Abriss

Der Schandfleck von Referinghausen verschwindet

In der KW 7 sollen die Bagger anrücken: Das inzwischen heruntergekommene Haus in Referinghausen wird abgerissen. Foto:Thomas Winterberg

In der KW 7 sollen die Bagger anrücken: Das inzwischen heruntergekommene Haus in Referinghausen wird abgerissen. Foto:Thomas Winterberg

Referinghausen.  Die ehemalige Gaststätte Herhuses wird abgerissen. Eigentumsverhältnisse waren überaus kompliziert. Stadt Medebach muss in Vorleistung treten.

Wenn Medebachs Bürgermeister Thomas Grosche eines Tages ein Buch schreiben sollte, dann wird er dem „Leerstand Düdinghauser Straße 1 in Referinghausen“ ein eigenes Kapitel widmen. Seit seinem Amtsantritt vor zehn Jahren beschäftigt ihn das Thema. Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Die langjährige Gastwirtschaft „Herhuses“, die zwischenzeitlich von einer Immobiliengesellschaft als Kapitalanlage vermarktet wurde, viele Anleger in die Privatinsolvenz getrieben hat, seit 2002 unbewohnt und inzwischen völlig heruntergekommen ist, wird abgerissen. Schon nächste Woche (KW 7) soll es losgehen.

Noch in seiner letzten Sitzung des Jahres hatte der Rat einstimmig den Beschluss gefasst, 80.000 Euro für den Abriss des Gebäudes zur Verfügung zu stellen. „Für das gesamte Projekt inklusive Abriss und Neugestaltung waren Mittel aus dem Topf für Dorferneuerung beantragt. Wir haben zwar einige Fördermittel bekommen, aber nicht für Referinghausen. Das Projekt wird aber auch an höherer Stelle für sinnvoll erachtet, so dass die Stadt erstmal die 80.000 Euro aus Haushaltsmitteln bereitstellt, damit es losgehen kann“, sagt Grosche in der Hoffnung auf 65-prozentige Förderung. Der Abriss und damit der Beginn des gesamten Projektes würden als vorbereitende Maßnahme eingestuft und seien daher nicht förderschädlich. Ein neuer Antrag ist gestellt.

Komplizierte Eigentumsverhältnisse

Das größte Problem, so Grosche, stellten die Eigentumsverhältnisse dar. Das Haus bestand aus 13 Wohneinheiten, die elf unterschiedlichen Eigentümern gehörten. „Zum Teil mussten wir die Besitzer erstmal ausfindig machen, deren Gläubiger mussten auf Schulden verzichten. Es gab eine Zwangsversteigerung, weil der Eigentümer Steuerschulden bei uns hatte. Schlussendlich hat die Stadt das Gebäude für dreizehn mal einen Euro gekauft – hinzu kommen Kosten für notarielle Beglaubigungen, Löschungsanträge beim Amtsgericht und ähnliches.“

Ortsvorsteher freut sich

Der Leerstand liegt den Dorfbewohnern schon lange im Magen. Bei allen Überlegungen, wie mit dem Objekt umgegangen werden könnte, setzte das Sommerseminar der Stiftung Deutscher Architekten mit Unterstützung der Südwestfalenagentur im September 2011 wertvolle Impulse. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern und den angehenden Planern wurden greifbare Ideen und Visionen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität entwickelt. Vom „Kuh-Dorf zum Q-(Qualitäts)-Dorf“ lautete der Arbeitstitel.

„In Referinghausen hat man erkannt, dass man mit dem maroden Haus nichts mehr anfangen kann und weitere Gebäude auch weitere Kräfte binden würden. Daher findet das neue Konzept breite Zustimmung – auch im gesamten Rat, wo der örtliche Stadtvertreter Paul Mütze sich sehr dafür eingesetzt hat“, so der Bürgermeister.

Auch Ortsvorsteher Reinhard Figgen hat bei dem Projekt nicht locker gelassen und freut sich jetzt besonders, dass im Jubiläumsjahr 750 Jahre Referinghausen zumindest der Schandfleck schon einmal beseitigt wird. „Ich kann mich nur bei den politischen Gremien bedanken, dass es nun vorangeht.“

Mit dem Bücherschreiben will der Bürgermeister noch warten. Aber nach aller Energie, die er in die Übertragung des Eigentums gesetzt hat, versichert er: „Wenn der Platz mal eingeweiht wird, bin ich der Letzte, der abends geht.“

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