Kommunales

Fürs Gut Petershagen bei Brilon läuft es nicht gut

Das Feriendorf Gut Petershaben am Kahlen Hohle in Gudenhagen-Petersborn

Das Feriendorf Gut Petershaben am Kahlen Hohle in Gudenhagen-Petersborn

Brilon.   Ein ungewöhnliches Veto aus Arnsberg und ein exzentrischer „Extrem-Botaniker“ legen der Stadt Brilon und dem Investor Steine in den Weg.

Die Bezirksregierung Arnsberg hat die weitere Planung des Feriendorfs „Gut Petershagen“ gestoppt. Grund: Die im November eingereichte Eingabe eines Anliegers, der auf Versäumnisse bei der naturschutzrechtlichen Bewertung des Projektes aufmerksam gemacht hatte. Formal, so Anna Carla Springob, Sprecherin der Bezirksregierung am Freitag auf Anfrage der WP, sei das zwar zu spät, aber: „Die Eingabe geht an die Grundfesten des ganzen Verfahrens.“

Kurz vor Ablauf der dreimonatigen behördeninternen Prüfung der am 6. September vom Rat verabschiedeten Bauleitplanung hatte ein Anlieger per selbst veranlasstem Öko-Gutachten die Bezirksregierung darauf hingewiesen, dass in der Bestandsaufnahme des Bauleitplanungsverfahren eventuell dort vorhandene, dem „Naturschutzgesetz unterliegende Biotope“ nicht berücksichtigt worden seien. Springob: „Eine ordnungsgemäße Abwägung war deshalb nicht möglich.“

Skeptisch wegen „Event-Tourismus“

Initiator des Gutachtens ist Jürgen Schulte. Ihm gehört ein kleines, im Bereich der Fischteiche und der Christophorus-Residenz liegendes und mit einem Häuschen bebautes Grundstück. Schulte stammt aus Brilon und verbringt dort immer wieder Mal Auszeiten. Bereits im Zuge des Offenlegungsverfahrens hatte er in Gudenhagen-Petersborn per Flugblatt gegen die „Monster-Architektur“ und den seiner Meinung dort geplanten Event-Tourismus protestiert.

Jetzt geht es ihm um Magerrasen, ein nährstoffarmes Grünland, auf dem besondere trockenheitsresistente Pflanzen wachsen und das als Rückzugsgebiet für bestimmte Kleintiere eine besondere Bedeutung hat. Mit dem Gutachten beauftragt hat Schulte den „Diplom-Ingenieur für Landespflege, Flora und Vegetationskunde“ Jürgen Feder (Bremen). Den kennen Fernsehzuschauer als „Extrem-Botaniker“, eine nach eigenen Angaben „schillernde Kultfigur“, die u.a. bei Stefan Raab mit schrägen Sprüchen und schrillen Anekdoten die Zuschauer unterhielt.

„Alles so schön ausgeschachert“

Weniger lustig ist allerdings, was Feder am 14. Januar um 23.26 Uhr auf seiner Facebook-Seite postete: „Eine unheilvolle Allianz aus korrupten Investoren, der Stadt Brilon, kackdreisten Gefälligkeitsgutachtern und ein paar willfährig-feigen Mitbewohnern hatte sich doch alles so schön ausgeschachert.“

120 Wiesenarten habe er auf der sechs Hektar großen Fläche ausgemacht, das Ganze sei ein „nach NRW-Naturschutzgesetz besonders geschützte Goldhaferwiese“.

Ein am 11. Dezember mit der Stadtverwaltung, dem Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz (LANUV) und dem Projektplaner und Investor Eckhard Lohmann vorgenommener Ortstermin führte zu keinem Ergebnis. Anna Carla Springob: „Die Marker fehlten.“ - sprich: Jahreszeitlich bedingt konnte keine Aussage zur Vegetation und zu den von Jürgen Feder dokumentierten Arten getroffen werden. Das soll nun im Frühjahr erfolgen.

Wie Brilons Beigeordneter Reinhold Huxoll sagte, habe die Stadt daraufhin am 14. Dezember den Antrag auf Genehmigung der Bauleitplanung zurückgezogen.

Investor Eckhard Lohmann ist auf dem Höchsten: „Dreieinhalb Jahre war Zeit, alles zu prüfen. Wie soll man da noch Vertrauen in die Behörden haben?“ Rund 800.000 Euro habe er bisher in Planung und Vorbereitung investiert. Ursprünglich hatte er im Frühjahr loslegen wollen. „Jetzt geht vielleicht ein weiteres Jahr verloren,“ sagt er.

Für die Stadt Brilon weist Beigeordneter Huxoll die Verantwortung für die neuerliche Verzögerung zurück. Da es sich um einen sogenannten Vorhabenbezogenen Bebauungsplan handelt, hat der Initiator - also Eckhard Lohmann - nicht nur die Verfahrenskosten zu tragen, sondern Lohmann sei auch selbst verantwortlich für die Vollständigkeit der Unterlagen.

Neues Monitoring im Frühjahr

Falls sich bei dem Monitoring im späten Frühjahr keine naturschutzrechtliche Blockade ergibt, kann das Planverfahren nahtlos fortgeführt werden. Falls doch, so die RP-Sprecherin, müsse geprüft werden, „ob und welche Ausgleichsmöglichkeiten“ geschaffen werden können. Dann müsse „die ganze Schleife“ mit der öffentlichen Auslegung der Planung neu beginnen - und auch der Möglichkeit der Betroffenen, dagegen erneut vorzugehen.

SPD-Sprecher Hubertus Weber versteht die Bezirksregierung nicht. Schließlich habe Arnsberg die Landesplanerische Anfrage zu dem Projekt abgesegnet. Weber: „Wenn die Bezirksregierung sagt, es geht, dann erwarte ich einen belastbaren Bescheid.

CDU-Sprecher Eberhard Fisch wundert sich, dass die „Verwaltung nicht von alleine darauf gestoßen“ sei. Beide bekräftigen jedoch, weiterhin voll hinter dem Projekt zu stehen.

„Widerliche Gesellschaft“

Auf den Termin im Frühjahr freut sich Extrem-Botaniker aus Bremen in seinem Facebook-Post jetzt schon: „Hurra, ... im Mai/Juni gebe ich dieser widerlichen Gesellschaft dann den Rest!“ Denn da blühe alles schön „und ich kann alles nochmal allen beweisen“.

Die WP hatte ihn am frühen Abend auf diesen Post per Mail angesprochen; eine Reaktion war bis Redaktionsschluss nicht gekommen.

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