Bob- und Skeleton-WM

Der Prinz und der Eismeister

Prinz Albert mit Peter Soccal (rechts) bei der Bob-WM 1995 in Winterberg.

Prinz Albert mit Peter Soccal (rechts) bei der Bob-WM 1995 in Winterberg.

Foto: WP

Winterberg.   Der frühere Eismeister der Bobbahn Winterberg, Peter Soccal, bekommt regelmäßig Weihnachts- und Neujahrsgrüße aus dem Fürstenhaus in Monaco.

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Nicht viele in der Region kennen den Fürsten von Monaco so gut wie Peter Soccal. Immerhin bekommt der 75-Jährige regelmäßig Post aus dem Palast in Monte Carlo. Der vorletzte Brief ist datiert vom 10. Dezember 2014. Hier wird dem Winterberger „mit großer Freude“ die Geburt der Zwillinge mitgeteilt. Wenig später erreicht ihn der alljährliche Weihnachts- und Neujahrsgruß, unterzeichnet von Albert und Charlene. „May christmas shine brightly in your home und in your heart, and 2015 be full of joy“, ist dort in drei Sprachen zu lesen.

„Ich freue mich immer wieder, wenn ich diese Briefe bekomme. Auch wenn ich den Fürsten schon lange nicht mehr gesehen habe. Leider“, so der 75-Jährige, der ein Urgestein der Winterberger Bobbahn ist. Und dort beginnt auch die Geschichte über den Prinz und den Eismeister.

Gefragter Bahnprofilierer

Soccal, früher selbst einmal Bobpilot, bekommt 1986 einen Vertrag bei der Stadt Winterberg. Von Oktober bis April arbeitet er an der Kunsteisbahn, in den restlichen Monaten im Bauhof. Seine Fähigkeiten als Bahnprofilierer sprechen sich rasch herum. „Damals war die Betonröhre noch nicht so gut gebaut wie heute. Da mussten wir im Winter viel nachpräparieren, um bei den Ein- und Ausfahrten der Kurven ein gutes Profil hinzubekommen“, berichtet er. Mit Erfahrung, Fingerspitzengefühl und großer Sorgfalt gelingt es Soccal und seinem Team immer wieder, für optimale Bahnverhältnisse während der Wettbewerbe zu sorgen.

1988 wird er mit zwei weiteren internationalen Eisexperten zu den Olympischen Spielen nach Calgary gerufen. „Unsere Aufgabe bestand darin, die Bobbahn auf Vordermann zu bringen und die Crew vor Ort einzuarbeiten. Die waren dort völlig überfordert.“ Am olympischen Eiskanal begegnet er Prinz Albert, damals noch Bobfahrer, zum ersten Mal. „Ich habe ihn mehrfach fahren sehen. Er hatte große Probleme mit einer bestimmten Kurve. Die hat er sich immer wieder angeschaut.“ Irgendwann nimmt Soccal allen Mut zusammen. „Wie darf ich Sie anreden?“, fragt er den Fürstensohn. „Ich bin der Albert“, kommt es auf Deutsch freundlich zurück. „Und ich bin der Peter“. Das Eis ist gebrochen. Der Winterberger erläutert dem Monegassen die Besonderheiten der Kurven, wie man sie am besten ansteuert, um schnell und sicher durchzukommen. Fast täglich treffen sie sich am Eislabyrinth. Soccal beobachtet weiter die Trainingsfahrten des Fürsten, gibt ihm immer wieder Tipps.

Hilfe in Sachen Fahrtechnik

Einige Jahre später treffen sie sich an der Natureisbahn in St. Moritz wieder. Auch hier ist Soccal dem Prinzen in Sachen Fahrtechnik behilflich. „Dann haben wir uns für die Bob-WM 1995 in meiner Heimatstadt verabredet. Albert wollte unbedingt dabei sein“, berichtet der 75-Jährige.

Der Prinz hält Wort und sorgt für großes Aufsehen während der WM im Sauerland. „Wir haben uns in Winterberg herzlich begrüßt und sofort zu einem Bier getroffen. Ich habe ihn mehrmals in seinem Hotel abgeholt, musste aber immer auf ihn warten. Die Staatsgeschäfte gingen doch vor“, meint Soccal schmunzelnd. Zwei Bier habe Albert mitgetrunken, dann sei aber auch Schluss gewesen.

Und auch in Winterberg bekommt Albert einige Hilfestellungen. „Die Kurve 9 war sein Problem. Hier ist er auch einige Male gestürzt. Es wurde hinterher etwas besser. Aber die Kurve hat er nie richtig in den Griff bekommen“, erinnert sich Soccal, verweist aber darauf, dass alle anderen Piloten damals über weitaus mehr Praxis verfügten als der Fürstensprössling.

Nie private Fragen gestellt

Und worüber spricht man mit einem Prinzen? „Das waren überwiegend Sachen aus dem Bobsport und Alltägliches. Private Fragen habe ich ihm nie gestellt“, so der Winterberger. Vielleicht hat Albert genau dies an dem Sauerländer so geschätzt. Man bleibe in Verbindung, verabschiedet sich der Fürstensohn, überreicht Soccal seine Adresse und lädt ihn zu einem Anschubwettbewerb nach Monaco ein. „Ich sollte das damals über seinen Trainer klar machen. Doch der hat sich leider nie bei mir gemeldet.“

Der 75-Jährige lädt Prinz Albert kurz vor der Bob-EM 1999 nach Winterberg ein. Doch Albert ist verhindert. „So habe ich ihn 1995 das letzte Mal gesehen. Aber seitdem bekomme ich jedes Jahr mindestens eine Karte.“

Bleibt noch die Frage: Hat Albert auch eine Einladung zur Bob-WM 2015 bekommen? Soccal: „Ich habe ihm nicht geschrieben. Ich denke, dass er als Fürst, Ehemann und Familienvater jetzt auch keine Zeit mehr dafür hat. Das sollte man respektieren.“

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