Kirche

Eine Frau darf künftig in Olsberg Begräbnisfeiern leiten

Keine Konkurrenz, sondern ein Dienst auf Augenhöhe: Elisabeth Hoffmann-Weber mit Pfarrer Richard Steilmann.

Keine Konkurrenz, sondern ein Dienst auf Augenhöhe: Elisabeth Hoffmann-Weber mit Pfarrer Richard Steilmann.

Foto: Thomas Winterberg / wp

Olsberg.  Schon lange dürfen Laien Begräbnisfeiern leiten - auch in der katholischen Kirche. Elisabeth Hoffmann-Weber übt diesen Dienst in Olsberg aus.

„Eine Beerdigung ist kein Sakrament, das können auch Laien.“ Pfarrer Richard Steilmann ist Leiter des Pastoralverbundes Bigge-Olsberg und zugleich Dechant im Dekanat Hochsauerland-Ost. Er freut sich, dass Mitglieder seiner Gemeinde so aktiv sind und sich engagieren. Wenn künftig in seinem Pastoralverbund Beerdigungen anstehen, dann kann, darf und soll auch eine Frau diesen Dienst ausüben. Elisabeth Hoffmann-Weber aus Bruchhausen hat von Oktober 2018 bis Mai 2019 einen Ausbildungskursus in Elkeringhausen absolviert. Bistumsweit erstmalig wurden darin 16 Ehrenamtler für die Leitung von Begräbnisfeiern ausgebildet.

Wortgottesdienstfeiern liegen im Trend

Vier Priester für zwölf Gemeinden lautet der Zahlenschlüssel im Pastoralverbund. Schon frühzeitig hat man hier auf die Personalsituation, die nicht besser werden wird, im Visier gehabt. „Bereits 2015 gab es bei uns 15 Interessierte, die sich zu Wort-Gottesdienst-Leitern haben ausbilden lassen und die kommen natürlich auch zum Einsatz“, sagt Pfarrer Steilmann.

Mittlerweile gibt es dafür einen festen Turnus. Dort, wo an Wochenenden kein Priester die Messe halten kann, werden Wortgottesdienste gefeiert. Und das geht reihum. „Manche konnten sich nicht sofort damit anfreunden, aber mittlerweile läuft das.“

Strenge Messabfolge

In puncto Beerdigungen scheint sich aber generell ein Wandel zu vollziehen. „In den sieben Monaten, als die Kirche renoviert wurde, hatten wir nur vier Beerdigungen mit einer Eucharistiefeier; die anderen waren alle mit einem Wortgottesdienst verbunden“, sagt Richard Steilmann. Und den kann völlig gleichberechtigt neben dem Priester auch ein Laie halten. Inzwischen gibt es viele Menschen, die eine gewisse Distanz zur Kirche eingenommen haben, die schon lange keine Messfeier mehr besucht haben, denen die strenge Abfolge einer Eucharistiefeier fremd und einengend vorkommt.

Eine Beerdigung fernab dieser rituellen Abläufe kann für solche Menschen auch eine Chance bedeuten, einen neuen Zugang zum Glauben und zur Kirche zu bekommen. „Den Verstorbenen, sein Leben und seine Besonderheiten kann man in einem frei gestaltbaren Wortgottesdienst viel besser in den Mittelpunkt stellen – fernab der starren Liturgie und eingefahrener Formeln. Wer versteht denn heute noch, wenn wir von ,Gottes eingeborenem Sohn` sprechen. Das ist doch kein Eingeborener. Auch musikalisch ist man in der Gestaltung viel freier. Mein Ziel ist es, sich der Lebensgeschichte des Verstorbenen zu nähern. Vielleicht kann ich von meinem Glauben erzählen. Vielleicht sind wir Nichtgeweihten näher dran am Leben und am Alltag des Menschen“, sagt Elisabeth Hoffmann-Weber.

„Da brennt noch was in meinem Herzen!“

Die 66-Jährige hat Theologie und Germanistik studiert und lange als Lehrerin am Gymnasium der Benediktiner in Meschede gearbeitet. Nah am Alltag der Menschen ist sie ganz bestimmt. Als eine ihrer Schülerinnen im Alter von 15 Jahren in Meschede starb („Ich bin damals von der Lehrerin zur Freundin geworden“), war ihr die würdige Gestaltung des Totengebetes ein besonderes Anliegen. Vielleicht war das auch der Impuls für viele weitere Aktivitäten. Elisabeth Hoffmann-Weber arbeitet seit sechs Jahren in der Notfallseelsorge, leitet seit fünf Jahren Wortgottesdienstfeiern und ist für das Totengebet in der Gemeinde zuständig. „Jetzt, wo ich beruflich im Ruhestand bin, spüre ich eine Verantwortung, etwas im Dienst der Kirche zu tun. Da brennt noch was in meinem Herzen.“

Keine Beerdigung zweiter Klasse

Wer im Pastoralverbund Bigge-Olsberg auch künftig Wert darauf legt, dass ein Priester die Beerdigung übernimmt, dem wird dieser Wunsch auch nicht abgeschlagen. „Jetzt zu Anfang wollen wir das ohnehin gemeinsam tun – aber ich lege Wert darauf, dass das auf Augenhöhe geschieht. Auch wenn ich dann nicht mehr dabei bin, reden wir nicht von Beerdigungen zweiter Klasse. Die gibt es nicht“, betont Pfarrer Steilmann. „Ich finde es auch gut, dass wir das erstmal im Team angehen, denn wir ergänzen uns durchaus“, sagt Elisabeth Hoffmann-Weber. Wer explizit einen Priester wünsche, dem sei sie auch nicht böse.

Und was motiviert eine Frau dazu, Menschen in den dunkelsten Stunden des Lebens beizustehen? „Ich weiß, ich kann das. Ich kann zuhören. Es geht nicht darum Leid zu verstehen, sondern es zu bestehen. Wir müssen viel mehr zuhören. Es hilft nicht weiter zu sagen: Es wird schon wieder werden, der liebe Gott wird es richten. Beistand heißt beistehen und nicht klug reden. Und auch wir dürfen ohnmächtig und sprachlos sein.“

Beistehen, einfach nur da sein, zuhören, Kraft geben – all das kostet eigene Kraft. „Danach gehe ich mit mir und meinen Gedanken in den Wald und komme zur Ruhe. Aber es ist wichtig, dass jemand diesen Dienst ausübt.

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