Bahnfahren

Der Hogwarts Express lässt in Winterberg grüßen

Bei der „Glühweinfahrt“ macht der Nostalgie-Zug in Winterberg Halt.       

Foto: Nicole Reuter

Bei der „Glühweinfahrt“ macht der Nostalgie-Zug in Winterberg Halt.       Foto: Nicole Reuter

Winterberg.   Die Abfahrtzeiten waren früh; eine andere Lok musste fahren - trotzdem hatten die Gäste Spaß bei der nostalgischen Glühweinfahrt nach Winterberg.

Mit dunklen Rauchschwaden und lauten Geräuschen kündigt sich die Zeitreise am Winterberger Bahnhof an: Der nostalgische Zug mit Waggons aus den 60er Jahren erreicht sein Ziel am Samstagmittag. Am Bahnsteig warten viele Eisenbahnfans, Winterberger und Gäste, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Gestartet ist die Dampflok 50 3501 im nordhessischen Treysa. Dort setzt sich der Verein der Eisenbahnfreunde für den Erhalt der historischen Schienenfahrzeuge ein. Unter dem Motto „Glühweinfahrt“ ging die Reise über Marburg, Willingen und Brilon-Wald in Richtung Winterberg.

In historischen Abteilen

Der Lokführer sieht beim Einfahren in den Bahnhof aus dem Führerhaus nach vorne. Auch Köpfe und Arme einiger Fahrgäste ragen aus den Fenstern als der Zug ankommt. Diese lassen sich in den historischen Abteilen noch öffnen. Mit den heutigen Zügen nicht mehr zu vergleichen. „Die Fenster sind gerade groß genug, um rauszusehen“, sagt ein Fahrgast aus Bad Nauheim. Dennoch – oder gerade deswegen – ist die Atmosphäre im Zug bei den Fahrgästen sehr beliebt. Wie Hermann Lehr aus Hanau und Hans Reif aus Gießen sei auch er seit 1977 begeistert von den historischen Zügen. Gemeinsam sind sie ab Marburg mit nach Winterberg gefahren.

Groß und Klein begeistert

„Wir sind um halb 3 aufgestanden“, so Hermann Lehr. Der Fahrplan wurde den rund 500 angemeldeten Fahrgästen erst kurzfristig bekanntgegeben. Um 4.30 Uhr startete die Fahrt in der Dunkelheit in Treysa. Doch das hielt viele Eisenbahnfans nicht davon ab, frühmorgens am Bahnhof zu stehen. „Die Fahrt war sehr schön. Wir waren auf diese Weise auch schon mal an der Mosel“, erzählt ein Fahrgast aus Allendorf an der Eder. Aber man müsse viel Geduld haben: „Es verzögert sich einfach alles. Heute ist das natürlich kaum vorzustellen, aber früher war es ja immer so.“ Auch seine Begleitung hat die Fahrt genossen: „Es war besonders schön, hier in der Sonne anzukommen. Schade, dass kaum Schnee liegt.“

Nicht nur Mitreisende sind begeistert. Viele Kinder schauen in den Innenraum der Lok. „Das riecht nach Silvester-Knallern“, sagt ein Junge. Einige Menschen gehen am Gleis entlang der Abteile und schauen sich die historischen Wagen an. Im Vorbeigehen fallen die Worte „Harry Potter“ in einer Familie. Ja, das Ganze erinnert an den Hogwarts Express, mit dem die Zauberer in Joanne K. Rowlings Werk zur Schule fahren. „Ich habe das schon öfter gesehen, in ganz Deutschland. Zuletzt in der Nähe von Aschaffenburg“, erzählt ein Schmallenberger. Es sei vor allem faszinierend, wie viel Kraft in diesen Maschinen stecke. „Es ist nicht so gut für die Umwelt aber das gibt es ja auch nur noch ab und an.“

Traditionslok im Einsatz

Ursprünglich sollte eine andere Lok zum Einsatz kommen. Es habe Probleme gegeben, doch ausfallen sollte die Fahrt nicht. Also sprang der Meininger Dampflokverein ein und stellte die Traditionslok 50 3501 aus dem Jahr 1940 zur Verfügung. Auf der Sonderfahrt ins Sauerland wurde einer Mitarbeiterin des Meininger Ausbesserungswerks gedacht, die in der vergangenen Woche verstorben war, erklärt Hans Reif im Anschluss an die Fahrt. Ihr Foto war auf der Werklok befestigt.

In den Abteilen sei alles etwas schmaler als heute, beschreibt ein Fahrgast. Der Blick in einen Waggon zeigt: Es ist einfach gehalten. Blaue Sitzbezüge fallen auf. „Der erste Waggon, der Schürzenwagen, ist aus den 30er oder 40er Jahren. Die anderen aus den 60ern“, erzählt Hans Reif. „Interessant ist auch der Speisewagen. Der gehörte jahrelang der Britischen Rheinarmee.“ Durchweg nostalgisch eben, diese Fahrt mit Dampflok und historischen Waggons.

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