Jahresrückblick 2017

Die Momente, als es kriminell wurde im Altkreis Brilon

Eine Scheune brennt in Thülen.

Foto: Polizei

Eine Scheune brennt in Thülen. Foto: Polizei

Hochsauerlandkreis.   Frauen werden begrapscht, Tiere gequält, Menschen überfallen und mit Waffen verletzt: Unser Rückblick auf die kriminellen Ereignisse 2017.

Im Jahr 2017 gab es zwischen Marsberg und Hallenberg Ereignisse, an die man weniger gerne denkt. In einer Chronik, die das Jahr Revue passieren lässt, dürfen sie aber nicht fehlen.

Gewalt

Busfahrer überfallen: Ein Busfahrer wird Anfang Februar in Marsberg überfallen. Die Täter bedrohen den Mann mit einem Messer und erbeuten Geld. Der 59-jährige Busfahrer ist auf dem Weg zum Geldinstitut, um die Einnahmen aus dem Busverkehr einzuzahlen. Er wird von zwei Männern angesprochen, einer zückt plötzlich ein Messer.

Sexuelle Belästigung: In Olsberg und Bigge werden am 3. April, 25. Juni, 26. Juni, 1. Juli und 11. Juli Frauen sexuell belästigt. Ein Täter begrapscht die Opfer im Intimbereich. Die Polizei veröffentlicht ein Phantombild. Danach kommt es zu keinen weiteren Übergriffen. Schockierende Tat: Ein Mädchen sticht Anfang August in Gevelinghausen auf einen 16 Jahre alten Jungen ein. Das Opfer aus Bestwig wird in Brust und Arm getroffen. Die Täterin kommt in Untersuchungshaft und muss sich Anfang 2018 vor dem Jugendrichter verantworten.


Messerstecher: Bei einem Streit zwischen zwei Bekannten Mitte August wird ein Mann (26) aus Brilon mit einem Messerstich lebensgefährlich verletzt. Der Täter sticht in einer Wohnung in der Königstraße auf ihn ein und fügt ihm im Achselbereich eine sechs Zentimeter tiefe Wunde zu. Das Opfer flüchtet in ein Pizzarestaurant. Der Täter wird festgenommen und steht im Februar vor Gericht.

Sexueller Übergriff: Eine Frau wird Anfang Oktober im Wald am Olsberg angegriffen. Sie wandert über den Friedrich-Wilhelm-Grimme-Weg, als sich der Täter der 79-jährigen Olsbergerin von hinten nähert und sie zu Boden wirft. Er zerrt an ihrer Hose. Die Frau kann den Mann mit einem Schirm in die Flucht treiben. Die Polizei veröffentlicht ein Phantombild.

Feuerteufel: Serienbrandstifter in Thülen unterwegs: Am 26. August steckt er eine Scheune in Brand. Am 19. Oktober brennen Strohballen, am 3. November erneut eine Scheune. Diesmal verbrennen Tiere und Landwirtschaftsmaschinen. In der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember versucht der Brandstifter erneut eine Scheune anzuzünden, am 28. Dezember brennt ein Auto.

Tiere

Ziegen in Medebach: Nach dem Skandal um rund 30 qualvoll verendete Tiere vom Dezember 2016 wird im Januar 2017 das Kapitel Ziegenhaltung auf einem Hof bei Medebach beendet. Ein Viehhändler transportiert 53 Ziegen von dem verwahrlosten Gelände ab. Für vier weitere Tiere kommt die Verfügung des Hochsauerlandkreises zur Aufgabe der Herde aber zu spät. Ihre abgemagerten Kadaver werden in Tonnen gepackt und an den Straßenrand gestellt. 2018 müssen sich der ehemalige Eigentümer der Tiere und zwei Betreuer der Ziegen vor dem Amtsgericht Medebach verantworten. Ihnen wird Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen.

Ziegen in Brilon: Die Organisation PETA veröffentlicht einen heimlich gedrehten Film von einem Bio-Bauernhof in Brilon. Darin werden mutmaßliche Missstände bei der Haltung von Ziegen angeprangert. Im März nimmt die Staatsanwaltschaft Stall und Melkstand nach richterlichem Beschluss in Augenschein, um zu prüfen, ob das gesamte PETA-Video am Hof gedreht wurde. Die Ermittlungen dauern weiter an.

Kater erschossen: Eine Familie aus Brilon trauert um ihren Kater. Röntgenaufnahmen bei einer Tierärztin bestätigen: Das Tier ist in direkter Nähe des Wohnhauses in Brilon erschossen worden – vermutlich mit einem Luftgewehr.

Vergiftete Hundeköder: Mehrere Hundebesitzer aus Brilon vermuten, dass im Stadtgebiet Hundeköder mit Rattengift ausgelegt werden. Seit Ende November werden Fälle bekannt, in denen Hunde mit schweren Vergiftungserscheinungen behandelt werden müssen. Auch vier Katzen leiden unter schweren inneren Blutungen.

Gericht

Raub bei Juwelier: DNA-Spuren an einem Pflasterstein, der für den Einbruch bei einem Juwelier in Olsberg verwendet wurde, sind im Februar das entscheidende Indiz. Einem 19-Jährigen aus Olsberg wird vorgeworfen, mit einem Komplizen im November 2015 zwei Schaufensterscheiben eingeschlagen und Uhren und Schmuck im Wert von 6000 Euro gestohlen zu haben. Das Briloner Amtsgericht verurteilt ihn zu einem Jahr ohne Bewährung.


SEK-Einsatz: Am 31. Juli 2015 fährt ein SEK vor einem Wohnhaus im Raum Brilon vor. Die Spezialeinsatzkräfte nehmen einen heute 31-jährigen Mann fest. Er wird von Beamten des Staatsschutzes vernommen. In der Wohnung finden die Polizisten ein Waffenarsenal – und NS-Propagandamaterial. Im Februar sitzt der Mann als Angeklagter vor dem Schöffengericht Brilon. Er hat keinen Waffenschein. Er gesteht und zeigt Reue. Der Vorsitzende Richter Schwens verurteilt ihn zu einer Bewährungsstrafe mit Auflagen. Innerhalb der nächsten sechs Monate muss er die KZ-Gedenkstätte Buchenwald besuchen.

Messerstiche: Vor der Jugendkammer am Landgericht Arnsberg startet im März der Prozess gegen einen Mann (20), der Ende August 2016 seinen Stiefvater aus Olsberg (48) im Flur vor dessen Wohnung erstochen hat. Die Anklage lautet auf Totschlag. Der Täter war nach Griechenland geflüchtet, dort festgenommen und später ausgeliefert worden. Im Prozess wird deutlich: Der Angeklagte wurde als Kind und Jugendlicher von seinem Stiefvater schwer misshandelt. Er wird zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.


Diesel-Skandal: Der VW-Konzern kauft einen Diesel-Pkw mit manipulierter Software von einer Kundin aus Winterberg zurück. Das Landgericht Arnsberg hatte das Unternehmen in einem Urteil aus dem Mai dazu verpflichtet, den Passat zurückzunehmen. Zuvor war ein Gütetermin gescheitert. Die VW-Anwälte verzichten auf Berufung.

Prozess um Hungertod, Teil 1: Ein Kind wird nur zwei Jahre alt. Es verhungert 2014. Hat eine Mitarbeiterin des Jugendamtes HSK nicht genau genug hingesehen? „Hätten Sie die Kinder angeschaut, wäre der Tod nicht eingetreten“, sagt Richter Ralf Fischer zu der Frau im Laufe des Prozesses. Die 29-Jährige erhält im Mai eine Bewährungsstrafe für die Mitschuld am Tod des Jungen und am Hungerleiden seiner kleineren Schwester. Diese war in letzter Minuten gerettet worden.

Böllerunglück: Zwei Jahre nach dem tödlichen Unfall mit einer Kanone auf dem Schützenfest in Niedermarsberg stellt das Amtsgericht Marsberg im Juli das Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Geldauflage ein. Der 64 Jahre alte Angeklagte muss 5000 Euro an die Staatskasse zahlen. „Den Angeklagten trifft ein sehr geringes Verschulden an dem tragischen Todesfall“, sagt Gerichtssprecher.

Prozess um Hungertod, Teil 2: Mehr als drei Jahre nach dem Hungertod eines Jungen (2) steht seit September die Mutter vor dem Landgericht Arnsberg vor Gericht. Ihr wird Körperverletzung mit Todesfolge und Körperverletzung vorgeworfen. Ihr 25 Monate alter Sohn war gestorben, weil er unterernährt war. Die neun Monate alte Schwester war ebenfalls in einem schlechten Pflege- und Ernährungszustand, konnte aber noch gerettet werden. Der Prozess dauert deutlich länger als erwartet. Das für Dezember erwartete Urteil bleibt aus. Im Jahr 2018 wird das Verfahren fortgesetzt.

Missbrauchsprozess: Er soll mit seiner minderjährigen Stieftochter seit 2010 mehrfach Geschlechtsverkehr gehabt haben, auf seinem Handy stellte die Kripo üble Kinderporno-Clips sicher. Es sind schwere Vorwürfe, die die 36-jährige Lebensgefährtin und deren heute 18-jährige Tochter gegen den 42 Jahre alten Angeklagten aus dem Altkreis Brilon aufführen. Der Prozess vor dem Landgericht soll drei Tage dauern. Zur Urteilsverkündung taucht der Angeklagte nicht auf. Er und die gesamte Familie sind untergetaucht.

Wirtschaft

Kartellverfahren: Das Bundeskartellamt verhängt Ende Juni Geldbußen gegen zwei Hersteller von Industriebatterien in Höhe von 28 Millionen Euro wegen Absprachen über die Erhebung des sogenannten Metallteuerungszuschlages als einem Preisbestandteil von Bleibatterien. Bei den Unternehmen handelt es sich um die Hawker GmbH aus Hagen und um die Accumulatorenwerke Hoppecke Batterien GmbH & Co. KG aus Brilon-Hoppecke. Das Sauerländer Unternehmen muss nach Angaben von Finanz-Geschäftsführer Heinrich Becker 4,96 Millionen Euro zahlen.

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