Brauchtum

„Es ist wichtig, das Platt im Sauerland zu erhalten“

Werner Beckmann zeigt seinen Kollegen und Freunden das Plattdeutsches Wörterbuch. In der Runde wurde auf Platt über Platt geredet.

Foto: Ramona Richter

Werner Beckmann zeigt seinen Kollegen und Freunden das Plattdeutsches Wörterbuch. In der Runde wurde auf Platt über Platt geredet. Foto: Ramona Richter

Padberg.  Im Padberger Heimat-Stübchen treffen sich aktive Plattsprecher der Region. Sie erklären, weshalb es wichtig ist, dass Dialekte erhalten bleiben

Im Padberger „Heimat-Stübchen“ von Ortsvorsteher Norbert Becker wurde es am Samstagnachmittag ziemlich eng. Zwanzig muntere Plattdeutsch-Sprecher aus den Regionen Marsberg, Olsberg, Brilon und dem Waldecker Land trafen sich bei Kaffee und Schnittchen zum Schnacken und Gedankenaustausch. Forschungsansätze und -ideen wurden ebenso diskutiert wie der Gebrauch und die Facettenvielfalt einer kaum noch gesprochenen Sprache.

Spricht in 50 Jahren keiner mehr Sauerländer Platt?

Dabei sind sich bereits zu Beginn des Treffens alle sicher: Das Plattdeutsche muss erhalten bleiben, auch wenn es ein schwieriges Unterfangen darstellt. „Wir wollen die plattdeutsche Mundart weiter fördern, aber wenn wir ehrlich sind, würden wir in 50 Jahren hier noch einmal sitzen, spräche wahrscheinlich keiner mehr Plattdeutsch“, sagte Franz Schrewe, Ehrenbürgermeister der Stadt Brilon. Wie gerne sieht er jüngere Menschen, die das Plattdeutsche noch beherrschen. Aber ist das Plattdeutsche für jüngere Mitmenschen wirklich so uncool?

Der Dialekt verbindet die Menschen

Barbara Meyer-Ramme, die seit Jahren als Lehrerin arbeitet, bietet ihren Schülern seit Jahren die Möglichkeit, das Plattdeutsche zu erlernen. Generell seien die Naturparkschulen daran interessiert die totgeglaubte Sprache wieder in ihr Schulprogramm aufzunehmen, da die Resonanz der Schüler durchweg positiv sei, wie Andreas Karl Böttcher sagt. „Einige der Kinder nutzen das Plattdeutsche sogar als Geheimsprache, da es die anderen in der Klasse nicht verstehen.“

Für den Leiter des Sauerländer Mundartarchivs Dr. Werner Beckmann ist das Plattdeutsche eine Kultursprache. Er hat seine Passion zum Beruf gemacht. Von Klein auf interessierte ihn die Sprache seiner Eltern und Großeltern: „Wir haben daheim immer Plattdeutsch gesprochen. Großeltern, die noch Platt sprechen, sollten auch heute noch mit ihren Enkeln auf Platt reden. Sprache muss gesprochen werden und schließlich gewöhnt sich das Ohr daran.“ Voller Begeisterung berichtet er von der Facettenvielfalt im Sauerländischen Plattdeutsch. „Es klingt in jedem Ort anders. Was der Pantoffelheld in Olsberg von seiner Liebsten zu hören bekommt, ist noch lange nicht dasselbe, was er in Cobbenrobe zuhören bekommt“, scherzt er. Aber man solle nicht denken, dass Plattdeutsch nur scherzhaft und lieb sein kann.

Plattdeutsch kann auch ernst sein

„Viele sagen immer es klingt so lieb und fröhlich, aber Plattdeutsch kann auch ernst sein. In Mundart kann man vieles sagen, was auf Hochdeutsch anstößig oder makaber klingt. Aber in der Mundart ist es irgendwie normal.“ Als er zwei Beispiele nennen will, fällt es ihm schwer die Worte ins Hochdeutsche zu übersetzen.

Doch bleibt Plattdeutsch für ihn und viele anderen Teilnehmer eine Sprache die Türen öffnet. „Man ist sich gleich sympathisch, da es wie Heimat klingt, wenn jemand seine Sprache spricht“, sagt Beckmann. Und das konnte man am Samstag spüren. Ein harmonisches Treffen bei dem nicht nur gegessen und geschnackt wurde, wie der Plattdeutsche sagen würde, sondern vor allem viel gelacht und diskutiert.

Radiosendung am 25. Dezember

Die einzelnen Stücke, die die plattdeutschen Sprecher in die Runde mitgebracht hatten und vortrugen schufen nicht nur eine schöne und vorweihnachtliche Stimmung, sondern wurden von dem Moderator und Erfinder der Radiosendung „Do biste Platt“ auf der Hochsauerlandwelle, Markus Hiegemann, für seine Weihnachtssendung am 25. Dezember aufgenommen. „Dai Plattduitske Kristdaag“ begeistert seit 15 Jahren Hörer aller Altersschichten. Welche Gedichte und Geschichten der munteren Truppe schlussendlich in der Weihnachtssendung zuhören sein werden, wird nicht verraten. „Dai Plattduitske Kristdaag“ wird am 25. Dezember von 19 bis 21 Uhr über Radio Sauerland ausgestrahlt.

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