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Drei neue Windkraftanlagen entstehen bei Scharfenberg

Ende Juli, Anfang August soll das erste der drei Bürgerwindräder ans Netz gehen. Hier einer der Initiatoren, Dietmar Wittmann (2.v.r.)

Ende Juli, Anfang August soll das erste der drei Bürgerwindräder ans Netz gehen. Hier einer der Initiatoren, Dietmar Wittmann (2.v.r.)

Foto: Jürgen Hendrichs

Scharfenberg.   Bis Ende September sollen auf dem Hühnerfeld bei Scharfenberg drei neue Windkraftanlagen ans Netz gehen.

13 Ringe sitzen. Bis auf diese Höhe besteht jeder aus zwei Halbschalen. Die weiteren rund 50 Höhenmeter des mächtigen Turmes werden aus einteiligen Beton-Elementen aufgepflanzt. Allen gemeinsam: Sie werden in Portugal gegossen, kommen per Frachtschiff über den Atlantik nach Emden, von dort geht es über Kanäle zu einem der Binnenhäfen im Ruhrgebiet und von dort per Schwertransport nach Scharfenberg.

Allein für die letzte Etappe brauchte der Tieflader, der gestern entladen wurde, 12 Stunden. Vier weitere hängen auf der A 46 fest: „Die Polizei kann pro Nacht nur bis zu sechs Schwertransporte begleiten,“ sagt Dietmar Wittmann. Der muss es wissen.

Zum einen ist er pensionierter Polizeibeamter und zum anderen einer der Initiatoren des Bürgerwindparks auf dem Hühnerfeld bei Scharfenberg. Drei Räder entstehen dort. „Wir hoffen, dass das erste Ende Juli, Anfang August ans Netz kann und das letzte Ende September,“ sagt Wittmann. Am weitesten fortgeschritten ist der Bau des kleinsten. Es hat eine Nabenhöhe von 108 m, hinzu kommen die Rotoren mit einer Länge von 41 m. Die beiden anderen Anlagen haben die gleichen Rotoren, allerdings ist der Turm 30 m höher. Wegen der Nähe zum Sunderhof fiel die eine Anlage kleiner aus. 64 Einwohner aus Scharfenberg und Rixen haben sich an der Bürgerwindrad-KG beteiligt.

Auf 10 Millionen Euro angelegt

Auf 10 Millionen Euro, sagt Dietmar Wittmann, sei das Projekt angelegt. Drei Millionen Euro wollen die Kommanditisten beisteuern, der Rest wird bankfinanziert. Warum dieser Anteil relativ hoch ist? „Die Zinsen sind günstig, und eine Bank will keine Gewinnausschüttung“, sagt Wittmann. Dabei hätten die interessierten Bürger gerne mehr angelegt, klettert die Rendite im Lauf der Jahre doch in einen zweistelligen Bereich.

Die Mindesteinlage beträgt 5000 Euro, manche sind auch mit bis zu 70000 Euro dabei. Als nach der Atom--Katastrophe von Fukushima 2011 die Windkraft zum politischen Postulat wurde, „wollten wir das in Scharfenberg nicht auswärtigen Investoren überlassen“, erinnert sich Wittmann. Auf der Kippe stand das Projekt eine Zeitlang, als nicht sicher war, ob ein weiteres privates Windrad am Rande der Vorrangzone genehmigungsfähig wird oder nicht. Bei nur zwei Anlagen, sagt Wittmann, hätte sich der Bürgerwindpark nicht rentiert. Letztlich fehlten dem Mitbewerber 16 m Abstandsfläche...

Landwirte sind eingebunden

Neun Landwirte mussten mit ins Boot geholt werden, um die Flächen und Zufahrten zu arrondieren. Mit ihnen sind auch weitere Arrangements nötig. Denn zum Schutz der Rotmilane müssen die Anlagen vier Tage lang nach dem Mähen oder der Ernte in einem bestimmten Radius tagsüber abgeschaltet werden. „Das muss dann zügig zusammen laufen,“ hofft Wittmann. In den ersten beiden Jahren erfolgt auch ein Fledermaus-Monitoring. Dabei werden die Räder in der Dämmerung abgeschaltet, um Erkenntnisse über die Nachtschwärmer zu erhalten.

Bauarbeiten im Bereich Windsberg

Spricht man Wittmann darauf an, was die neue Landesregierung bei der Windkraft plant, atmet er tief durch. Schwein gehabt. 950 m Abstand auf dem Hühnerfeld, das passt noch. Dort oben auf der Höhe sind auch die Bauarbeiten vom Windsberg zu vernehmen. Sechs weitere, von vielen Bürgern aus Altenbüren bekämpfte Anlagen entstehen noch. Keine Frage: Für viele kommt der Kurswechsel zu spät.

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