Nachgehakt

Das sagen die Abgeordneten aus dem Sauerland zur Organspende

Eine Gruppe von Abgeordneten um Gesundheitsminister Spahn und den SPD-Politiker Lauterbach will in Berlin einen Gesetzentwurf für eine Widerspruchslösung vorstellen. Was sagen die Abgeordneten aus dem HSK dazu?

Eine Gruppe von Abgeordneten um Gesundheitsminister Spahn und den SPD-Politiker Lauterbach will in Berlin einen Gesetzentwurf für eine Widerspruchslösung vorstellen. Was sagen die Abgeordneten aus dem HSK dazu?

Foto: dpa

Hochsauerlandkreis/Berlin.   Wird bald jeder Bürger Organspender, der nicht explizit widerspricht? Darüber entscheidet der Bundestag. Wie sagen die Angeordneten aus dem HSK?

Ein neues Gesetz soll ändern, dass es in Deutschland zu wenig Organspenden gibt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schlägt vor: Wer zuvor nicht ausdrücklich widersprochen hat, soll nach dem Hirntod automatisch als Spender gelten. Der Entwurf ist umstritten. Der Bundestag könnte noch in diesem Jahr darüber entscheiden. Wie ist die Haltung der drei Bundestagsabgeordneten aus dem Hochsauerlandkreis in dieser Frage. Die WP hat Patrick Sensburg (CDU), Dirk Wiese (SPD) und Carlo Cronenberg (FDP) gefragt: Sind Sie für die „doppelte Widerspruchslösung“, die der Gesundheitsminister favorisiert?

Man kann nicht einfach eine Zustimmung unterstellen

Patrick Sensburg (CDU): „Nein, ich halte den Vorschlag nicht für richtig. Als Motorradfahrer und Inhaber eines Organspende-Ausweises weiß ich, wie wichtig Organspenden sind.

In Deutschland ist die Spenderzahl viel zu gering und wir müssen das System deutlich verbessern. Um das zu ändern, kann man aber nicht einfach von einer grundsätzlichen Zustimmung aller Bürgerinnen und Bürger unseres Landes ausgehen, sofern der Einzelne nichts anderes festgelegt hat. Selbst beim Besuch einer Webseite müssen wir heute einer Datenschutzerklärung zustimmen, bevor Daten von uns erhoben werden. Da kann man bei einem derart grundlegenden Eingriff, wie einer Organ-Entnahme, nicht einfach eine Zustimmung unterstellen. Viel sinnvoller scheint mir, dass wir viel mehr über Organspenden informieren und aufklären, schon in den Schulen, beim Führerschein oder in Vereinen und Verbänden.“

Tendenz geht eher zur Widerspruchslösung

Dirk Wiese (SPD): Die aktuelle Debatte ist richtig und notwendig. Ich selbst habe seit meiner Jugend einen Organspende-Ausweis.

Jede und jeder kann einmal selbst in die Situation kommen, dass man auf eine Organspende angewiesen ist. Und da finde ich es richtig, sich auch selbst dafür bereit zu erklären. Der Organspende-Skandal vor einiger Zeit, hat aber sicherlich bei vielen Bürgerinnen und Bürgern zu einer Verunsicherung geführt. Der Vorschlag von Jens Spahn und Karl Lauterbach ist für mich ein zu diskutierender Ansatz. Er bewirkt, dass man sich aktiv im Leben damit auseinandersetzen muss. Er verpflichtet aber niemanden, da man widersprechen kann. Die Alternative, die verpflichtende Abfrage bei der Ausstellung eines Personalausweises ist ebenfalls bedenkenswert. Meine Tendenz geht aktuell aber eher zur Widerspruchslösung.

Widerspruchslösung ignoriert Selbstbestimmungsrecht

Carlo Cronenberg (FDP): Die Widerspruchslösung missachtet das Selbstbestimmungsrecht der Bürgerinnen und Bürger.

Sie verkehrt die freie Entscheidung, Organe zu spenden, ins Gegenteil. Das lehne ich ab. Vielmehr muss man sich doch fragen, warum bei so vielen Inhabern eines Organspendeausweises (über 10 Millionen Menschen in Deutschland) so wenige Organe gespendet werden. Es mangelt vor allem an einem geeigneten Organisationsablauf in den Kliniken. Als Lösung ist ein verbessertes Meldeverfahren, eine Freistellung der Transplantationsbeauftragten vom regulären Klinikdienst und eine kostendeckende Bezahlung dringend erforderlich. Nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann allen Beteiligten vermittelt werden, was die Organspende bedeutet: das Leben eines anderen Menschen zu retten.

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