Ausgrabungen

Erste eisenzeitliche Siedlung im Sauerland

Eisenzeitliche Fundstelle in Altenfeld bei Winterberg:  René Ahlers und Desiree Hammerschmidt bei der Grabung.

Eisenzeitliche Fundstelle in Altenfeld bei Winterberg: René Ahlers und Desiree Hammerschmidt bei der Grabung.

Foto: IKZ

Altenfeld.   Der Winterberger René Ahlers ist in seiner Freizeit Heimatforscher und als ehrenamtlicher Helfer seit über zwei Jahrzehnten für die Archäologie des Landschaftsverbandes auf der Suche nach neuen unbekannten historischen Fundplätzen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wer auch immer vor über 2000 Jahren dort gesiedelt hat, schien die perfekte Lage gefunden zu haben. Oben auf dem Berg, mit freier Sicht in das Tal, rechts und links Wasserläufe, die zum Überleben unerlässlich sind. Der Archäologe Norbert Reuther lässt seinen Gedanken freien Lauf, als er auf dem Boden hockt und mit einer kleinen Maurerkelle im Boden herumkratzt, ab und zu ein für Laien undefinierbares Teil hochnimmt und genauer untersucht. Unten im Dorf Altenfeld weiß kaum jemand, dass oberhalb der Ortschaft eine Forschungsgrabung ein Archäologenteam auf Trab hält und die Wissenschaftler versuchen, gedanklich ein Bild vom Leben der Menschen in der Eisenzeit zu zeichnen.

Archäologenteam auf Suche

Der Winterberger René Ahlers ist in seiner Freizeit Heimatforscher und als ehrenamtlicher Helfer seit über zwei Jahrzehnten für die Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe auf der Suche nach neuen unbekannten historischen Fundplätzen. 2007 fand der 46-Jährige bei Feldbegehungen im Raum Altenfeld besondere Scherben, die er wie immer für genaue Untersuchungen in die LWL-Außenstelle Olpe brachte. Dort wurden die Experten hellhörig, ließ sich die Keramik der zerbrochenen Gefäße doch eindeutig in die Eisenzeit (ca. 500 vor Christus) datieren. „Dieser Raum ist archäologisch gesehen ein weißer Fleck auf der Landkarte“, sagt Dr. Manuel Zeiler, der zusammen mit Dr. Eva Cichy die Grabung leitete. „Wir haben im vergangenen Jahr Forschungsgelder beantragt und konnten in diesem Jahr loslegen“. Über René Ahlers wurde der Kontakt zum Landwirt Herbert Nissel hergestellt, der sein Okay für die Grabung auf seinem Feld gab.

Rund fünf Hektar groß war die Untersuchungsfläche. Mit einem Bagger wurde die 40 Zentimeter dicke Pflugschicht abgeräumt, um an die darunter liegenden unzerstörten Schichten zu gelangen. Anhand der Verfärbungen im Boden wissen die Archäologen, wo sie graben müssen, und schnell stellen sich die ersten Erfolge ein.

Holzkohle, Scherben, verkohlte Knochenreste, Fragmente von Bronzeschmuckstücken und Strichkeramik werden in sechs Tagen aus dem Boden geholt. „Ich versuche mir immer vorzustellen, wie es damals gewesen ist“, sagt Norbert Reuther, der die Bedeutung dieser Grabung herausstellt. „Es ist die erste eisenzeitliche Siedlung, die wir im Sauerland ausgegraben haben“, sagt der Experte. Genau wie Dr. Manuel Zeiler geht Reuther von einem Bauernhof aus, auf dem Menschen seinerzeit gelebt haben. Für die Olper Archäologen ist auch die bei den Grabungen entdeckte Vorratsgrube von großer Bedeutung, in der vor über 2000 Jahren Lebensmittel gelagert wurden. „Mit Stroh und Erde bedeckt waren die Lebensmittel sehr lange haltbar“, erklärt Dr. Zeiler. Allerdings traten während der Grabung auch Reste einer Granate aus dem Zweiten Weltkrieg zutage. Da rückte kurzfristig der Kampfmittelräumdienst an.

Auf das Engagement der ehrenamtlichen Helfer können die professionellen Archäologen nicht verzichten. „Hier haben wir wieder ein ganz bedeutendes Puzzleteil, das Licht in das Leben unserer Vorfahren bringen kann“, lobt Dr. Zeiler den Einsatz des Winterberger Heimatforschers. René Ahlers selbst ist glücklich, die Archäologen bei ihrer Arbeit unterstützen zu können.

Spannende Auswertung

„Wenn dann letztlich eine Grabung so erfolgreich läuft, ist das für mich der größte Lohn und Ansporn, weiterzumachen“, sagt der Winterberger. Das gesamte Areal wurde genau vermessen und in die Karten eingetragen, ehe der Bagger wieder anrollte und die Grabungsspuren komplett beseitigte. Die spannende Auswertung der Fundstücke am Schreibtisch in Olpe wird sich über Monate strecken. Erst dann kann man etwas Genaues zu den Lebensumständen der bisher ältesten bekannten Ackerbauern und Viehzüchter im Sauerland sagen.

Wenn Herbert Nissel sein Feld wieder bestellt, sieht niemand mehr, dass sich unter der Oberfläche des Feldes Relikte aus vergangenen Zeiten verborgen halten. Und irgendwie ist es dann wieder wie vor 2000 Jahren. Ein Bauer bearbeitet sein Feld, um seine Familie zu ernähren.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben