Gericht

Drogenfahrt in Brilon: Richter gibt den Führerschein zurück

Die Polizei versuchte in Brilon einen 33-Jährigen zu stellen, der sich einer Kontrolle entziehen wollte. Er hatte zuvor Cannabis konsumiert.

Die Polizei versuchte in Brilon einen 33-Jährigen zu stellen, der sich einer Kontrolle entziehen wollte. Er hatte zuvor Cannabis konsumiert.

Foto: Patrick Seeger / dpa

Brilon.  Unter Drogeneinfluss versucht ein Mann, halsbrecherisch vor einer Polizeikontrolle zu fliehen. Vor Gericht gibt es den Führerschein aber zurück.

Die Szene könnte problemlos in einem Hollywood-Streifen zu sehen sein: Ein Mann tankte in aller Seelenruhe seinen Wagen an einer Tankstelle in der Möhnestraße in Brilon und sah plötzlich ein Fahrzeug die Straße entlang fahren. Darin befanden sich uniformierte Beamte. Der 33-jährige gebürtige Marsberger merkte, dass die Zivilstreife ein Auge auf ihn geworfen hatte und entschloss sich, auf rasante Weise zu türmen.

So steht es zumindest in der Anklageschrift, die am Amtsgericht in Brilon verlesen wird. Am 19. Mai diesen Jahres soll der Mann, der unter dem Einfluss von Cannabis stand, versucht haben, einer Kontrolle zu entgehen. Dafür soll er sich eine Verfolgungsjagd durch Brilon geliefert haben. „Ich wollte mich nur verstecken und mich nicht kontrollieren lassen“, sagt der Angeklagte aus.

Wilde Richtungswechsel in der 30er Zone

Von der Möhnestraße, die Richtung Süden zum Lindenweg wird, nahm er im Kreisverkehr die erste Ausfahrt in die Scharfenberger Str., keine 200 Meter später bog der Fahrer nach links in die Straße „Am Ratmerstein“, sofort nahm er die nächste Abzweigung nach links, die nächste rechts, wieder links. Immer wieder wechselte der Fahrer schnell die Richtung, um den Verfolgern zu entgehen, die ohne Blaulicht unterwegs waren. In der Paulinenstraße angekommen fühlt sich der 33-Jährige sicher, glaubt die Beamten abgehängt zu haben.

Dem war auch so. Zumindest zwischenzeitlich. „Wir haben ihn hier und da abbiegen sehen, aber haben ihn zwischenzeitlich auch aus den Augen verloren“, sagt ein Polizeikommissar aus. Sie gaben die Suche aber nicht auf und fanden den verdächtigen Wagen in einer Parklücke. Die darauffolgende Kontrolle machte schnell klar, dass der Fahrer unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stand.

Polizei konnte trotz 70 Km/h nicht aufschließen

Die Frage, die sich im Gerichtssaal nicht so schnell klären lässt, ist, wie schnell der Angeklagte bei seiner Flucht unterwegs war. In der Anklageschrift ist von 80 Stundenkilometern die Rede. Das bestreitet der Fahrer sofort vehement. „Die bin ich auf keinen Fall gefahren. Das schafft mein Auto mit seinen 19 Jahren und 50 PS gar nicht.“ Der als Zeuge geladene Polizeikommissar, der die Zivilstreife fuhr, kann dazu keinerlei Angaben machen, denn bei der Verfolgung hatte er mehrere Fahrzeuge vor sich. „Ich bin circa 70 bis 80 Stundenkilometer gefahren und konnte dennoch nicht aufschließen“, sagt er aus.

Genau das ist aber wichtig, damit der Tatbestand nach §315d im Strafgesetzbuch erfüllt ist. Da ist von Kraftfahrzeugführern die Rede, die mit nicht angepasster Geschwindigkeit, grob verkehrswidrig und rücksichtslos fahren, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen.

Geldstrafe und Punkte in Flensburg

„Wir wissen nicht, wie schnell der Angeklagte war, wir wissen nur, wie schnell der Zeuge war“, musste auch die Staatsanwältin einsehen. So blieb lediglich das Fahren unter dem Einfluss von Betäubungsmittel übrig. Eine Ordnungswidrigkeit. Die Folge: eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro und zwei Punkte in Flensburg. Eigentlich gilt auch ein Fahrverbot, jedoch musste der Angeklagte seinen Führerschein bereits bei der Kontrolle abgeben und verzichtete so eine angemessene Zeit auf das Dokument. Richter Härtel händigte dem 33-Jährigen die Fahrerlaubnis daher wieder aus.

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