Dorfleben

Dorfpapst hält Vortrag im Museum der Stadt Marsberg

Prof. Dr. Gerhard Henkel ist ein glühender Kämpfer für den ländlichen Raum und trifft mit seinen Ausführungen dazu voll die Meinung seiner Zuhörer im Museum der Stadt Marsberg in Obermarsberg.

Prof. Dr. Gerhard Henkel ist ein glühender Kämpfer für den ländlichen Raum und trifft mit seinen Ausführungen dazu voll die Meinung seiner Zuhörer im Museum der Stadt Marsberg in Obermarsberg.

Foto: Annette Dülme

Obermarsberg.  „Die kriegen das Dorf nicht kaputt.“ Prof. Dr. Henkel hält ein glühendes Plädoyer für den ländlichen Raum im Museum der Stadt Marsberg.

„Dörfer und Landgemeinden müssen gestärkt, statt weiter geschwächt werden“, so die These von Prof. Dr. Gerhard Henkel. Damit sprach er den rund 80 Zuhörern seines Vortrages zum Thema „Rettet das Dorf - was jetzt zu tun ist“ aus dem Herzen. Im Rahmen der Sonderausstellung „Erlinghausen – immer auf der Höhe“ im Museum der Stadt Marsberg in Obermarsberg hatte die Dorfgemeinschaft Erlinghausen mit Ortschronist Herbert Dülme zu der Vortragsveranstaltung eingeladen.

Dorfpapst lebt mit Familie in Fürstenberg und fühlt sich ein wenig als Sauerländer

Seit Jahrzehnten befasst sich Humangeograph Prof. Dr. Gerhard Henkel mit der historischen und aktuellen Entwicklung des ländlichen Raumes. Er war Begründer und Leiter des Bleiwäscher Kreises für Dorfentwicklung von 1978 bis 2008 und er ist weithin bekannt als „Anwalt des Dorfes“ und „deutscher Dorfpapst“.

Henkel lebt mit seiner Familie in Fürstenberg. Der Raum Marsberg ist Teil seiner eigenen Heimatregion. Denn vor der Gebietsreform gehörten bekanntlich Oesdorf, Westheim, Meerhof und Essentho genau wie Fürstenberg zum Altkreis Büren. Er sei gerne nach Obermarsberg gekommen, sagte er zu Beginn seines Vortrages, denn: „Ich fühle mich ein bisschen als Sauerländer“.

Positive und negative Entwicklung

In seinem gut eineinhalbstündigen Vortrag sprach er die Probleme des heutigen Dorfes an und brachte Strategien und Beispiele für Verbesserung. Bundesweit, so Prof. Dr. Henkel, habe sich das dörfliche Leben positiv gewandelt. Es sei zwar vieles verloren gegangen, wie Schulen, Gaststätten, Läden oder Bankfiliale, es sei aber auch viel Wertvolles gewonnen worden. So stehe beispielsweise der Hochsauerlandkreis durch niedrige Arbeitslosenzahlen ökologisch blühend dar. Zum negativen Wandel trage aber auch die Abwanderung der Jugend bei und das führe wiederum zum Fachkräftemangel.

Prof. Dr. Henkel: „Die Zukunft der Dörfer entscheidet sich von der lokalen Ebene aus.“ Jedes Dorf müsse für sich herausfinden, was ihm wichtig sei. Bürger und Kommunen müssten „wach sein und engagiert und sich klar sein: jedes Dorf muss sich selber retten.“ Die Gemeinden selbst müssten beispielsweise gegen die Leerstände vorgehen. Die bestehenden Vereine müssten gestärkt und das Ehrenamt besser anerkannt werden, so seine Forderung. Ganz wichtig für eine funktionierende Dorfgemeinschaft seien, öffentliche Treffpunkte für Junge und Alte.

Entmündigung der Dörfer

Für eine Entmündigung und Schwächung der Dörfer und Landgemeinden macht Dr. Henkel die Bundes- und Landespolitik verantwortlich. Dr. Henkel: „Der Staat gibt den Dörfern zu wenig Anerkennung, finanzielle Unterstützung und gestalterische Freiräume.“ In der ländlichen Kommunalpolitik dominiere das Gefühl der Geringschätzung und Bevormundung durch die hohe Politik.“ Über 90 Prozent der kommunalen Ausgaben seien durch staatliche Gesetze und Richtlinien festgesetzt.

Gebietsreform hat Schaden zugefügt

Die Entmündigung der Dörfer habe mit der Gebietsreform begonnen. Dr. Henkel: „Die Gebietsreform hat der Mehrheit der deutschen Dörfer und Kleinstädte großen Schaden zugefügt und zugleich die demokratische Basis des Staates massiv geschädigt.“ Das habe auch zu einem schlechten Image der Kommunalpolitik geführt. Dr. Henkel: „Gegen diese Missstände an der Basis des Staates muss dringend und nachhaltig angegangen werden.“

Statt immer weiter seine zentralistischen Programme von oben nach unten durchzusteuern, sollte der Staat seine demokratische Basis „unten“ respektieren, stärken und wiederbeleben.

Kommunalpolitik muss gestärkt werden

Wenn die Kommunalpolitik in den Dörfern und Kommunen wieder Gewicht und Befugnis bekommen würden, werde auch ihr Ansehen steigen. Henkel: „Dann werden auch die Bürger wieder mitmachen, den Staat tragen helfen und sich mit dem Gemeinwesen solidarisieren.

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