Trockenheit

Erneut über 50 Prozent Verlust für Landwirt aus Braunshausen

Ohne Regen kaum Gras für das Winterfutter - die Landwirte haben ein weiteres trockenes Jahr hinter sich.

Ohne Regen kaum Gras für das Winterfutter - die Landwirte haben ein weiteres trockenes Jahr hinter sich.

Foto: André Hirtz

Braunshausen.  Landwirt Franz-Josef Berkenkopf hatte erneut keine gute Grasernte. Trotz der schwierigen Lage erweitert die Familie den Hof – für die Zukunft.

Der Sommer 2018 war äußerst trocken, die schwachen Ernten brachten viele Landwirte in große Schwierigkeiten. Im Herbst kam man zur Erntedank-Pressekonferenz auf dem Hof der Familie Berkenkopf in Braunshausen zusammen, gelegen in der besonders trockenen Medebacher Bucht. Auf 75 Prozent bezifferte Franz-Josef Berkenkopf damals seine Verluste bei der Grasernte. Wie ist es seitdem für ihn weitergegangen?

Die jährliche Pressekonferenz hat inzwischen erneut stattgefunden, diesmal in Sundern. „Mit einem blauen Auge davongekommen“, so beschrieb dort der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland, Josef Schreiber aus Medebach, die Situation der Landwirte.

Eine Einschätzung, die Berkenkopf nicht teilen kann. „Vielleicht war das andernorts so, aber hier nicht.“ Zwar sei die Lage nicht ganz so dramatisch wie 2018, aber das liege hauptsächlich daran, dass der erste Grasschnitt im Mai gut ausgefallen sei. „Da dachten wir schon, diesmal gibt es ein gutes Jahr.“

Schon der zweite Schnitt sei dann aber, wegen des seit Anfang Juni fehlenden Regens, sehr bescheiden ausgefallen. Den eigentlich angepeilten dritten und vierten Schnitt gab es gar nicht.

Auf 50 bis 60 Prozent beziffert er demnach seinen Verlust im Vergleich zu einem normalen Jahr. „Da hat es regional enorme Unterschiede gegeben“, sagt Berkenkopf. Die Folge für ihn war deshalb erneut: Futter zukaufen.

Alle Tiere durch den Winter bringen

Schon 2018 hatte die Familienkonferenz beschlossen, von den 75 Milchkühen trotz Futterknappheit keine zu verkaufen, sondern alle durch den Winter zu bringen. „Das machen wir diesmal wieder so.“

Trotz der nicht gerade rosigen Lage hat sich die Familie entschieden, den Viehbestand zu erweitern und einen neuen Stall anzubauen. Statt 75 sollen demnächst 90 Kühe auf dem Hof stehen. Berkenkopf sieht darin die einzige Möglichkeit, seinen Betrieb langfristig rentabel zu erhalten.

Seine beiden Söhne, sieben und elf Jahre alt, interessieren sich sehr für die Landwirtschaft und könnten eines Tages den Hof übernehmen. „Wir müssen die Voraussetzungen schaffen dafür, dass sie das dann auch können.“ Denn generell werde es für kleine und mittlere Höfe schwieriger, zu überleben.

Die umfangreicher werdenden Vorgaben seien oft schwer zu erfüllen – zum Beispiel bei Bauvorhaben. „Eine Anlage, die vor drei, vier Jahren noch genehmigt wurde, wird heute bemängelt. Und da es keinen Bestandsschutz gibt, müssen wir dann nachrüsten“, ärgert er sich. „Da muss man so manchen Euro in die Hand nehmen.“

Keine Dürrehilfe

Von den Dürrehilfen, die es für besonders betroffene Landwirte nach dem Trockensommer 2018 geben sollte, hat Berkenkopf nach eigenen Angaben nichts bekommen. Einen entsprechenden Antrag habe er – mit seinen damals 75 Prozent Ernteverlust – zwar über die Landwirtschaftskammer gestellt. Aber erhalten habe er nichts. „Das macht schon wütend, denn nachweislich hatte uns die Dürre ja voll getroffen.“

Es habe wohl daran gelegen, dass sein Betrieb trotz der hohen Verluste dank Rücklagen nicht in Existenznot geraten sei. Was seine Erwartungen an die Zukunft sind, das sei schwer zu sagen. „Man muss positiv in die nächsten Jahre gehen. Mehr kann man nicht tun.“

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