Tag der Architektur

Ein Haus, das sich zur Aussicht dreht

Ein ungewöhnlicher Grundriss sorgt dafür, dass fast alle Fenster des Hauses auf die Highlights der Umgebung ausgerichtet sind. Fotos:Stefanie Bald

Ein ungewöhnlicher Grundriss sorgt dafür, dass fast alle Fenster des Hauses auf die Highlights der Umgebung ausgerichtet sind. Fotos:Stefanie Bald

Hesborn.   Nur zwei Architektur-Highlights aus dem Altkreis Brilon werden beim Tag der Architektur vorgestellt. Eines gehört Familie Benner aus Hesborn.

Ein Herrenhaus, aber mit dem Dreh des 21. Jahrhunderts – diesen Eindruck kann gewinnen, wer sich exakt in die Mitte der breiten Einfahrt stellt und langsam die leichte Steigung zum Haus der Familie Benner in Hesborn nimmt. Die geraden Linien, das strahlende Weiß und die ungewöhnlichen, leicht verdrehten Seitenflügel schaffen ein imposantes Bild, das sich deutlich von seinen Nachbarn abhebt.

Im Inneren fällt der Blick sofort auf den zentralen Blickfang: Im offenen Flur, eigentlich eine kleine Eingangshalle, reicht linkerhand eine glatte Wand aus Sichtbeton bis unters Dach. Aus ihr ragt die gerade Treppe ins Obergeschoss.

„Von der Statik her könnte die Treppe ohne Geländer auskommen und frei in den Raum ragen“, erklärt Besitzer Johannes Benner. „Aber das wäre viel zu gefährlich.“ Und so schließt eine futuristische Glaswand die Treppe ab und bildet selbst gleich den nächsten Blickpunkt – das Ensemble dieser Elemente ist der Liebling des Hausherrn.

Sehr verschiedene Geschmäcker

Trotz viel Beton und Glas wirkt der Raum nicht kalt. Das liegt an den warmen Tönen des Steinfußbodens. Auch das mehrere Quadratmeter große Bild über der Haustür, das bei der Hochzeit der Benners aufgenommen wurde, bringt Farbe in den Raum – und ist ein Hinweis darauf, dass hier noch ein anderer Geschmack zu Hause ist.

Denn die Benners, beide Apotheker von Beruf, standen vor dem Hausbau vor einer Herausforderung: ihren sehr verschiedenen architektonischen Vorlieben. „Hätte ich allein ein Haus gebaut, bestünde es aus Beton, Glas und Stahl“, sagt Jens Benner. „Hätte ich allein ein Haus gebaut, hätte es durchaus ein traditionelles Sauerländer Fachwerkhaus werden können“, sagt hingegen Marion Benner. Es gab aber auch Punkte, in denen sich beide von Anfang an einig waren. Hesborn als Wunschort stand fest; Marion Benner stammt von dort und wollte gern zurück. Außerdem war beiden ganz wichtig: viel Licht, Luft und Aussichten.

Ortsgebundener Entwurf

Genau das bietet nicht nur der an die Eingangshalle angrenzende, offene Küchen- und Essbereich. Es ist auch die Gesamtidee hinter dem Haus, entworfen vom Korbacher Architekturbüro Christoph Hesse: Die Seitenflügel und alle Fenster sind so ausgerichtet, dass aus ihnen etwas Schönes, Ortstypisches zu sehen ist. In den meisten Fällen sind dies der nahegelegene Bollerberg und die Dorfmitte mit ihrer Kirche. Auf diese Weise ist das Haus mit seinem Standort verbunden und könnte genau in dieser Form und Funktion nirgendwo anders stehen.

Wie Haus und Umgebung haben auch die verschiedenen Geschmäcker der Bauherren zusammengefunden: Die kühle Strenge der geraden Linien und modernen Baustoffe wird aufgefangen von warmen Farben am Boden, von hölzernen Fensterrahmen, von der Möglichkeit, überall ins Grüne zu schauen und auch an vielen Stellen ins Grüne hinauszugehen.

Baubeginn im Mai 2015

Gekauft hat das Ehepaar das Grundstück im Jahr 2013. Nach einigen Verzögerungen im Genehmigungsverfahren war im Mai 2015 Baubeginn; im vergangenen August konnte die Familie, die das zweite Kind erwartet, schließlich einziehen.

„Als wir uns die ersten Gedanken über unser zukünftiges Haus gemacht haben, haben wir mal selbst was aufgezeichnet – aber das war halt viereckig und irgendwie plump“, erinnert sich Marion Benner. Mithilfe des Architekten entstand genau das, was zu Bewohnern und Wohnort passte.

„Wie dieses Haus in zehn Jahren aussehen wird? Es fehlen noch Lampen, der Garten wird sich verändern, die Kinder werden mit anderen Spielzeugen spielen. Aber ansonsten wird es aussehen wie jetzt, denn wir sind zufrieden damit“, fasst Johannes Benner zusammen. Vielleicht wird noch der ein oder andere Oldtimer hinzugekommen sein, an dem er in der geräumigen Garage und der darunterliegenden Werkstatt herumschrauben und -polieren kann.

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