Interview

Für guten Kaffee muss ich mit der Natur arbeiten

Andrés Quintanilla Bellucci ist Kaffee-Farmer aus El Salvador.

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Andrés Quintanilla Bellucci ist Kaffee-Farmer aus El Salvador.

1 Achten Sie beim Kaffeepflanzen-Anbau auf Umweltschutz?

Bellucci: Ich nutze das gesamte Öko-System. Es ist nicht meine Farm, sondern die der Zukunftsgeneration. Ich lege Wert auf Umweltschutz und arbeite ohne Pestizide und Glyphosat, durch Chemie ändert sich der PH-Wert des Bodens. Um guten Kaffee zu bekommen, muss ich mit der Natur arbeiten und die Natur hilft uns. Wir sorgen für Schatten über den Pflanzen in drei Levels, so bekommen sie nur 30 Prozent direkte Sonne. Drei Meter hohe Schattenbäume und über sechs Meter hohe Pinien schützen die Pflanzen. Wenn ich in den Blättern kleine Löcher sehe, funktioniert die Ökologie. Auch ein paar Grashüpfer sind gut. Werden es zu viele und sie fressen alle Blätter, lege ich hohlen Bambus aus, in den sie wandern. Damit werden Schweine gefüttert. Oder sie werden von blauen tropischen Vögeln in den hohen Bäumen gefressen. Die zeigen auch das Wetter an. Bauen sie Nester oben im Baum, wird das Jahr nicht so nass, hängen sie unten, wird’s feucht. Ein Naturkreislauf. Gefahr für Blätter sind auch winzige rote Spinnen, aber vernichte ich sie mit Pestiziden, sterben auch die Grashüpfer. Sind Kaffeebüsche krank, gebe ich in das Erdreich Rosmarin, Minze oder Salbei.

2 Wie lange dauert es von der Saat bis zur Kaffeebohne?

Von der Saat bis zur ersten Bohne wächst die Pflanze fünf Jahre. Die Saat kommt in Sand aus einer tiefen Mine, Meersand ist zu kontaminiert. Sand kann man auf natürlichem Weg mit kochendem Wasser sterilisieren. Die Setzlinge werden die ersten Jahre in 500 Meter Höhe aufgezogen, danach wachsen sie auf Plantagen in rund 1.600 Meter weiter. Die Pflanzen werden 30 Jahre, manche sogar 80 Jahre alt.

3 Haben Sie schon Naturkatastrophen auf der Farm erlebt?

2014 hat ein naher Vulkan 50.000 frisch gepflanzte Pflanzen völlig mit Asche bedeckt. Hätten wir sie abgespritzt, wären die Blatter verbrannt. Meine Eltern und ich haben von jeder einzelnen Pflanze die Vulkanasche abgeschüttelt. Seitdem stehe ich in direktem Kontakt zu fünf Kaffeebauern in anderen Ländern. Wir helfen einander und beraten uns in solchen Problemfällen.

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