Brauhof Hallenberg

Ein Bier, das die „Ögen zütrecket“

Hallenberg.   Zum ersten Mal seit über 100 Jahren ist ein Fass in Hallenberg gebrautes Bier angezapft worden. Die Reaktionen waren begeistert

Den Hallenbergern hat es am Sonntagabend kollektiv die „Ögen zügetrecket“ („die Augen zugedrückt“). Grund: Nach über 100 Jahren gab es zum ersten Mal wieder original in der Nuhnestadt gebrautes Bier, das Hallenberger Landbier (wir berichteten). Die Geschichte der Stadt besagt, dass der Gerstensaft aus Hallenberg schon seit Jahrhunderten so legendär gut gewesen sein muss, dass er seinen Liebhabern nach reichlichem Verzehr die Augen schloss: „Halleperger Bier is kütt Bier, es trecket eim de Ögen zü!“

Hunderte von gespannten Gästen aus der Nuhnestadt selbst, aber auch aus vielen umliegenden Orten und sogar dem Rheinland, Ruhrgebiet und Münsterland besuchten am Sonntag den neuen Brauhof Hallenberg. In nur sechs Monaten Bauzeit ist dieser durch den Umbau eines ehemaligen Kuhstalls entstanden.

Bierzutaten aus der Region

Investor ist Jörg Schütte aus Köln, der mit seiner Frau bereits vor einigen Jahren den Hof Hallenberg gekauft, restauriert und zu einer florierenden Frühstückspension umgebaut hat. Der Brauhof befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft dazu, das Gebäude mit dem dazugehörigen Bauernhaus stand jahrzehntelang leer. Federführend beim Umbau vom Stall zur Brauerei war Richard Gamm aus Züschen. Für die Bierqualität und die handwerkliche Brauart nach dem sogenannten Dekoktionsverfahren ist Braumeister Peter Mesters aus Winterberg verantwortlich, der das erste Fass mit einigen honorigen Worten und einem Brauerlied gekonnt anschlug. Bezeichnend ist, dass die Zutaten so weit wie möglich aus der Region kommen: Das Wasser stammt aus dem Naturschutzgebiet Struth, die Gerste wird von heimischen Landwirten angebaut, auch Hopfen soll künftig gepflanzt werden. Die Gläser hat die Firma Ritzenhoff aus Marsberg produziert, die hölzernen Bierkisten sind im Lennewerk von St. Georg in Schmallenberg gebaut worden.

Doch bevor sich die unzähligen Besucher selber vom Geschmack des naturtrüben, untergärigen Landbieres überzeugen konnten, musste dieses noch einen typisch Hallenberger Gütetest bestehen: die Ratsherrenprobe. In der Chronik der Stadt ist überliefert, dass das Bier früher nur dann richtig „kütt“ (gut) gewesen sein soll, wenn es – über eine Bank gegossen – dem Stadtrat beim Reinsetzen am Allerwertesten kleben blieb: „Hob sich die Bank beim Aufstehen mit, so war der Stoff besonders kütt!“ Stadtarchivar Georg Glade hatte eigens dazu ein kleines Theaterstück geschrieben. Unter dem Jubel der Zuschauer setzten sich die Ratsherren inklusive Bürgermeister Michael Kronauge auf die biergetränkte Bank und siehe da: Das Hallenberger Bier ist wirklich kütt!

Vereine bereicherten Eröffnung

Das war auch die einhellige Meinung des Publikums. Bis in den Abend tummelten sich die Gäste bei herrlichem Sommerwetter auf dem Hoffest, das von mehreren örtlichen Vereinen mit verschiedenen Ständen bereichert wurde. Eine Besucherin stellte fest: „Jetzt weiß ich, warum man beim Trinken an der Bank festklebt: Man will gar nicht mehr nach Hause gehen.“ Auf den Punkt brachte es Markus Salfeld: „Ich wusste nicht, dass Heimat so gut schmecken kann.“

Geschenk für Hallenberg

Bürgermeister Kronauge dankte den Investoren Jörg Schütte und Jutta Pinzler aus Köln, die vor sechs Jahren nur zufällig durch einen Urlaub nach Hallenberg gekommen waren und die leerstehenden Fachwerkhöfe gesehen hatten: „Der liebe Gott hat’s gut mit uns gemeint, als er euch nach Hallenberg geschickt hat. Es ist einfach toll, was ihr hier geschaffen habt. Ihr könntet es auch einfacher haben und jetzt am Rheinufer sitzen und den Schiffen zugucken. Herzlichen Dank für euren Einsatz und das tolle Engagement. Ihr habt Hallenberg ein großes Geschenk gemacht.“

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