Umwelt

Forst-Projekt: Winterberger Schüler „pflanzen Zukunft“

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„Zukunft pflanzen“ - das ist das Motto des Schulwald-Projekts der Sekundarschule Medebach-Winterberg in Winterberg

„Zukunft pflanzen“ - das ist das Motto des Schulwald-Projekts der Sekundarschule Medebach-Winterberg in Winterberg

Foto: Rita Maurer / WP

Winterberg.  „Zukunft pflanzen“ - das ist das Motto eines Schulwald-Projektes in Winterberg. Die Fünftklässler legten jetzt damit los.

„Wenn wir so weitermachen, gibt es bald keine Bäume und keine frische Luft mehr.“ Viel besser als die Fünftklässlerin Pauline kann man wohl den Grund für einen neuen Schulwald nicht auf den Punkt bringen. Die Sekundarschule Medebach-Winterberg hat vom Stadtforst ein rund zwei Hektar großes Grundstück in der Nähe des Hesborner Weges bekommen, das nun gemeinsam aufgeforstet und für außerschulischen Unterricht genutzt werden soll.

Die neuen Fünftklässler am Standort Winterberg haben den Anfang gemacht und im Beisein von Schulleiter Uwe Kruse und Bürgermeister Michael Beckmann eine Roteiche und eine Weide gepflanzt. Initiatoren des Projektes sind die Lehrkräfte Yvonne Dollberg und Uwe Kemper; es soll ein Beitrag für die von der Landesregierung geforderte Bildung für nachhaltige Entwicklung sein.

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130 Jahre alte Fichten

„Zukunft pflanzen“, unter diesem Motto steht der Schulwald. „Auf der Fläche haben bis vor einigen Monaten noch große Fichten gestanden“, erzählt Michael Kleinsorge, der als Chef des Winterberger Stadtforstes für alle städtischen Waldgrundstücke verantwortlich ist. Rund 130 Jahre sind die Fichten dort gewachsen, haben in drei Jahrhunderten zwei Weltkriege und viele Stürme überstanden – bis winzig kleine Tierchen sie jetzt zum Absterben brachten.

Welche Tierchen das sind? Die Finger gehen hoch, das weiß wohl jedes Kind im Sauerland: Ganz klar, die Borkenkäfer. Weil es drei Jahre hintereinander viel zu wenig geregnet hatte, haben die Fichten nicht genug Wasser bekommen und konnten sich deshalb nicht wie sonst gegen die Borkenkäfer wehren, indem sie genug Harz bildeten, wenn die kleinen Übeltäter sich in ihre Rinde bohren wollten.

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Michael Kleinsorge erzählt den Kindern beim Pflanzen viel Wissenswertes über den Wald und seine große Bedeutung für die Menschen und das Klima. Er zeigt ihnen eine Stelle ganz in der Nähe des Schulwaldes.

Wenn man genau hinguckt, sieht man, dass die dort stehenden Fichten bräunliche Spitzen haben: „Diese Bäume sind jetzt schon tot, in zwei bis vier Wochen fällt die Rinde ab. Sie müssen auch gefällt werden.“ Sogar Buchen, die bisher als widerstandsfähiger galten, sind mittlerweile von der Trockenheit betroffen.

Kleine Bäume profitieren von Regen

Da konnte auch der gerade vergangene Sommer mit seinen häufigen Regenschauern nichts mehr retten, davon haben eher die jüngeren Bäume und Büsche profitiert. Wenn man rundherum schaut, sieht man überall Wald, der in großer Gefahr ist. Den Schülern wird damit eindrucksvoll klar, wie wichtig es ist, dass jeder Mensch – egal, ob groß oder klein – etwas für das Klima tun muss.

Deshalb sind sie die ersten Baumpaten im Schulwald, hacken mit vereinten Kräften sowie Unterstützung von Michael Kleinsorge große Pflanzlöcher, setzen ihre Bäumchen hinein und gießen sie an.

Drei Mitarbeiter des Stadtforstes sind währenddessen dabei, große Pfosten in die Erde zu rammen und einen 1,80 Meter hohen Zaun um das gesamte Grundstück zu ziehen – damit die frisch gepflanzten Bäume nicht gleich wieder vom Wild abgefressen werden.

Der Schulwald soll ab sofort in den Unterricht aktiv mit einbezogen werden. Anknüpfungspunkte bieten sich in mehreren Fächern: In Naturwissenschaften kann die Ökologie des Waldes durchgenommen werden, in Gesellschaftslehre wird am praktischen Beispiel kartographiert, in Arbeitslehre steht der Bau von Sitzgelegenheiten oder Nistkästen auf dem Lehrplan. Vielleicht wachsen bald auch genug Himbeeren, aus denen sich gemeinsam Marmelade oder Saft kochen lässt. Und wenn man den Fußmarsch von gut 3,5 Kilometern von der Schule bis zum Wald einrechnet, ist auch das Fach Sport aktiv mit dabei.

Auch Privatleute können mitmachen

Der Wald soll aber nicht nur der Schule allein vorbehalten sein, auch interessierte Privatleute oder Firmen können sich gerne aktiv beteiligen. Nach Absprache mit der Schule können dort eigene Bäume gepflanzt werden. Immer gebraucht werden natürlich Geldspenden, aber auch Arbeitsmaterial für die Arbeit in der Natur.

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Noch sind die ersten beiden Bewohner des neuen Schulwaldes klein – so wie ihre stolzen Besitzer auch. Gemeinsam wollen sie wachsen, sich entwickeln, groß und stark werden. Ein Weg, auf dem sich alle in den nächsten Jahrzehnten begleiten wollen. Viele gute Wünsche werden dafür formuliert: „Ich wünsche mir, dass der Borkenkäfer wieder weg geht“, hofft Luana. Liam möchte, dass alle Bäume gesund bleiben. Und Pauline? „Dass noch mehr Menschen Bäume in unserem Schulwald pflanzen.“ Denn an diesem Schultag ist allen offensichtlich geworden: „Wenn wir so weitermachen, gibt es bald keine Bäume und keine frische Luft mehr.“

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