Flugzeugunglück

Flugzeug-Absturz reißt Olsberger Dorf Elpe aus dem Alltag

An einer Leitplanke direkt neben dem Absturzkrater in Olsberg legt eine Anwohnerin Blumen und Kerzen nieder.

An einer Leitplanke direkt neben dem Absturzkrater in Olsberg legt eine Anwohnerin Blumen und Kerzen nieder.

Foto: Jörg Taron/dpa

Olsberg-Elpe.  Ein Flugzeug-Absturz reißt ein ganzes Dorf aus dem Alltag. Die zwei Piloten sterben, als ihr Learjet nach der Kollision mit einem Kampfjet ins Dorf stürzt. Erst langsam erfassen die Bewohner von Olsberg-Elpe, wie knapp ihr Ort einer Katastrophe entgangen ist.

An einer Leitplanke direkt neben dem Absturzkrater haben Anwohner einige Blumen abgelegt. Brigitte Sulzmann steckt eine Kerze an. "Wenn es einen Herrgott gibt, dann kann man nur "Danke" sagen", sagt sie.

Dass die beiden Piloten bei dem Absturz gestorben sind, sei tragisch. "Aber dass sonst niemandem etwas passiert ist, grenzt an ein Wunder." So wie Sulzmann erfassen die meisten Einwohner des 550-Seelen-Dorfes Elpe erst Tage nach dem Absturz eines Learjets, wie knapp sie wohl einer Katastrophe entgangen sind.

Noch deutlich unter dem Eindruck der Ereignisse steht Rudolf Beule. Der 73 Jahre alte Landwirt hatte das Unglück von einem Acker außerhalb des Dorfes mitbekommen. Er habe dann die geräuschlos segelnde Unglücksmaschine im Dorf verschwinden sehen. "Und dann den Feuerball und die Rauchwolke."

In Tränen ausgebrochen

Er habe das Schlimmste befürchtet und sei ins Dorf zurückgefahren. "Ich wusste ja nicht, was mich dort erwartet." Als er auf seinem nur 100 Meter neben der Absturzstelle liegenden Hof seine Tochter und Enkel unversehrt vorfand, sei er "einfach nur noch in Tränen ausgebrochen", berichtet Beule. Er werde sich wohl noch psychologische Hilfe holen müssen. "Ich kann nicht mehr schlafen, das Flugzeug verfolgt mich immer."

Beules Nachbarin Sabina Rouschu steht vor dem Krater auf ihrer Wiese. "Normalerweise stehen hier unsere Pferde und suchen genau an dieser Stelle den Schatten. Wir haben sie am Sonntag in den Stall geholt, weil der Hufschmied am Montag kommen sollte", sagt die 50-Jährige. Sonst wären ihre sechs Pferde wohl tot. "Wir haben einfach großes Glück gehabt", meint sie nachdenklich. Denn eigentlich wollte sie am Unglücksnachmittag gemeinsam mit ihrem Sohn noch ein Wasserfass von der Wiese holen.

Erst schockiert, dann wütend

Der Elper Ortsvorsteher Willy Judith (SPD) hat solch eine Stimmung im Dorf noch nie erlebt. "Am Montag standen alle unter Schock", sagt er. Als dann Details über das Bundeswehr-Manöver, das zu dem Absturz geführt hat, bekanntwurden, seien die meisten wütend gewesen. "Und jetzt sind wir vor allem dankbar, dass nichts Schlimmeres passiert ist."

"Unfassbares Glück", das sagt auch Wolfgang Klauke, der ebenfalls in der Nähe der Absturzstelle wohnt. "Unser Schutzengel hat Überstunden gemacht. Da werden wir wohl noch lange mit zu tun haben", sagt der 74-Jährige, während er an der provisorischen Gedenkstätte zwischen den beiden Wiesen steht. "Ich habe beim Tischler ein kleines Kreuz in Auftrag gegeben. Egal, ob die das Flugzeug noch hierher gesteuert haben oder ob es einfach nur Glück war, dass sonst niemandem etwas passiert ist; das haben die beiden Piloten verdient." (dpa/lnw)

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