INTERVIEW

Dortmunder sucht im Sauerland nach Geschichten

Von Juli bis Oktober lernt Christian Caravante das Sauerland von allen Seiten kennen.

Foto: Stefan Meinhardt

Von Juli bis Oktober lernt Christian Caravante das Sauerland von allen Seiten kennen. Foto: Stefan Meinhardt

Hochsauerlandkreis.   Vier Monate Zeit für eine Mission: Die Eindrücke zum Alltag und der kulturellen Vielfalt in NRW einfangen. Auch hier im Sauerland.

In Anlehnung an die mittelalterlichen Stadtschreiber als amtliche Protokollführer sind zehn Regionsschreiber/innen in den Kulturregionen NRWs von Juli bis Oktober 2017 unterwegs. Schwerpunkt des Projektes ist, das Land NRW in all seinen Facetten darzustellen.

Nicht nur die größeren Städte, sondern auch bei uns in den kleinen Orten auf dem Land. Für das Sauerland hat Christian Caravante aus Dortmund dieses Stipendium erhalten. Noch bis Ende des Monats ist der 46-jährige Journalist unterwegs, um hier Land und Leute kennenzulernen. So kurz vor Ende des Projektes ist es einmal Zeit nachzufragen, wie es ihm bei uns im Sauerland so ergangen ist.

Herr Caravante, wie hat es Ihnen denn hier im Sauerland gefallen?

Christian Caravante: Mir hat es super hier gefallen. Die Leute sind sehr sympathisch und man kommt überall schnell ins Gespräch. Auch das Gute Feedback, dass ich überall bekommen habe, hat sicherlich dazu beigetragen.

Würden Sie sich noch einmal um ein Stipendium als Regionsschreiber bewerben?

Ja gerne, auf jeden Fall! Vier Monate sind leider viel zu kurz. Ich habe das Sauerland in dieser Zeit aber wieder neu für mich entdeckt. Es wurden viele Kindheitserinnerungen wach, da ich früher oft bei meinen Großeltern in Attendorn war.

Sie wohnen mit Ihrer Frau und Ihren drei Kindern ja eigentlich in Dortmund. Für ihre Zeit als Regionsschreiber wohnen Sie in Bödefeld. Hatten sie kein Heimweh?

Dortmund ist ja nicht aus der Welt. Ich bin viel hin und her gefahren. Im Schnitt war ich vier Tage in der Woche hier und drei Tage zuhause bei meiner Familie. Ansonsten hätte ich wohl sehr unter Heimweh gelitten. Meine Familie hat mich aber auch hier besucht und ich habe ihnen die schöne Gegend gezeigt. Außerdem gibt es auch hier tolle Museen. Landleben und Kultur schließen sich ja nicht aus, auch wenn das viele denken.

Ist die Arbeit als Regionsschreiber so, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Ich bin eigentlich mit wenig Vorstellungen hierher gekommen. Vor Beginn des Projektes hatte ich mir natürlich schon so meine Gedanken gemacht und eine Liste mit ca. 30 Themen notiert, die ich eigentlich „abarbeiten“ wollte. Nach zwei Wochen hatte ich aber den Großteil davon verworfen, da das die Leute von hier nicht interessiert oder ein „alter Hut“ für sie ist, der schon zigmal durchgekaut wurde.

Das Schöne an der Arbeit des Regionsschreibers ist, dass man völlig frei und ohne Zeitdruck über Themen schreiben kann, die einen selbst interessieren. Es gab ja keine Vorgaben. Ich hatte auch viele tolle Gespräche, aus denen kein Text entstanden ist.

Als Dortmunder sind Sie ja eher ein Stadtmensch. Welche Unterschiede zwischen Stadt und Land sind Ihnen aufgefallen?

Hier hat man natürlich die Natur direkt vor der Haustür. Die Landschaft mit ihren Hügeln und Bergen, die weiten Wälder... Das ist schon sehr schön! Auch das Wetter nimmt man hier ganz anders war. Außerdem kommt man hier mit den Leuten schneller ins Gespräch.

Und das, obwohl man uns Sauerländern doch nachsagt, stur zu sein?

Das würde ich so nicht unterschreiben. Vielleicht guckt sich der Sauerländer den Fremden und Neuankömmling erst einmal aus sicherer Entfernung an und wartet darauf, angesprochen zu werden, aber dann wird man hier überall sehr herzlich aufgenommen und integriert. In der Stadt kennt man ja häufig die Menschen aus dem übernächsten Haus nicht mehr. Hier undenkbar.

Würden Sie auch für immer aufs Land ziehen?

Das ist eine gute und schwere Frage... Für eine gewisse Zeit könnte ich mir durchaus vorstellen, auf dem Land zu leben. Aber für immer könnte ich meine Frau nicht hierher locken. Sie ist gebürtig aus Neapel und braucht die laute Stadt.

>>> Alle Texte im Internet

  • Die Texte von Christian Caravante kann man in seinem Blog im Internet unter www.stadt-land-text.de lesen.
  • Am 18. Oktober ist im Rahmen der Jubiläumsfeier „20 Jahre Regionale Kulturpolitik“ eine Abschlussveranstaltung in Düsseldorf. Jeder der zehn Regionsschreiber/innen wird dort einen seiner Texte vortragen.

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