Leitung er nutzen will.

Unübersichtlicher Anbietermarkt

So habe sich zum Glück sofort eine neue Möglichkeit für Elleringhausen geboten, so Thomas Rösen im Ausschuss. „Es ist für die Kommune sehr schwierig, den Markt überhaupt zu beobachten, wir können nur noch dort begleiten, wo wir zufällig von den Anbietern Informationen bekommen.“ Es gebe inzwischen auf dem Markt des schnellen Internets eine Vielzahl von Anbietern, die sich auch untereinander meist nicht absprechen: „So ist ein heilloses Durcheinander entstanden.“

Noch versuche er den Überblick zu behalten und sei zum Beispiel in der Lage, woanders anzufragen, wenn sich der andere Anbieter zurückzieht. Diese Steuerung hat aber aufgrund der Größe des Marktes und der Vielzahl der Anbieter ihre Grenzen. „Leider“, so Thomas Rösen. Insgesamt sei ihm der Breitbandkoordinator des HSK, Ludger Laufer, eine große Hilfe.

Dieses Durcheinander betrifft auch die Förderung durch Land und Bund. Greift das eine Programm in Orten nicht, die vermeintlich schon eine gute Versorgung über das Kabelnetz (Anbieter derzeit: Unitymedia) haben, so setzt das nächste auf einmal wieder andere Maßstäbe. Momentan ist Wulmeringhausen einer der Orte, die auf diese Weise hinten rüber fallen: Der Ortskern ist zu einem Großteil mit Kabelanschlüssen versorgt, aber ein ganzes Neubaugebiet eben nicht. Auch in Helmeringhausen liegt zu 90 Prozent das leistungsfähige alte Fernsehkabel. Die Stadt wird trotzdem auch zukünftig nach Fördermöglichkeiten für Wulmeringhausen und Helmeringhausen suchen - Rösen sieht reelle Chancen für das Neubaugebiet „An der Linde“.

Verschiedene Kabel im Boden

Nur geht es auch um Wettbewerb. Wer kein Kabel hat oder lieber beim Telefon-Anbieter bleiben will, der hat das Nachsehen. „Wir dachten, die Zusagen von Innogy/TelNet seien verbindlich, die Bürger warten sehnlichst auf eine zeitgemäße Breitbandversorgung“, brachte es der Ausschussvorsitzende Jean-Philippe Franke auf den Punkt. Wer in Elleringhausen, seinem Heimatort, keinen Kabelanschluss habe, bekomme bis dato im Schnitt nur 2 M/Bit/s über die Telefonleitung.

Zum Vergleich: Bis zu 100 M/Bits sind über die Glasfaser-Kupferkabel-Technik möglich. Um vernünftig zum Beispiel ein digitales Fotoalbum oder einen Film up- und downzuloaden sind 2 M/Bit/s eine Herausforderung. Für einen 1,7 Gigabyte großen Film, so schreibt die Telekom im Netz, brauche man bei 16 M/Bit/s Downstream insgesamt 20 Minuten. „Wulmeringhauser aus dem Neubaugebiet müssen ins Dorf fahren, wenn sie größere Daten verschicken wollen“, unterstrich … Metten, „an dem Thema sollte die Stadt dranbleiben! Und von 5 G wollen wir gar nicht sprechen, darauf müssen wir sicher lange noch warten!

Positiv sei allerdings, unterstrich Rösen, dass in Olsberg schon 85 Prozent der Haushalte schnelles Internet von bis zu 100 M/Bit/s und mehr zur Verfügung stehe.

Neue Datenleitung

Und noch eine wichtige positive Nachricht: Durch Olsberg insgesamt in Richtung Elleringhausen führt nämlich künftig eine echte Datenautobahn. Die Firma GasLine, ein Konsortium deutscher Gasversorgungsunternehmen, werde in Kürze eine Glasfaser-Fernleitung weiter von Bestwig über Olsberg und Elleringhausen nach Brilon und Marsberg-Westheim bauen. "Jetzt wurde die Trasse vorgestellt und Vertreter von Gasline wollen schon übernächste Woche anfangen zu bauen“, so Rösen. Das Unternehmen werde mit mehreren Bohrfahrzeugen Spülbohrungen vornehmen: „So können die Leitungen bis zu acht Meter tief sogar unter Kanälen/Bäumen verlegt werden.“ Dieses Leitung wird auch Unitymedia nutzen, so dass auch deren Angebot dadurch künftig stabiler und leistungsfähiger werde

Der Bürger wird also sehen, dass es weitergeht. „Es ist gut für Stadt Olsberg, dass wir leistungsfähige Datenautobahn bekommen“, betonte Thomas Rösen. Alles wohlgemerkt immer nur bis zu den Verteilerkästen, den so genannten Multifunktionsgehäusen (MFGs). Zu den Häusern führt weiter das gute alte Kupferkabel. bzw. bei Unitymedia das Koaxialkabel. Allerdings: „In den Verteilerkästen soll demnächst von der Vectoring-Technik, die immerhin 100 Mbit/s im Download bietet, auf „Super-Vectoring-Technik aufgerüstet werden“, so Rösen. Dann wären, je nach Entfernung zu den Verteilerkästen bis zu 250 Mbit/s bei entsprechenden Tarifen möglich.

Und wann geht’s endlich bis zu den privaten Häusern mit der Glasfaser weiter? Damit sei nach Vorankündigung einiger Telekommunikationsunternehmen möglicherweise bereits vor 2025 zu rechnen, so Rösen. Für die Unternehmen kann dies schon schneller kommen. Genauso, wie Haushalte auf Hybrid zurückgreifen können. Alles ist eine Frage des Tarifs, des Preises, der Wirtschaftlichkeit.

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