Vorsorge

Fachmann aus Brilon hält Plädoyer für den Notfallordner

Ein Plädoyer für den Notfallordner hält der Briloner Versicherungsfachmann Manfred Sack.

Ein Plädoyer für den Notfallordner hält der Briloner Versicherungsfachmann Manfred Sack.

Foto: Patrick Pleul

Brilon.   Auf die rechtzeitige Vorsorge für den Betreuungsfall kann gar nicht oft genug hingewiesen werden. Ein Baustein in der Notfallordner.

Hans-Joachim B. war 84 Jahre alt, als er an Demenz erkrankte. Seine Ehefrau Ursula hatte sich daraufhin vom Betreuungsgericht als amtliche Betreuerin einsetzen lassen. Vier Jahre später der erschütternde Schock: Sie musste über 53 000 Euro an ihren Mann zurückzahlen, da sie keine detaillierte Buchführung nachweisen konnte. Nach einem Streit mit dem nun vom Gericht bestellten Betreuer wurden ihr alle Vollmachten entzogen. Ein Fall, den das Fernsehen vor einigen Jahren veröffentlichte.

Aber kein Einzelfall, schilderte Manfred Sack auf einer Veranstaltung zum Thema „Notfallordner“. Seit über 25 Jahren ist er mit seinem Büro in Brilon im Bereich der Vorsorgeberatung und Notfallplanung tätig. Sein Schwerpunkt ist hierbei die Generationenberatung.

„Als Betreuer muss man einmal im Jahr die Finanzen offenlegen“, schilderte Manfred Sack. „Viele Ehepaare gehen irrtümlich davon aus, dass der Partner in einer solchen Situation automatisch eine Vorsorgevollmacht und eine Betreuungsverfügung erhält und alles so weiter läuft wie bisher.“ Dass dem nicht so ist, veranschaulichte Sack an weiteren Beispielen: Ein Amtsrichter entschied, dass bei der Frau eines frisch verheirateten Paares eine Chemotherapie durchgeführt werden soll. Oder der Fall von Anne S.: Als ihr Ehemann verstarb, hatte sie keinen Zugriff auf das gemeinsame Konto, um die Miete zu bezahlen. Die Rechtswirksamkeit der Kontovollmacht endete mit dem Tod ihres Gatten. Hier hätte eine sogenannte transmortale Vollmacht als Form der Nachlassregelung Abhilfe geschaffen. In einem anderen Fall erhielt die Tochter keine Auskunft auf ihre Frage, ob ihr Vater nach dem Schlaganfall zum Pflegefall würde. Die Ärzte durften ihr nichts erzählen.

Eine Betreuungsverfügung wie im Fall der Familie B. ersetzt aber noch lange keine Vorsorgevollmacht. Dennoch kann festgelegt werden, unter welchen Gesichtspunkten die Betreuung erfolgen soll. Ansonsten entscheidet ein vom Gericht bestellter Betreuer in Angelegenheiten der ärztlichen Versorgung, des Aufenthaltes, über Vermögensangelegenheiten bis hin zur Befugnis zum Empfang der Post.

Ursula B. sind alle Vollmachten entzogen worden. Eine angeordnete Betreuung - heute „Betreuung mit Einwilligungsvorbehalt“, früher „Entmündigung“ genannt - verschafft der Person mit Betreuungsbefugnis unglaublich viele Rechte. Nicht selten besteht die größte Gefahr im Familienkreis, wenn es um Vermögensangelegenheiten geht.

„Machtmissbrauch“ in der Familie

„Da kommt es häufig zum Machtmissbrauch. Die betreute Person wird für geschäftsunfähig erklärt und entmündigt“, so Sack. Wird dagegen eine Vorsorgevollmacht festgelegt, wird der Bevollmächtigte „zum Vertreter im Willen“. So könne nicht nur die Handlungsunfähigkeit des Partners oder Elternteils, sondern auch eine gerichtliche Betreuungsverfügung vermieden werden.

Auch die Patienten- und Sorgerechtsverfügung oder Elternunterhalt waren Themen, welche die Gäste interessierten. „Die Pflegeversicherung zahlt nur den Sockelbeitrag. Angehörige in gerader Linie werden zu Zahlungen verpflichtet“, so der sachkundige Moderator, der sich aber nicht als Rechts- oder Steuerberater sieht. Ein Teil der Kosten der Pflege muss monatlich aus eigener Tasche bezahlt werden. Schenkungen und Übertragungen von Vermögen der letzten 10 Jahre sind offenzulegen und werden von der Pflegeversicherung nicht anerkannt. So manch einer habe schon Haus und Hof an die Pflegekasse verloren, schilderte Sack. Die Erben gingen dann leer aus.

Auch für Haustiere Vorsorge treffen

Oft hört der Generationenberater Sätze wie: „Pflegen? Das machen meine Kinder“ oder „Mir passiert schon nichts“. „Das sollen erstmal die alten Leute machen“, „Geld ausgeben tu ich nicht“ seien auch Standardsätze. Doch rechtssichere Vollmachten kosten Geld. Geld, welches für den Notfall gut angelegt ist. Und wenn man nur seine Tiere im Notfall gut versorgt wissen möchte? fragte eine Zuhörerin. Da helfe eine Haustier- und Großtierverfügung, in der im Detail alles für den Fall der Fälle geregelt werden könne.

„Oft vernachlässigt und dann kommt es ganz dicke. Nur mit der rechtssicheren Hinterlegung einer Vorsorgevollmacht und einer Patientenverfügung können die Bevollmächtigten auch meinen Willen durchsetzen“, betonte Sack am Schluss der Veranstaltung.

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