Drohbrief

Anonyme Drohung: Frau aus Marsberg erhält perversen Brief

Häufig sind Frauen Opfer sexueller Übergriffe.

Häufig sind Frauen Opfer sexueller Übergriffe.

Foto: Thomas Nowaczyk

Marsberg-Westheim.  Jutta Stirnberg wird in einem anonymen Brief sexuelle Gewalt angedroht. Aus Angst hat sie Wohnung und Arbeit aufgegeben.

Mit Schicksalsschlägen wird Jutta Stirnberg fertig. Davon hat sie im Laufe ihrer 56 Lebensjahre eine Menge wegstecken müssen. Schwere Krankheiten in der Familie. Tod der Eltern und der Schwägerin. Ihr Mann Johannes ist im März an einem Krebsleiden verstorben. Die beiden waren gleich alt. Ihr Mann war Schreiner. Einer Selbstständigkeit folgten Insolvenzen. „Das alles habe ich gut mitgetragen“, sagt sie. Aber jetzt kann sie nicht mehr.

Sie hat einen anonymen Drohbrief erhalten. Er liegt unserer Redaktion in Kopie vor. Der Schreiber droht ihr darin mit obszönen Worten sexuelle Gewalt an. Er ist handschriftlich in Druckbuchstaben geschrieben. Vier Zeilen: „Hallo du Asoziale. Hast du deine Schulden bezahlt? (...) Wir kommen auch nach Hardehausen!“

Der Brief wurde bei ihr im Hochsommer durch den Briefschlitz geworfen. „Als ich mittags von der Arbeit nach Hause gekommen bin, habe ich ihn im Flur mit der anderen Post gefunden“, erzählt sie mit tränenerstickter Stimme. Von da an war nichts mehr so für sie, wie es war. „Der Brief hat mich tief ins Mark getroffen.“ Und sie hat Angst. Angst, allein in dem großen leeren Haus zu bleiben. Vor allem nachts. Angst, zur Arbeit zu gehen. Die hat sie inzwischen aufgegeben. Sie fühlt sich hilflos und ausgeliefert. „Ich habe Angst, dass der- oder diejenigen die sexuellen Übergriffe wahr machen könnten.“

Aus Westheim weggezogen

Noch am selben Tag ging sie zur Polizei in Marsberg. Alles sei da plötzlich hochgekommen: Der Tod des Mannes, das Alleinsein mit diesem unsäglichen Drohbrief. Jutta Stirnberg: „Ich fühlte mich wie Freiwild und war vollkommen fertig.“ Sie erstattete Anzeige. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt.

Ihre drei Kinder sind erwachsen und leben längst nicht mehr in Westheim. Wo genau, das möchte sie nicht öffentlich sagen. Denn sie hat, seitdem sie den anonymen Drohbrief bekommen hat, nicht mehr zu Hause übernachtet. Freundinnen und die Familie haben ihr weitergeholfen. Zu Hause war sie nur, um ihre Wohnung abzuwickeln. Vor einigen Tagen ist sie ganz aus Westheim weggezogen.

Eigentlich hatte sie nach dem Tod ihres Mannes zurück in ihr Elternhaus nach Hardehausen ziehen wollen. Aber durch die Androhung im Brief, dass man sie auch dort finden würde, hat sie auch diesen Plan über den Haufen geworfen.

Anderen Frauen Mut machen

„Wenn jemand ein Problem mit mir hat, warum wendet er sich nicht offen an mich? In einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht lässt sich doch alles klären“, sagt sie und kann nicht verstehen, was den anonymen Schreiber dazu bewogen haben könnte, ihr diese Drohungen zu schreiben. Es wirft Fragen in ihr auf: „Was hat derjenige gegen mich, warum diese Perversion?

Jutta Stirnberg will aus der Opferrolle heraus und den Vorfall öffentlich machen. Sie möchte damit anderen alleinstehenden Frauen Mut machen, die mit ähnlichen anonymen Drohungen drangsaliert werden. Denn sie glaubt, dass sie nicht die einzige ist und die betroffenen Frauen nur nicht darüber sprechen wollen. Aus Angst möchte sie ihr Gesicht nicht öffentlich zeigen.

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