Glaube

Ein meditativer Ort im Rosendorf Assinghausen

Begehbarer Rosen-Rosenkranz im Küsterland in Assinghausen

Heimat des Dichters Friedrich Wilhelm Grimme, war schon immer ein besonderer spiritueller Ort, jetzt lädt er noch mehr zum Verweilen und Meditieren ein: Im Juli 2018, hat das Olsberger Dorf seinen Rosen-Rosenkranz im Küsterland eröffnet.

Heimat des Dichters Friedrich Wilhelm Grimme, war schon immer ein besonderer spiritueller Ort, jetzt lädt er noch mehr zum Verweilen und Meditieren ein: Im Juli 2018, hat das Olsberger Dorf seinen Rosen-Rosenkranz im Küsterland eröffnet.

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Assinghausen.   Im Rosendorf Assinghausen wird ein Rosen-Rosenkranz eingeweiht. Hier sollen nicht nur gläubige Menschen zur Ruhe und Gelassenheit finden können

Die Anlage im Asker „Schmuckkästchen“, dem Küsterland war in die Jahre gekommen. Hier etwas Neues zu machen und dann noch womöglich im Rosendorf einen Rosen-Rosenkranz, die Idee hatte der Rosenverein schon länger. Jetzt, im Juli, ist sie mit Hilfe des Leader-Projekts, der Stadt Olsberg und des ganzen Dorfes wahr geworden: Assinghausens Rosen-Rosenkranz ist eingeweiht und europaweit einzigartig. Das sagen die Initiatoren, die eifrig recherchiert haben und nichts Vergleichbares fanden.

Aus trauriger Sache entstanden

Vergleichbar zu was? Na, zu den begehbaren Perlen, die durch kleine runde und eingepflasterte Beete mit je einem Rosenstock symbolisiert werden. Je zehn Rosen für die zehn Perlen eines der fünf abgeschlossenen Geheimnisse des Rosenkranzes. Dazwischen die offen gelegte Schirmecke, sie lädt auch Kinder zum Plantschen und Klettern ein, wenn sie nicht gerade durch die Hitze ausgetrocknet ist wie momentan. „Eine Besucherin hat gesagt, schau mal, es leuchtet hier richtig“, sagt Angelika Guntermann vom Rosenverein. Im Vorbeigehen knipst sie schnell die verblühte Knospe einer Rose ab. Der Verein ist froh, jetzt noch einen zentralen Ort zu haben, wo die Rosen gezeigt werden.

Insgesamt ist das Küsterland, wo traditionell die Schützenfest-Messe stattfindet, luftiger geworden. Das Projekt profitierte von einer traurigen Sache: die Eschen im Park an der alten Fuhrmanns- bzw. Küsterlandkapelle waren so krank, dass herabstürzende Äste zur Gefahr wurden. Die Bäume mussten weg. So ist ein lichtdurchfluteter und ruhiger Ort vor den zwei Kapellen und am Marien-Bildstock entstanden. „Rosenkranz beten ist ja im Grunde nicht viel anders als das, was wir aus dem Buddhismus kennen. Es geht darum, sich auf eine Sache zu fokussieren und zu meditieren“, lädt Angelika Guntermann alle Besucher ein, vorbeizukommen, und sich auf den Ort einzulassen. „Es muss ja niemand den Rosenkranz beten, er kann einfach den schön gestalteten Ort genießen.“

Wer kann Rosenkranz auswendig?

Wer neugierig ist, lernt alles über das Rosenkranzgebet und über die Entstehung des Leader-Projektes. Hinweistafeln geben Auskunft. Denn wer kann noch den Rosenkranz auswendig beten? „Ich nicht“, gesteht Ortsvorsteher Ingo Hanfland. Ihm war aber gerade das Christliche an diesem Ort wichtig und er band über den Ortsverein alle Dorfbewohner in die Entscheidung ein. Vor allem die Kirchengemeinde, der das Gelände gehört, das sie nun an die Dorfgemeinschaft verpachtete. Alle „Hacke-Klubs des Dorfes waren hier mit im Einsatz, bevor Landschaftsgärtner Ralph Lütteken aus Siedlinghausen das Gelände gestaltete und unter anderem zehn neue Bäume für die gefällten Eschen pflanzte. „Hier ist nun diese Verbindung von christlicher Tradition hin zum Rosendorf Assinghausen hergestellt“, freut sich Hanfland.

Noch während des Ortstermins am Küsterland halten zwei Radfahrerinnen auf dem mitten durchs Gelände führenden Ruhrtalradweg, verweilen, lesen die Hinweistafeln, schauen sich die Fuhrmanns-Kapelle an. „Sehen Sie, sogar die Glocke können Sie läuten“, erklärt Kirchenvorstandsvorsitzender Franz-Josef Essfeld. Hier, entlang des Bachlaufs führte damals der Weg der Pferdegespanne in Richtung Medebach-Winterberg – über die Berge, die Täler waren viel zu versumpft. Die Pferde wurden noch einmal getränkt, darum heißt die Küsterland-Kapelle auch Fuhrmanns-Kapelle. „Bis heute ist sie Anlaufpunkte für alle, die Maria um Hilfe bitten“, sagt Ingo Hanfland. Wie zur Bestätigung hält ein Auto aus den Niederlanden auf dem Weg vor der Kapelle. Der Motor bleibt an, ein Herr mit Zigarette im Mund steigt aus, zündet eine Lampe an, alle fahren wieder. Surreal, spirituell.

Zur Entschleunigung

Das Küsterland ist so ein besonderer Ort. Hier entschied sich der Viehhirte Leonard, den bekannten Kreuzweg mit der Kapelle des Blutschwitzenden Heilands beginnen zu lassen. Auch sie ist – neben der Fuhrmanns-Kapelle, der Schirmecke, der alten Eiche und der Mariengrotte – eine der fünf großen Perlen des begehbaren Rosen-Rosenkranzes. Dort wird nach Rosenkranz-Folge jeweils das Vater Unser gebetet. Dazwischen befinden sich die jeweils zehn kleine Perlen – dargestellt durch je eine Gruppe gleicher Rosengewächse, die in runde Beete eingefasst sind – das Gesätz. Doch begonnen wird am neuen, 4,5 Meter hohen Kreuz, gegenüber den Kapellen. Kreuzzeichen, Glaubensbekenntnis und „Ehre sei dem Vater“, folgt die erste Perle für das Vater Unser und drei Perlen für drei Gegrüßet seist du Maria mit den Einfügungen Glaube, Hoffnung/Liebe und Ehre sei dem Vater.

„Gegrüßet seist Du Maria voll der Gnaden....,der du...“ - immer wieder, immer (fast) dasselbe: zehn Rosenbeete, zehnmal das Gebet - freudenreich, lichtreich, schmerzhaft, glorreich, trostreich – es folgt das Vater Unser. Was in der Kirche doch auch lange und immer wieder als nie endende Zeremonie wirkte, könnte in der heutigen schnellen Zeit und an diesem Ort entschleunigen – auch losgelöst vom Inhalt. Alles zu beten, dauert 20 Minuten. Aber durch das stetige Wiederholen versetze man die Seele in einen bestimmten Zustand, und das sei Meditation, beschreibt der Flyer, der vor Ort ausliegt.

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